Der Vorhang macht

Bauen bis in den Himmel über Dubai: Peter Hoiß bringt einen Kran zum Erröten. - © Peter Hoiß
Bauen bis in den Himmel über Dubai: Peter Hoiß bringt einen Kran zum Erröten. - © Peter Hoiß

wieder Theater

(cai) Der sehr poetische Titel der Schau (Sofia Borges schreibt nämlich auch) versetzt einen schon einmal in die richtige Stimmung. Ist genauso rätselhaft wie die gesamte Ausstellung: "There, in the Midst of Things, Where the Inverse Persists, in the Midst of Things, Where the Inverse Persists." (Dort, inmitten der Dinge, wo das Umgekehrte fortbesteht . . .) Der verrät definitiv nicht, was einen erwartet. Und eigentlich gibt’s noch einen zweiten: "It Was a White and Blazing Blind Fire." Ein weißes und loderndes blindes Feuer?

Aha, da geht’s rein. Ein Spalt im Vorhang lockt einen gleich hinein in die mysteriöse Welt der Brasilianerin. Mit wallenden Stoffmassen hat die Künstlerin die Wände imposant verhüllt, den White Cube (die Galerie Kandlhofer) quasi in einem grauen Meer aus Samtwellen ertränkt, ein theatralisches Raumgefühl erschaffen. Aber steht man nun auf der Bühne oder ist man bloß Zuschauer, der fasziniert (und mitunter ratlos) die vorm Grau schwebenden Pigmentdrucke angafft? Eindeutig ist sowieso nix. Die Fotos (von Museumsstücken, Artefakten alter Kulturen . . .) wirken oft extrem malerisch. Nicht nur die von Gemälden. Hybriden wie die Harpyie, dieses Mischwesen aus Vogel und Frau, auf einem der Bilder. Die Serie "Theatre for Artifice" (mit den wohl interessantesten Arbeiten hier) ist sogar ein Dreier: Fotografie, Malerei und Performance. Die Körper der Akteure werden förmlich selber zu Malerei, verschmelzen bunt mit dem pittoresken Ambiente. Maskieren sich obendrein mit Fotografie, gehen nicht hinter Masken, sondern hinter Fotos von Masken in Deckung. Lebende Collagen? Und diese Aura des Unwirklichen kriegt Borges ganz ohne Photoshop hin. Fotografie und Realität - auch eine komplexe Beziehung.

Galerie Kandlhofer

(Brucknerstraße 4)

Sofia Borges, bis 29. Februar

Di. - Fr.: 11 - 19 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr

Schauen, dass sich

die Blicke biegen

(cai) Die Ausstellung ist eindeutig was für Voyeure. Aber ist man das als Kunstbetrachter (und -in) nicht sowieso? Der Titel verheißt jedenfalls Seherlebnisse: "Panoptikum." (Wie das Kuriositätenkabinett.)

Jedes Jahr stellt die Fotogalerie in ihrer Reihe "Solo" einen aufstrebenden Künstler vor und heuer eben den Peter Hoiß, der unter anderem im analogen "Rotlichtmilieu" arbeitet. Also in der Dunkelkammer. Digitale Fotos macht er allerdings genauso. Reflektiert dabei auch immer wieder originell über das Medium selbst. Die technischen Prozesse, die Zeit, den gerichteten Blick. Mit seinen verwinkelten Periskopen hat man sogar den ultimativen Tunnelblick. Eigentlich schaut man ja dank der Spiegel ein paar Mal um die Ecke, doch der mehrfach umgeleitete Blick wird wundersam wieder geradegebogen und man kann das Licht am Ende eines seeehr langen Tunnels sehen. Das Rotlicht. Na ja, ein Foto in diesem Farbton.

Nach dem Fixierbad wird bekanntlich gewässert, in den "Aquarien" hier steigt der Wasserspiegel nur bis zum fotografierten Horizont. Der Blick muss durchs "richtige" Wasser zum Meer auf dem Foto durchtauchen, zum Abbild der Realität. Und trotzdem ist das Echte falsch, nämlich nicht gesalzen. Im Film "Alter Ego", einer Art Traumsequenz, in der Hoiß von sich selbst verfolgt wird, "wässert" der Künstler gar sein Gesicht. Sein bärtiges Ich taucht unter, dann übernimmt das glattrasierte. Wer schaut mir ähnlicher: ich oder ich? Sich selbst entkommt man halt nicht. Welches seiner Ichs wohl am 13. Februar um 19 Uhr zum Artist Talk kommt? Auf Schwarzweiß-Bildern wiederum werden Eingriffe des Menschen in die Natur mit oranger Filterfolie herausgefiltert und damit zugleich gehighlightet. Oder bunte geometrische Formen in Landschaften hineinkonstruiert. Als "Wellenbrecher". Hoiß: "Licht besteht ja auch aus Wellen. Und die Geometrie bricht den Sehfluss." Eine Mutprobe für alle, die mit den Augen schauen, aber mit den Händen sehen: der "Touchscreen", der genüsslich mit den Berührungsängsten, was die Kunst betrifft, spielt. Kupferplatte, Kabel, Stecker. Und so wie das brummt und dröhnt, kriegt man schon vom Zuhören einen Stromschlag. Okay, die Platte vibriert bloß und hält die Fingerabdrücke der Besucher fest. He, ein Gruppenselfie! (Böse.)

Fotogalerie Wien

(Währinger Straße 59)

Peter Hoiß, bis 22. Februar

Di. - Fr.: 14 - 19 Uhr

Sa.: 10 - 14 Uhr