Es sind zwar nur vier große Tafeln, die auf den Außenseiten eines gotischen Flügelalters angebracht waren, und dazu vier kleinere Predellenbilder auf Holz, doch sie haben schon 500 Jahre hinter sich gebracht, daher ist dieses kleine Oeuvre und auch seine Wiederzusammenführung schon eine Sensation.

Meister von Mondsee: "Flucht nach Ägypten", um 1499. - © Belvedere
Meister von Mondsee: "Flucht nach Ägypten", um 1499. - © Belvedere

Denn die Tafeln eines originellen Meisters ohne Namen und ungeklärter Herkunft wurden bei der Barockisierung der Stiftskirche von Mondsee wie fast alle anderen 1500 Exemplare oberösterreichischer Altarkunst der Spätgotik abmontiert, getrennt von den wohl skulpturalen Festtagsseiten, verstreut und landeten zum Teil nach privaten Eigentümern in drei verschiedenen Museen: Eine große Tafel und die vier kleinen befinden sich im Belvedere, zwei weitere große im Oberösterreichischen Landesmuseum und eine letzte große kam in den Besitz der Fürsten von Liechtenstein.

Naturbetrachtungen

Mittelalter-Kuratorin Veronika Pirker-Aurenhammer hat im ersten Raum den 20 Jahre früher tätigen Michael Pacher, dessen Altar nach wie vor in der Wallfahrtskirche von Sankt Wolfgang erhalten ist, in ident großen Farbkopien als ikonografisches Vorbild aufgehängt, dazu ist der Vertrag, den Pacher mit Abt Benedikt Eck von Mondsee geschlossen hat, zu sehen.

Benedikt Eck von Vilsbiburg war dann auch der Auftraggeber des Meisters von Mondsee und er ist auf einer der Predellentafeln als Anbeter der Muttergottes im Ährenkleid porträtiert. Wie es sich gehört im Mittelalter, drückt ihn die Bedeutungsproportion der Madonna unter Kindergröße. Erste Porträts, vielleicht auch Kaiser Friedrichs III. in der "Anbetung der Könige", erkennbar am typischen Unterbiss der Habsburger, und durch eine Medaille, vermutet Lothar Schultes vom Landesmuseum in Linz.

Die Porträtkunst des Meisters mit seltsam breiten Gesichtern und wunderbar gebauschten Kleiderfalten, die ganze Figurengruppe umspielen, setzt einen hohen Grad an Realismus voraus, der sich davor durch niederländische Einflüsse in Deutschland und Österreich verbreitete und die gotische Malerei veränderte.

Vor allem die Natur wird um 1500 genau beobachtet, der Glanz der Edelsteine, sprießendes Grün an den Bäumen bei der "Flucht nach Ägypten" und eigenwillige Stimmungen in den Landschaftshintergründen, trotz des Goldgrunds für den Himmel. Unter Maria auf dem Esel taucht eine akribisch gemalte Akelei auf, um mit ihrem Dornfortsatz an der Blüte auf das Leid der Passion vorauszuweisen. Zu den acht Tafeln, sind die wichtigen vorbildlichen Grafiken wie von Martin Schongauer, vom Meister E.S., von Wolf Huber und auch eine dem Meister von Mondsee nahestehende Federzeichnung eines Jacobus aus Erlangen gereiht.

Im letzten Raum sind die durch die Restaurierungswerkstätten erstellten Infrarotreflektografien zu sehen, die eine Pinselzeichnung mit Rußtinte und an die 90 Farbbezeichnungen unter den Gewändern der figurenreichen Kompositionen sichtbar machen. Dazu kommen die Vergleiche von Künstlern ähnlicher Qualität aus dieser Zeit und dem Bereich Oberösterreich, Wien und Bayern. Pirker tendiert zu letzterer Herkunft des Meisters, da das Stift Mondsee und auch St. Wolfgang damals Enklaven Bayerns waren und erst 1506 an Österreich kamen.

Der wenig bekannte Gabriel Mälesskircher arbeitete 1476 in München auch mit niederländischen Kenntnissen und einem hohen Grad an Emotion seiner Figuren. Und doch bleibt das Rätsel, wer dieser Meister war, der selbst beim schwarzen König aus dem Orient beobachtete, dass unter den Begleitern auch die Familie des anbetenden Besuchers von Betlehem unter seltsamen Flaggen in einer eng aneinandergedrückten Menschenmenge zu finden sind. Zudem ist sein hoher Bildungsgrad an ausgefallenen jüdischen Themen zum Propheten Elias, in Details der Möbel, aber auch in seinen seltsamen Verkürzungen gesenkter Häupter abzulesen. An der Rückseite der großen Tafel aus dem Museum Liechtenstein haben sich Goldreste erhalten, die wohl zu einem kombinierten Relief der Festtagsseite des Altars gehörten. Eine Entdeckung.