Pflanzen sind

Schachbrett für Chaoten? Nein, "Minimosaique" von LAb[au]. - © Mario Mauroner Contemporary Art
Schachbrett für Chaoten? Nein, "Minimosaique" von LAb[au]. - © Mario Mauroner Contemporary Art

keine Vegetarier

(cai) Da hab ich direkt nachzählen müssen. Weil so eine Frauenquote wie derzeit in der Galerie Gans wird sonst ja bestenfalls auf der Damentoilette erreicht (100 Prozent). Schon die Galeristinnen sind eben -innen: Marina Papanikolaou-Rodler und neu: Susanne Gschwenter. Und dann die aktuelle Ausstellung: Drei Frauen, drei Generationen, ein Thema - die Natur. (Natur, die!) Beziehungsweise klingt die Natur hier eher an. Mehr oder weniger deutlich. Drum "Reminiscences of Nature".

Christine de Pauli (geboren 1946) ist eine Meisterin der Verknappung, die ihre sparsamen Gesten (skripturale "Kürzel") in der Leere schweben lässt. Wobei die Leere ja nicht nichts ist. Das Weiß vibriert. Assoziative Landschaften der inneren Einkehr und Stille. Bei Eva Wagner (1967 geboren) verschwimmen die Räume miteinander wie die Spiegelungen in einer Glasscheibe mit dem Dahinter. Als blasse Erinnerungen, in diffusem Realismus, tauchen die Pflanzen in dieser behutsamen Malerei auf, wo sich Transparenzen geschickt zu Farbstimmungen verdichten.

Die Jüngste (Jahrgang 1984) ist die experimentierfreudigste. Transferiert Abbildungen aus wissenschaftlichen Büchern mit ihrer speziellen Drucktechnik in ihre Malerei. Kunstharz kommt auch noch drauf. Und Floriama Candeas Blumenbilder von opulenter Schönheit tun nur so harmlos. In Wahrheit sind sie ziemlich hinterfotzig und gar nicht so vegetarisch. Manche Blüte ist ein Hybrid voller Fleischeslust. Vaginen, Penisse - also doch was Männliches. Und sind die zerbrochenen Eierschalen auf dem Bild dort eine symbolische Entmannung? Nein, das ist eigentlich abgekratzte Farbe.

Die Stile vertragen sich erstaunlich gut. Keine Stutenbissigkeit sozusagen. Oder war das jetzt sexistisch?

Galerie Gans

(Kirchberggasse 4)

Reminiscences of Nature,

bis 7. März

Mi. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Sa.: 12 - 15 Uhr

Die Zahl Pi ist

das längste Gedicht

(cai) Ja, nein - vielleicht. Klingt, als könnte sich da jemand nicht entscheiden. Doch selbst in der binären Welt gibt’s anscheinend etwas zwischen 0 und 1. (0,5? Und 0,1, 0,2 . . .) Die komplexe Kunst des Konzepttrios LAb[au] (Manuel Abendroth, Jérome Decock und Els Vermang) folgt zwar meist einer binären Logik (auf - zu, schwarz - weiß, Leben und Tod . . .), lässt allerdings Raum für Zwischentöne. Fürs Grau. Wie grad in der Galerie Mauroner: "yes:no, perhaps."

Leben und Tod? Ja. Bei einem im radioaktivsten Sinne des Wortes strahlenden Gelb (irgendwas mit Uran) geht’s wohl darum. Endlich einmal ein abstraktes Bild, das man versteht. Jedenfalls erzählt es einem Geigerzähler, der beunruhigend knackt, von der Vergänglichkeit. In 1600 Jahren wird das Gelb nämlich erloschen sein. Abendroth: "Ein Bild kann sterben. Aber es stirbt wirklich. Es ist kein Bild des Todes." Trotzdem wird es jeden heutigen Betrachter überleben (und dessen Leben womöglich sogar um ein paar Minuten verkürzen). Schwarz wie Malewitschs ikonisches Quadrat ist dagegen bereits das "Minimosaique". Ein "Schachbrett" bloß mit schwarzen Feldern, die rein- und rausfahren und keinen Schatten, sondern Licht werfen (auf die hinteren Felder). Muster erzeugen. Ordentliche und chaotische. Überhaupt bewegt sich hier ständig was, dass man fasziniert hinstarren muss. Klappt auf, zu, verändert sich mit meditativer Beschaulichkeit. Ein quasi bipolares monochromes Bild schwankt mysteriös zwischen Schwarz und Weiß. Und überall Regeln (der Zufall ist ja auch eine). Das kinetische Relief, das lauter dreieckige Flügerln öffnet und schließt und Farben enthüllt, soll übrigens keine Schmetterlingskolonie sein, das ist eine lebendig gewordene Pinwheel-Parkettierung. Sogar das Winkeralphabet aus der Schifffahrt kann da drinstecken.

Kunst und Sprache. Das ist sowieso "das" Thema. Und Pi (hinterm Komma beginnt die Unendlichkeit) ist insgeheim Poesie. Wird in Buchstaben umgewandelt. Eine endlose Dada-Ballade über theoretisch fast alles: ". . . COW WHY BAT GIG / GAZE BAR GET WHO . . ." LAb[au] schaffen es immer wieder, eine mitunter sehr hermetische Idee in eine zugängliche, sinnliche Ästhetik zu übersetzen und . . . einfach g’scheite Kunst zu machen.

Mario Mauroner

Contemporary Art Vienna

(Weihburggasse 26)

LAb[au], bis 28. März

Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr