Seit der Ausstellung im Mumok 2017 sind zu acht Vertreterinnen der Feministischen Avantgarde der 1970er Jahre in Österreich die Werke von acht weiteren Künstlerinnen in die Sammlung Verbund aufgenommen worden. Waren zuerst die neuen Medien und die Zeichnung Schwerpunkt, ist nun auch eine klassische Bildhauerin dabei: Gerda Fassel. Sie unterrichtete an der Angewandten Bildhauerei und bedauert bis heute, dass viele ihre Schülerinnen statt ihrer Begabung zu folgen, die "Liebe zum Beruf" gemacht hätten. Fassels Bronzen sind starke Vertreterinnen eines kritischen Realismus, spiegeln aber auch den frühen "kulturellen Feminismus" wider - sie zeigen die Frau als Göttin, der Venus von Willendorf ähnlich, ohne Schönheitsdiktat der Werbung.

Die Klammer für Gabriele Schors neue Ausstellung in der vertikalen Galerie der Sammlung Verbund bildet Valie Export, die den Begriff "feministischen Aktionismus" prägte und sich durch berühmte Aktionen von den Protagonisten des Wiener Aktionismus absetzte. Als Auftakt ist neben der "Aktionshose Genitalpanik", 1969, ihre Collage "Geburtenmadonna" zu sehen, am Ende folgen die 1976 an Wiener Architekturen vorgenommenen "Körperkonfigurationen" und das "Tapp- und Tastkino" von 1968. Auf Export folgen die in Europa und Amerika tätigen Renate Bertlmann, Linda Christanell, Birgit Jürgenssen, Margot Pilz und Friederike Pezold, sowie die Fotografinnen Karin Mack und Brigitte Lang, die an sich als Metallbildhauerin im Umfeld der konkreten Kunst auftrat und hier mit ihrem Körperschmuck-Abwehrreaktionen und Frauenkopfschmuck vertreten ist. Ingeborg Goeschl-Pluhar hat in ihren Pop-Collagen feministische Themen wie den belastenden Schönheitskanon und die Tricks der zaubernden Hausfrau in "Zustände" und "Illuster" dynamisch verpackt, war auch Bildhauerin der Wotrubaklasse und Malerin. Wie viele der hier wegen des Themas mit nur einem Aspekt gezeigten Kolleginnen arbeitet sie in vielen Medien. Diese Vielseitigkeit wurde Künstlerinnen lange als Nachteil ausgelegt gegenüber den klaren Stilprägungen der männlichen Kollegen.

Florentina Pakosta kam wie Fassel aus dem Realismus, doch zeigte sie vor allem in den 1970er Jahren ironisch auf, wie Künstlerinnen ihr Schicksal durch Verehelichung besiegelten: "Der Ehering und seine Folgen" zeigt einen vom Körper getrennten Kopf. Auch Bertlmanns Bräute sind Vermittler bürgerlicher Zwänge, die von der Grazerin Veronika Dreier durch Nähte über Fotografien und Vernagelung von Schuhen ausgedrückt werden, eine Parallele zu den Schuhobjekten Jürgenssens. Von dieser, ähnlich Bertlmann nun auch im Kunstmarkt etablierten Künstlerin, sind neben den Aktionen die bekannten Hausfrauenzeichnungen oder Fotografien wie "Jeder hat seine eigene Ansicht" zu finden.

Valie Export: "Die Geburtenmadonna", 1976. - © Export/Verbund
Valie Export: "Die Geburtenmadonna", 1976. - © Export/Verbund

Lust und Gewalt

Die wohl älteste, aber trotzdem spannende Position nimmt die Zeichnerin Lotte Profohs ein, die in den 1970er Jahren neben ihrem bekannten Mann Helmut Leherb kaum wahrgenommen wurde. Nun sieht es eher so aus, als ob ihre Werke wie das Künstlerbuch "Erbarmt euch der Frauen" in der Kunstgeschichte bleiben werden.

Neu dabei sind auch Anita Münz und Auguste Kronheim, Grafikererinnen mit prägnantem Ausdruck. Münz in Richtung der wilden Malergruppe "Wirklichkeiten" und Kronheim mit dem Holzschnitt, den sie anachronistisch für feministische Gesellschaftskritik verwendet. "Morgen bist du Hausfrau" steht wie die Mutterschaft als Drohung im Raum, auch wenn die kleinen Formate wie Märchenillustrationen wirken, haben sie Lust und Gewalt zum Thema.

Bleibt als Schlusspunkt des Österreichausschnitts der feministischen Avantgarde die "Hampelfrau" von Brigitte Aloisa Roth, die ähnlich wie Pilz oder Mack mit geballten Fäusten den Tod der Hausfrau ausrufen, um sich nur noch ihrer Kreativität zu verschreiben. Demnächst werden die Verbund-Werke in New York gezeigt.