Jahrelang hat es sein verfallendes Gesicht hinter Werbefassaden versteckt - nun zeigt es sich frisch geliftet: Das Künstlerhaus glänzt wieder in seiner ursprünglichen Grazie am Karlsplatz. Hans Peter Haselsteiner hat den alten Sanierungstraum wahr werden lassen: 57 Millionen Euro hat seine Familienprivatstiftung aufgebracht und trägt zudem die Instandhaltungs- und Wartungskosten.

Im Gegenzug hat sich der Tycoon einiges ausbedungen. Der bisherige Eigentümer, die Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreich, hält in der neuen Besitz- und Betriebs GmbH nur noch 26 Prozent und bespielt lediglich den ersten Stock des Gebäudes. Mehrheitseigentümer Haselsteiner stehen dagegen das Erd- und Untergeschoß für seine Kunstpläne zur Verfügung. Für diese hat er sich die Albertina ins Boot geholt. Sie tritt am Karlsplatz unter dem Namen "Albertina modern" auf und richtet ein "Schaufenster für die österreichische Kunst ab 1945" ein, wie Direktor Klaus Albrecht Schröder sagt. Die Exponate dafür kommen einerseits aus den Beständen der Albertina, andererseits aber auch von Haselsteiner: Er hat 60 Prozent der Sammlung Essl erworben, nachdem das Besitzer-Ehepaar wirtschaftlich in die Krise geraten war. Weil die Essls die restlichen 40 Prozent der Albertina geschenkt haben, kann diese die ganze Sammlung nutzen. Ihr Haus-Debüt geben die Werke am 12. März in der Schau "The Beginning. Kunst in Wien 1945 bis 1980".

Schon ohne Exponate lassen die Räume den Atem stocken: Die historischen Gebäudeteile schillern in jener ziselierten Buntscheckigkeit, die der Architekt August Weber einst ersonnen hat; die Ausstellungsräume strahlen zeitgenössische Nüchternheit aus und bieten mehr Fläche, als die Außenfassade des Hauses erahnen lässt. Der Grund: Beim Umbau ist der Kellertrakt erweitert worden. Das Obergeschoß hat wiederum durch die sogenannte "Factory" Raum hinzugewonnen. Das gesamte Gebäude sei barrierefrei zugänglich und technisch "state of the art", hieß es am Freitag bei der Übergabe an die Nutznießer, also an die Albertina und den Künstlerhaus-Verein.

Theater-Trakt noch frei

Albertina-Chef Schröder war naturgemäß voll des Danks für den Mäzen und machte auch seiner Freude über die Albertina-Expansion Luft. "Museen müssen wachsen", meinte er, um mit der Entwicklung der Kunst Schritt zu halten. Haselsteiner zeigte sich befriedigt, die einst in Klosterneuburg ausgestellte Essl-Sammlung "von der Peripherie ins Zentrum" geholt zu haben. Wermutstropfen für ihn: der Kampf einer Künstlerverein-Teilgruppe gegen seine Arbeit. Großen Dank erwarte er zwar nicht, sagt Haselsteiner. "Es wäre nur schön, wenn man wenigstens nicht beschimpft wird."

Eine helfende Hand hat er am Freitag dem Theater-Koproduktionshaus brut angeboten. Das musste aus dem Künstlerhaus bekanntlich ausziehen, weil es seinen Anteil an den Renovierungskosten nicht aufbringen konnte. Nun möchte Haselsteiner dem brut zumindest bei der Findung einer neuen Heimstätte behilflich sein. Was mit dem verwaisten Gebäudetrakt geschehe, sei noch offen: "Ich möchte keinem Druck ausgesetzt sein", betont Haselsteiner seine Dispositionsfreiheit, stellt aber die Präsentation einer Lösung bis Ostern in den Raum.