Skulpturen sind Raumbeschwerer

(cai) Der Ausstellungstitel untertreibt maßlos: "3 Artists / 3 Rooms / 3 Materials." Materialien hab ich in der Galerie Feichtner nämlich mindestens neun gezählt. Aber Farben wären’s drei: Betongrau (okay, mit schwarzen Einsprengseln), Rostorange und . . . Bunt.

Mathematisch fängt’s gleich an: "7x = 490" heißt die siebenteilige Bodenarbeit. x ist also 70. 70 Kilo wiegt jeder der wie zufällig abgelegten Betonbalken. Einer vom Bau hat dem ersten der drei Künstler einmal ein Kompliment gemacht: "I hab zwar ka Ahnung von Kunst, aber du hast saugeil betoniert." Ja, betonieren kann er, der Wolfgang Becksteiner, der uns die äußere und innere Schönheit des Betons vorführt, wenn er in die glatt geschliffene Geometrie Wunden schlägt und diese schwarz lackiert. Oder einen fiktiven Block auflöst, bis sich bloß noch dürftige Restln an Metallstangen klammern. Dann füllt sich die Leere mit imaginärer Schwere (sobald man versucht, die Form in Gedanken zu rekonstruieren). Und in Raumecken kritzelt er hinein. Verkleidet Stangen als Striche. "Weil viele Sammler sagen, alle Wände hams schon voll. Aber das Eck ist meistens frei."

Behruz Heshmat türmt daneben "Bauklötze" zu akrobatischen Balanceakten auf. Seine Quader und Würfel kraxeln und turnen der Schwerkraft regelrecht davon. Erzählen von fragiler Beständigkeit. Obendrein wärmt pittoresker Rost das kalte Metall. Brennendes Eisen quasi. Herbert Flois dürfte auch ziemlich verspielt sein, nur dass er mit den Dingen des Alltags (und mit Karton, Gips, Mullbinden, Farben) spielt. Seine rätselhaften, bunten, einfach fröhlich machenden Objekte sind wie vage Erinnerungen an Sachen, die man kennt.

Drei Bildhauer, die es spannend machen, weil ihre Arbeiten nie alle Geheimnisse preisgeben.

Barbie auf dem Egotrip

(cai) Handy, Handy in der Hand, wer ist die Beliebteste im ganzen Land? Ach, was: im ganzen World Wide Web! Likes sind eben die begehrteste Kryptowährung. Und fast jeder betet die neue Trinität an: Me, My Selfie and My iPhone.

Sogar die Barbie muss fleißig Daumen sammeln. Und Follower für ihren virtuellen Hofstaat. Dabei ist sie nicht einmal ein richtiger Mensch. Gut, wer ist das schon auf Facebook oder Instagram? Ob sie deshalb so perfekt in die digitale Scheinwelt passt? Kathrin Hoyos mit Wohnsitz in Südafrika und Monaco hat die Ikone der Künstlichkeit, die Plastik gewordene Miss Photoshop, jetzt jedenfalls auf ihrem Egotrip begleitet: #me. Bei Suppan Fine Arts zeigt sie die Dauerlächlerin (he, die Barbie hat ja einen Nabel!) in Selfie-Pose in Monte Carlo, Kapstadt, Venedig, Paris, Wien. Nein, kein Fake. Sie hat sie wirklich vor Ort, weil die Barbie offenbar keine Flugscham kennt, vors eigene iPhone gehalten. Mit viel Witz und Ironie. Selfie mit Schaufensterpuppe eines Luxuslabels. Oder das Modepupperl muss sich die Aussicht mit anderen Selfistas teilen, weil sämtliche Touristen bekanntlich dieselben Fotos machen. Aber total surreal wird’s, wenn die dunkelhäutige Version fröhlich vor Obdachlosen posiert. Und der Hintergrund wird unentwegt von Hashtags überflutet (#cooloutfit, #goodhair . . . oh: #sachertorte). Direkt unheimlich, wie lebendig die Plastikpuppe da immer wirkt. Ist sie am Ende also doch ein echter Mensch geworden? Wie Pinocchio? (Wo ist der Like-Button? Ich will draufdrücken.)