Es ist erstaunlich, wie viel Kreativität eine Krise freisetzen kann. So haben etwa die Uffizien in Florenz angesichts der Corona-Quarantäne auf Instagram ihr ganz spezielles Decamerone ins Leben gerufen. Ausgangspunkt ist Boccaccios Erzählung aus dem Jahr 1353, die von zehn jungen Florentiner handelt, die vor der Pest in ein abgeschiedenes Landhaus fliehen und sich dort Tag für Tag eine Geschichte erzählen, um sich die Zeit zu vertreiben. In diesem Sinn kündigte Uffizien-Direktor Eike Schmidt Anfang März in Florenz an, seine Mitbürger in der Zeit der Quarantäne durch virtuelle Streifzüge in den Uffizien, im Palazzo Pitti und im Boboli Garten aufmuntern zu wollen. Unter #uffizidecameron veröffentlicht das Museum jetzt jeden Tag auf Instagram ein Exponat aus der eigenen Sammlung mit einem Kommentar in italienischer und englischer Sprache.

Io resto a casa

Das Ergebnis ist erfrischend. Man bekommt Schätze zu Gesicht, die einem vermutlich bei einem herkömmlichen Besuch in den Uffizien entgehen würden. Bilder, architektonische Details, historische Fotos. In Verbindung mit dem traditionellen Instagram-Auftritt des Museums #uffizigalleries ergeben sich ungewöhnliche Einblicke in das älteste Museum der Welt. Zum Beispiel ein Gemälde aus dem Jahr 1753, das die Bourbonen-Prinzessin Marie Adélaide zeigt. Die Tochter Ludwig XV tritt da nicht im höfischen Ornat auf, sondern liegt bürgerlich schlicht, ein Buch lesend, auf dem Sofa. Das Bild, eine perfekte Inszenierung häuslichen Friedens, wurde daher für Instagram mit der Parole #iorestoacasa versehen, also der italienischen Version des #stayhome.

Außerdem kommen auch Diskussionen in Gang. Da wird zum Beispiel eine Büste gezeigt, die Homer darstellt, den Dichter der griechischen Antike. In den Anmerkungen, mit denen das Museum das Foto kommentiert, wird dann auch in Hinblick auf die Quarantäne-Situation die Rolle der älteren Menschen in der Gesellschaft thematisiert. Und ein einheimischer User fragt erstaunt, ob die gezeigte Büste tatsächlich in der Sammlung des Museums zu finden ist.

"Ansteckung durch Kunst"

Erstaunt sind andere User auch über die Details eines Rings mit kunstvollen Schnitzereien in Onyx, den der Medici-Fürst Cosimo I. seiner Frau Eleonor im März des Jahres 1539 zur Hochzeit geschenkt hat. Auch in diesem Fall stellt heraus, dass die Instagram-Nutzer bisher kaum über die Existenz dieser Kostbarkeit in den Uffizien Bescheid wussten.
An anderer Stelle hat man wiederum Karneval-Zeichnungen von Jacques Callot für den Internet-Auftritt zu einem Video zusammengebaut und auf diese Art die Zeichnungen aus dem Jahr 1623 in völlig neuer Art präsentiert, die auch Kenner überraschen wird.

Vermutlich werden viele der Ideen, die im Museum in der Zeit der Sperre entwickelt werden, auch in Zukunft lebendig bleiben. In einem Interview formulierte es Direktor Eike Schmidt folgendermaßen: "Wir wollen jede Ansteckung vermieden, außer der durch Kunst."

Instagram
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