Es ist ihre unnachahmliche Energie: Wenn sie vergangenen Dezember im Zuge der Eröffnung des imposanten Museums der Sammlerfamilie Rubell in Miami Kunstfreunde und Sammler auf eine einzigartige Arbeit des Künstlers Secundino Hernandez aufmerksam machen will, rüttelt sie schon mal energisch an einer versperrten Glastür. Obwohl sie diesmal keinen Zutritt findet, erklärt sie davor das Werk des spanischen Künstlers, das in der Bibliothek präsentiert wird. Sie hat Hernandez vor einigen Jahren entdeckt und nun befinden sich seine Werke in den renommiertesten Sammlungen.

Die Förderung von jungen Künstlern stets im Auge

Ursula Krinzinger ist die Doyenne und Grande Dame der österreichischen Galerienszene. Die gebürtige Vorarlbergerin arbeitet seit fast fünfzig Jahren als selbständige Galeristin. Ihren ersten Ausstellungsraum eröffnete die studierte Kunsthistorikerin 1971 in Bregenz. Nur ein Jahr später kam eine Zweigstelle in Innsbruck hinzu, die sie bis ins Jahr 1993 bespielte. Seit den Anfängen ihrer Karriere steht die Förderung junger, avantgardistischer Künstlerinnen und Künstler im Fokus ihres Engagements. In den Anfangsjahren wahrlich keine einfache Mission.

Es war zwar mit Bundeskanzler Bruno Kreisky Aufbruchsstimmung zu spüren, aber die dunklen Jahre als Künstler wie Schwarzkogler, Brus oder Wiener wegen ihrer aktionistischen Auftritte entweder verhaftet oder gar das Land verlassen mussten, waren nur kurz vergangen. Nicht allein beim Entdecken neuer Kunst war Ursula Krinzinger Vorkämpferin: Sich als berufstätige Frau mit zwei Kindern in einer patriarchalisch geprägten Berufswelt durchzusetzen, war kein Honigschlecken.

Mit einigen ihrer Galerien-Mitstreiterinnen, wie die leider bereits verstorbene Grita Insam oder Rosemarie Schwarzwälder (Galerie nächst St. Stephan), setzte sie nachhaltige Zeichen in der heimischen, aber auch internationalen Kunstwelt. Aus den herausfordernden Anfangsjahren kommt wahrscheinlich auch Krinzingers Fähigkeit, Konflikte hart und offen auszutragen. Was ihr im Umkehrschwung als Hang zur Streitsüchtigkeit vorgeworfen wurde. Typisch österreichisch.

Die Künstlerinnen und Künstler, die in der Galerie Krinzinger, die 1986 in der Wiener Seilerstätte Quartier bezogen hat, ihre ersten Einzelausstellungen hatten, hier ihre ersten Kataloge veröffentlichten und von der Galerie bei Kunstmessen erstmalig einem internationalen Sammlerpublikum vorgestellt wurden, sind Legende.

Namen wie Hermann Nitsch, Rudolf Schwarzkogler, Peter Kogler, Franz Graf, Erwin Wurm, Brigitte Kowanz oder Eva Schlegel stehen für weithin bekanntes heimisches Kunstschaffen; Marina Abramovic, Mark Wallinger, Waqas Khan, Kader Attia oder Chris Burden zeugen davon, dass sie auch über den österreichischen Kunsttellerrand erfolgreich ihre Fühler ausgestreckt hat. Die Präsenz bei Kunstmessen ist für die engagierte Galeristin bis heute von großer Bedeutung.

Viele Projekte rund um
den Globus

Es gibt kaum eine Galerie, die derart viele Messen pro Jahr rund um den Globus bespielt - von Hongkong über Dubai nach Istanbul, von Madrid über Paris nach Basel, von New York nach Miami. Eine aufwendige Organisationslogistik, die das ausgezeichnete Team der Galerie zu meistern versteht - neben der Ausstellungsorganisation für zwei Standorte (Galerie und Projekte) und der Betreuung der von Krinzinger ins Leben gerufenen Artist-in-Residence-Projekten in Wien, Ungarn, Kroatien und Sri Lanka. Ein riesiges Arbeitspensum, an dem jüngere Generationen zu scheitern drohen.

Bei Ursula Krinzinger bemerkt man kaum Ermüdungserscheinungen. Die umfangreichen Planungen für 2020 sind abgeschlossen und ein Zurückschrauben nicht zu erkennen. Ja, manchmal erwähnt sie ihre Nachfolge und den tiefen Wunsch, dass ihr Sohn Thomas, der meist bei den Kunstmessen mit an Bord ist, die Galerie übernehmen und in ihrem Sinn weiterführen wird, wie sie im persönlichen Gespräch betont. Aber die (Los-)Lösung der Frage scheint offen.

Mit einem kleinen Seufzer geht sie dann weiter ihrer erfolgreichen Arbeit nach. Ad multos annos, Frau Doktor!