Der plötzliche Tod am Höhepunkt seiner künstlerischen Schaffenskraft erschütterte Italien wie ein Erdbeben. Am 6. April 1520 starb der Renaissancekünstler Raffael mit nur 37 Jahren an akutem Fieber. Er wurde schon zu Lebzeiten als "Malergott" verehrt und hatte mit seinen himmlischen Madonnen Päpste, Könige und die gesamte Kunstwelt in Ekstase versetzt. Ganz Rom beweinte den "Meister der Harmonie".

Mit Darstellungen des kollektiven Schocks wegen des frühen Ablebens des Künstlers mit göttlichem Talent beginnt in Rom die größte Ausstellung, die jemals Raffaello Sanzio da Urbino gewidmet wurde. Für die Ausstellung mit dem Titel "Raffaello" im Museum des italienischen Staatspräsidenten-Palastes, den "Scuderie del Quirinale" zum 500. Todestag Raffaels, lieferten die renommiertesten Museen der Welt, darunter die Wiener Albertina, Meisterwerke des Künstlers . Die Leihgaben stammen unter anderem aus den Uffizien in Florenz, dem Louvre in Paris, dem British Museum in London und der National Gallery of Art in Washington. Trotz Coronavirus-Alarm wird bis zum 2. Juni mit einem Besucheransturm gerechnet.


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Scuderie del Quirinale
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EIn Leben im Rückwärtsgana

Die Präsentation startet mit dem Todesjahr und beleuchtet dann rückwärtsgehend das Schaffen des Malers, Architekten, Archäologen und Urbanisten. Laut Historikern wurde Raffael an einem Karfreitag geboren und starb ebenfalls an einem Karfreitag. Gerade hatte er sein letztes Meisterwerk vollendet: die Verklärung Christi auf dem Berg Tabor, Auferstehung und Himmelfahrt zugleich. Raffael wurde in Roms Pantheon bestattet, eine Ehre, die nur wenigen Großen vorbehalten war. Papst Leo X. zog weinend auf einem Schimmel hinter dem Sarg her. Eine Reproduktion von Raffaels Grab im Pantheon, wie es noch bis zum 19. Jahrhundert zu sehen war, wurde in einem Saal des Scuderie-Museums aufgestellt.

In Rom, wo Raffael im Dienste zweier Päpste - Leo X und Julius II. - stand, erhielt er den Auftrag, im Apostolischen Palast die päpstlichen Gemächer mit monumentalen Wandgemälden auszuschmücken. Zwischen 1509 und 1517 entstanden seine berühmtesten Werke wie etwa der "Parnass", die "Disputa del Sacramento" und "Die Schule von Athen", die Künste, Religion und Philosophie preisen. Die beiden Päpste spielten eine entscheidende Rolle in der Krönung Raffaels zum Universalgenie. Ihre von Raffael entworfenen Porträts sind erstmals in den "Scuderie" zusammen ausgestellt. Das Julius II.-Porträt wurde von der National Gallery geliehen, jenes von Leo X. von den Uffizien.

Die Leihgabe des Leo X.-Porträts kostete Uffizien-Direktor Eike Schmidt viel Kritik. Das erste kürzlich restaurierte Werk war von einem wissenschaftlichen Komitee auf die Liste der Uffizien-Gemälde gesetzt worden, die wegen ihrer Kostbarkeit das Florentiner Museum nicht verlassen dürfen. Schmidt erwiderte, dass das Leihverbot lediglich das Ausland, nicht aber italienische Museen betreffe.

Drei Jahre lang arbeitete Schmidt zusammen mit den "Scuderie" an der Organisation der Raffael-Schau in Rom. "Statt in diesem Jahr kleinere Ausstellungen in ganz Italien über Raffael anzubieten, haben wir hier in Rom die größte Raffael-Schau aller Zeiten zustande gebracht. In der Scuderie-Ausstellung kann man Raffaels Kunst so breit und so konzentriert bewundern, wie nie zuvor. Derart kostbare Gemälde zu vereinen kann man nur, wenn mehrere Museen eng zusammenarbeiten", sagte Eike Schmidt im Gespräch mit der APA.

"Zwar sind in den vergangenen Jahren bereits viele relevante Raffael-Ausstellungen organisiert worden, wie jene in der Wiener Albertina 2017, die ein riesiger Erfolg war. Diese Ausstellungen beleuchteten jedoch nur bestimmte Aspekte des Künstlers, während hier in Rom Raffael in all seinen Schaffungsphasen zu sehen ist", erklärte Schmidt. Zu den Meisterwerken, die zu bewundern sind, zählen die "Madonna del Granduca" aus den Uffizien, sowie die "Madonna Tempi" aus der Alten Pinakothek in München.

Die Ausstellung über den "Allround-Künstler", die seit dem heutigen Donnerstag Zuschauern zugänglich ist, gilt als große Kulturattraktion Italiens in diesem Jahr und folgt einer großen Schau zu Ehren Leonardo da Vincis anlässlich seines 500. Todestags im vergangenen Jahr. "Die Raffael-Ausstellung ist eine große europäische Schau, die eine einmalige Zeit unserer europäischen Kultur ins Rampenlicht stellt", sagte der Präsident der Scuderie, Mario De Simoni.

Die Albertina hat einen wichtigen Beitrag für die Ausstellung geleistet und einige der schönsten Grafiken dafür ausgeliehen. Mitglieder des wissenschaftlichen Komitees, das über drei Jahre lang an der Ausstellung gearbeitet hat, sind die ehemalige Direktorin der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums Wien, Sylvia Ferino-Pagden, sowie Albertina-Kurator Achim Gnann.(apa)