Als eine der ersten Galerien in Wien hat sich die Kunsthandlung Hieke entschlossen, neben einem perfekten Internetauftritt seine Räume in der Grünangergasse nach telefonischer Verabredung auch für das Publikum wieder zu öffnen. Die Frühjahrsausstellung gilt - und das passt gut in eine Phase, in der durch eine andere Zeitauffassung endlich auch ein Spielraum für weniger bekannte Positionen vorhanden ist - einem fast unbekannten Pionier der österreichischen Moderne: Peter Pálffy. Der Maler, 1899 in Seebarn geboren und in der Slowakei aufgewachsen, wurde zum kosmopolitischen Mitteleuropäer, und mit dieser Ausgangsbasis passend Mitglied im 1947 nach Rom in Wien begründeten internationalen Art Club.

In dieser Vereinigung spielte das Anknüpfen an die klassische Moderne nach 1945 insofern eine Rolle, als eine der Hauptstatuten natürlich die Distanz zum rückschrittlichen biedermeierlichen Klassizismus der NS-Diktatur einforderte. Pálffy war von einer Ausbildung in München 1922 nach Berlin an die Hochschule für Bildende Kunst gewechselt und hatte sich dort mit dem Expressionismus seit Vincent van Gogh auseinandergesetzt. Eine Reise nach Italien brachte ihm die Pittura Metafisica näher, daneben rückte die alte italienische Malerei in sein Blickfeld. Ravenna, Byzanz und das damals als primitiv geltende Mittelalter mit Giotto und Cimabue, waren zeittypische Anregungen für die Avantgarde.

In seiner "Komposition mit weißen Linien" nähert sich Peter Pálffy der Abstraktion, der er sich allerdings nie vollständig verschreiben wird. - © Lentos/Hieke
In seiner "Komposition mit weißen Linien" nähert sich Peter Pálffy der Abstraktion, der er sich allerdings nie vollständig verschreiben wird. - © Lentos/Hieke

Festhalten am Expressionismus

Von 1924 bis 1933 begab sich der Künstler nach Paris, traf Pablo Picasso und andere Kubisten, aber auch Francis Picabia. Pálffy stellte in Paris, Rom und anderen Städten auch mit dem bekannten Salon des Artistes Indépendants aus. Von 1933 bis 1945 musste er aus familiären Gründen in die Slowakei übersiedeln. Viele seiner frühen Werke blieben in Paris und gingen im Krieg verloren, doch die in diesen Jahren in den Schlössern seiner Familie entstandenen Gemälde zeigen sein Festhalten am Expressionismus mit bis heute wichtig anmutenden Tendenzen ins quasi Primitivistische bei seinen Figurendarstellungen. Pálffy wollte nach dem Vorbild der ungarischen Schule von Szolnok 1942/43 eine Künstlerkolonie auf dem Familienschloss Wittencz errichten. 1945 musste die Familie fliehen. Wieder bleiben viele Werke zurück. Heute sind sie im Museum in der Burg Cerveny Kamen zu sehen.

Von seinem neuen Lebensmittelpunkt Kitzbühel aus hielt Pálffy den Kontakt zu Karl Gustav Beck und Alfred Schneller im Art Club, um sich dann der davon abgespalteten Gruppierung "Der Kreis" mit Karl Prantl, Arnulf Neuwirth, Ernst Paar oder Greta Freist zuzuwenden. Zum Schmelztiegel an Stilen im Art Club passte er auch insofern, als er nicht völlig in die Abstraktion der späteren Malergruppe der Galerie nächst Sankt Stephan gehen wollte, sondern gegenständliche Details in geometrische Kompositionen einfügte. Dies zeichnet die für ihn charakteristische Phase von den 1950er bis in die 1970er Jahre aus. Pálffys Farbharmonien in Grün, Blau und Gelb prägen auch die poetischen Abstraktion wie "Tag und Nacht" oder "Vögel vor Stadtsilhouette".

Peter Baum, der die Ausstellung schon am 13. März eröffnen hätte sollen und dies hoffentlich bald nachholen kann, widmete Pálffy 1995 eine Personale in Linz, die 1996 auch in die Slowakische Nationalgalerie wanderte. Davor präsentierte ihn die 1980 gegründete Galerie Hieke erstmals in seinem letzten Lebensjahr. Zuletzt war Pálffy 2018 mit seinem speziellen Beitrag zur Abstraktion in der Belvedere-Ausstellung "Klimt ist nicht das Ende. Aufbruch in Mitteleuropa" vertreten.