Es war die Qual der Wahl", sagte Jury-Mitglied Hemma Schmutz. "Österreich hätte zehn Mal den Pavillon füllen können." Die Entscheidung fiel schließlich auf das Künstlerinnenduo Jakob Lena Knebl und Ashley Hans Scheirl, sie werden Österreich bei der Kunstbiennale in Venedig 2021 vertreten. "Sie sind zwei der dynamischsten und international renommiertesten Künstlerinnen, die Österreich derzeit hat", sagte Ulrike Lunacek in ihrer ersten Pressekonferenz als Kunst- und Kultur-Staatssekretärin, ihre multimediale und humorvolle Auseinandersetzung mit Geschlechteridentitäten sei "innovativ, mutig und unkonventionell". Lunacek folgte der Empfehlung der Jury, dazu gehörten Lentos-Direktorin Hemma Schmutz, KHM-Kurator Jasper Sharp, der Künstler Erwin Wurm und "Parnass"-Chefredakteurin Silvie Aigner.

Erstmals wurde das Biennale Team via Ausschreibung ermittelt. Aus 60 Einreichungen entschied sich die Jury letztlich für das Projekt von Karola Kraus. Die Mumok-Intendantin war mit den Künstlerinnen Knebl und Scheirl angetreten. Daraus sei jedoch kein Präjudiz für die anstehende Entscheidung über die künftige Mumok-Leitung "rauszulesen", versicherte Lunacek. Die Hearings zur Mumok-Besetzung hätten bereits stattgefunden, eine Entscheidung sei noch nicht gefallen, werde aber in den nächsten Wochen bekanntgegeben. Kraus hat sich um Verlängerung ihres seit Herbst 2010 laufenden Vertrags beworben.

Die teilweise Verhüllung des Rathauses im Zuge der Sanierung stammte von dem queeren Künstlerduo Knebl und Scheirl. - © APAweb / Hans Klaus Techt
Die teilweise Verhüllung des Rathauses im Zuge der Sanierung stammte von dem queeren Künstlerduo Knebl und Scheirl. - © APAweb / Hans Klaus Techt

 

"Schockstarre vor Glück"

Warum hat sich Karola Kraus für die beiden Künstlerinnen entschieden? "Weil sie brisante Themen in sinnlichen Arbeiten breitenwirksam verhandeln", so Kuratorin Kraus. "Ihre Verschränkungen zwischen Kunst, Performance, Design, Mode und Architektur thematisieren aktuelle Diskurse, die international rezipiert werden."

Mumok-Direktorin Karola Kraus ist Kuratorin - © APAweb / Hans Punz
Mumok-Direktorin Karola Kraus ist Kuratorin - © APAweb / Hans Punz

Zuletzt hätten sie gemeinsam "mit einer raumgreifenden Installation" bei der 15. Biennale in Lyon 2019 Erfolg gehabt. Einige der dort umgesetzten Ideen sollen auch in Venedig weitergeführt werden. Dort werde es "bühnenartige Installationen, in denen sich ihr künstlerischer Kosmos ausbreitet", geben, sagte Kraus. Dieser umfasse Malerei und Fotografie, Textil- und Soundarbeiten, Objekte, Videos und Apps. Die "architektonischen Gegebenheiten des symmetrischen Pavillons" werden dafür genutzt, jeweils einzelne Positionen zu zeigen, "die sich gleichzeitig an verschiedenen Stellen miteinander verweben". Das vom Bund gestellte Budget von 450.000 Euro wird wie immer nicht ausreichen. "Wir planen ungefähr 700.000 Euro Gesamtbudget. Den Rest werde ich akquirieren", so Kraus.

Kunst raus aus dem elitären Raum

Der Arbeitstitel der gemeinsamen Schau lautet "Invitation of the soft machine and her angry body parts". Soft sei die Materialität, die Frauen zugeschrieben werde, erläuterte Knebl, die sich laut eigenem Bekunden "seit Tagen in einer Schockstarre vor Glück" befindet. Es gehe in ihren "Begehrensräumen" um - sowohl queeres wie heterosexuelles - Begehren. "Wir sind dabei oft auf Körperteile fixiert." Das Auseinandernehmen des Körpers sei wichtig, um die Komplexität der Identitäten zu verdeutlichen, sagte Ashley Hans Scheirl: "Wir sind ja Mehrere und haben auch mehrere Beziehungen zur Außenwelt." Vielfältig wird nicht nur das Spiel mit Identitäten, sondern auch die Verschränkung der beiden Künstlerinnen in den gezeigten Arbeiten: So soll Knebl als Motiv auf Bildern Scheirls auftauchen, diese zieren eine Kollektion des Wiener Modelabels "House of the Very Islands".

Knebl gab das Motto aus: "Kunst raus aus dem elitären Raum!" Gleichzeitig soll Wien und Venedig, Reales und Virtuelles im Begleitprogramm verschränkt werden. Angekündigt wurden Video-Übertragungen, Hologramme und viel Präsenz vor Ort.