Blut, Gewalt, sexuelle Attraktion, ewiges Leben, ewige Jugend. Vampire haben uns sterbliche Menschen schon immer fasziniert. Bereits vor Bram Stokers (1847-1912) "Dracula" waren wir von den Legenden um diese blutsaugenden Kreaturen in den Bann gezogen.

Mythen, die vor allem von Schriftstellern, Künstlern und Filmemachern immer wieder mit neuen Geschichten und Darstellungen angereichert, ausgebaut, angeheizt wurden. Ihnen haben es die Vampire zu verdanken, dass sie nie in unseren Gedanken sterben, immer in Mode sind. Die "Twilight"-Erfolgsstaffel mit Robert Pattinson und Kirsten Stewart ist vorerst nur das jüngste Kapitel. Bei Netflix gibt es derzeit gleich mehrere Vampir-Serien im Streaming-Angebot.

Wie sich die Legenden und Darstellungen von Vampiren im Laufe der Zeit änderten, zeigt nun bis 7. Juni das Madrider Caixa-Forum in Zusammenarbeit mit der französischen Cinémathèque in der groß angelegten Ausstellung "Vampire. Evolution des Mythos". Mehr als 360 Gemälde, Filme, Fotografien, Plakate, Bücher und Filmutensilien brachte Kurator Matthieu Orleán zusammen.

Fledermäuse und Kinderleichen

Spätestens im 18. Jahrhundert erreichten die Legenden vom grausamen, bluttrinkenden Fürsten Vlad III. Drăculea nicht nur Philosophen wie Voltaire und Rousseau, wie ihre in Madrid ausgestellten Schriften zeigen, sondern auch Francisco Goya (1746-1828). "Es gibt viel zu saugen", heißt eine der Zeichnungen des spanischen Malers. Furchterregende, hässliche, angsteinflößende Kreaturen mit Fledermausflügeln sitzen vor einem Korb voller Kinderleichen und freuen sich aufs Festmahl.

Gleich daneben die Kreidezeichnungen von Gustave Doré. Er stellt die Vampire aus "Dantes Hölle" als drachenartige Wesen dar, die für Angst und Schrecken sorgen. Der Kontrast zu den ersten Dracula-Filmen könnte krasser kaum sein. Im Smoking beißt Bela Lugosi (1882-1956) als eleganter Graf Dracula in den Hals einer blonden Schönheit. Eine Szene, die auch Andy Warhol 1963 in seinem Pop-Art-Bild "The Kiss" verewigt. Unterdessen inspirierte sich der Schweizer Künstler Urs Fischer in seinem Bild The Wave in Tod Browings "Dracula" von 1931.

Filmsequenzen aus Wilhelm Murnaus "Nosferatu, Symphonie des Grauens (1922) und Werner Herzogs "Nosferatu, Phantom der Nacht" (1979) laufen an den pechschwarzen Ausstellungswänden, die auch mit historischen Filmplakaten verziert sind. In den Vitrinen daneben Drehbücher, originale Filmutensilien wie blutige Hemden, Totenköpfe, Holzkreuze, tote Ratten oder das Nosferatu-Kostüm samt -Maske von Klaus Kinski aus der extravaganten Dracula-Version Herzogs. Der Besucher schaut in Spiegel, die kein Spiegelbild wiedergeben.

Interessant, wie sich Kunst und Film gegenseitig beeinflussten: Francis Ford Coppola bezog sich in seiner Dracula-Verfilmung (1992) mit Gary Oldman ästhetisch wie szenisch originalgetreu auf die Vampir-Darstellung in Thomas Burkes "The Nightmare" (1783). Die historische Zeichnung und die daneben gehängten Filmszenenbilder weisen eine fast verblüffende Ähnlichkeit auf.

Faszination Dracula

Tony Scott ließ 1983 David Bowie und Catherine Deneuve in die Welt Draculas abtauchen. Roman Polanskis "Tanz der Vampire" (1967), Jim Jarmuschs "Only Lovers Left Alive" (2013) - es war vor allem Filme, die im Laufe der vergangenen Jahrzehnte immer wieder unsere Faszination für Dracula sättigten. Das machen auch die unzähligen Filmplakate und Kostüme wie Christopher Lees Umhang oder Tom Cruise Spitzenkleider aus "Interview mit einem Vampir" deutlich.

Ab 1971 werden mit dem Film "The Red Lips" von Harry Kümel auch immer häufiger Frauen zu bluttrinkenden, verführerischen Wesen. Claire Tabouret stellt sich mit blutverschmierten Mund im Selbstporträt als Vampirin dar. Offensichtlich wurde der Vampir in den 70er Jahren ein Objekt erotischer Fantasie mit einer Welle lesbischer Vampirfilme.

Politiker als Vampire

Das "Phänomen Vampir" wird im Caixa-Forum aus den verschiedensten Perspektiven beleuchtet - sogar aus politischer Sicht. Vor allem in den 80er und 90er Jahren wurden der Kapitalismus oder machthungrige Politiker wie George W. Bush, Margaret Thatcher oder Richard Nixon immer wieder in Kunst und Medien als "Blutsauger" mit spitzen Eckzähnen darstellt.

Die historische, facettenreiche und teils sehr populär angelegte Ausstellung beginnt mit dem Manuskript von Bram Stokers Roman "Dracula" (1897) und endet - es konnte nicht anders sein - mit Comics und dem smarten Turnschuh-Vampire Edward Cullen alias Robert Pattinson aus "Twilight".

Begleitet wird die Ausstellung von wissenschaftlichen Vorträgen, Vorlesungen, Filmvorführungen, einem Vampclub für Kinder und nächtlichen, schaurigen Museumsbesuchen. An einigen Tagen ist der Eintritt sogar frei. Voraussetzung: Der Besucher hat zuvor am Museumseingang dem Roten Kreuz Blut gespendet.