Die Uffizien in Florenz beklagen zehn Millionen Euro Verluste wegen des Lockdowns infolge der Coronapandemie in Italien. "März und April sind für uns der Start der Hochsaison und eine Zeit, in der wir normalerweise einige Millionen Besucher zählen", sagte Uffizien-Direktor Eike Schmidt bei einer Videokonferenz mit ausländischen Journalisten am Montag.

   "Sollte der Lockdown nur kurz verlängert werden, meistern wir das. Sollte die Schließung der Museen aber bis zur Entwicklung eines Impfstoffs andauern, mit dem man erst im Frühjahr 2021 rechnet, müssten wir radikaler umdenken und Investitionen auf das nächste Jahr verschieben. Niemand hat jedenfalls seinen Arbeitsplatz verloren, alle Bediensteten sind im Einsatz, zum Großteil im Home-Office. Personen, die sonst nicht in der Digitalisierungsabteilung arbeiteten, wurden diesem Bereich angeschlossen", sagte Eike, der per Videokonferenz aus dem Museum sprach.

   Die Museumsschließung seit dem 8. März hat den Uffizien ermöglicht, ihre Digitalisierungsprojekte zu beschleunigen. "Das ist ein großer Schritt nach vorne, den wir in die neue Normalität nach dem Coronavirus gehen wollen. Unser Ziel ist, mit Digitalisierung den Kontakt zu unserem Publikum nicht zu verlieren. Wir sind jetzt stärker auf allen Sozialnetzwerken präsent. Die Zahl der Besucher auf unserer Webseite hat sich seit März mehr als verdoppelt. Auch auf Instagram und Facebook melden wir exponentielles Wachstum. Auf Instagram haben wir in fünf Wochen 50.000 Follower gewonnen", erklärte Schmidt.

   Täglich führen die Uffizien Besucher mit Videos der Sammlungen, Fotos und Posts auf Sozialnetzwerken durch das Museen. Virtuelle Besuche werden auf Englisch und Spanisch angeboten und sollen bald auch in anderen Sprachen zugänglich sein. "Zu unserem Museum gehören auch die Florentiner Renaissance-Gärten Boboli. In dieser Frühlingszeit sind die Bilder und Videos unserer blühenden Gärten besonders beliebt", sagte der 51-jährige Deutsche.

   Der Lockdown hat eine lange Phase kontinuierlichen Wachstums für die im 16. Jahrhundert gegründeten Uffizien unterbrochen. "Bereits in den Wintermonaten Jänner und Februar bis zur Schließung am 8. März waren die Besucherzahlen steigend. 2020 wäre ohne Coronavirus bestimmt ein sehr positives Jahr für uns gewesen. Dies führen wir auf unsere 2018 eingeführte Strategie zum intelligenten Verkauf der Eintrittskarten zurück, der Besuche außerhalb der Hochsaison fördert", erklärte der Kulturmanager.

   Sollten Museen in Italien nach dem Ende des Lockdowns am 3. Mai wieder geöffnet werden, rechnet Schmidt nicht mit einem Massenandrang von Touristen. "Ausländische Besucher werden noch länger ausfallen. Wir werden anfangs mit italienischem Tourismus neu starten. Ich rechne jedoch, dass das Interesse für die Uffizien weiter steigen wird. Das war ebenso nach der Flutwelle in Florenz 1966. Nachdem sich die Stadt erholt hatte, wurde ein Rekord von einer Million Besuchern in den Uffizien gemeldet, die 1968 1,5 Millionen erreichte", sagte Schmidt. Im Museum werde man soziale Distanz einhalten müssen. Man werde sich bemühen, "längere und intensivere Besuche", statt den Tagestourismus zu fördern. "Das ist der einzige nachhaltige Weg, das macht mehr Sinn sowohl für den Kunstschutz, als auch für die Besucher", meinte der Uffizien-Direktor.

   Angesichts der Coronakrise bedauert Schmidt nicht, den Wechsel zum Kunsthistorischen Museum (KHM) in Wien im vergangenen Oktober abgesagt zu haben. "Es war für mich der richtige Entschluss, in Florenz zu bleiben und Verantwortung für die jetzige Lage zu übernehmen. Wir können vor allem im Bereich Digitalisierung vieles vorantreiben. Zahlreiche Projekte müssen weitergeführt werden. Ich hoffe, noch lange in Italien bleiben zu können", erklärte Schmidt.

   Inzwischen denkt der Kulturmanager an die Zukunft der bereits organisierten Ausstellungen, die wegen der Museumsschließung verschoben werden mussten. "Keine der geplanten Ausstellungen soll abgesagt werden. Sie werden auf die zweite Jahreshälfte verlegt", sagte Schmidt. Die Pläne für die Ausstellungen im Jahr 2021 wurden nicht gestoppt.

   Die Uffizien erklärten sich bereit, die geliehenen Meisterwerke Raffaels für die große Schau zu Ehren des Renaissance-Malers in Roms "Scuderie del Quirinale" zu verlängern. Die große Raffael-Schau anlässlich des 500. Todestags des Universalgenies musste wegen der Covid-19-Pandemie drei Tage nach der Einweihung geschlossen werden. Ausgestellt sind unzählige Raffael-Meisterstücke aus den Uffizien. "Diese Raffael-Ausstellung ist epochal. Sie ist die größte Raffael-Schau in der Geschichte und kann nur schwer wiederholt werden. Ich hoffe, dass sie bald neu eröffnet werden kann. Die Ausstellung ist von zentraler Bedeutung für Italien und die Kunstgeschichte", sagte Schmidt.

34. Pflasterspektakel in Linz abgesagt

Das Linzer Pflasterspektakel, nach eigenen Angaben eines der größten Straßenkunstfestivals Europas, ist für dieses Jahr abgesagt worden. Die 34. Ausgabe, die von 22. bis 24. Juli geplant war, findet "aufgrund der Veranstaltungssperre im Zuge der Covid-19 Maßnahmen der Bundesregierung nicht statt", teilte die Stadt in einer Aussendung am Montag mit.

Mountainfilm Graz findet aus jetziger Sicht statt

Das internationale Mountainfilmfestival Graz soll im November 2020 aus jetziger Sicht wie geplant stattfinden, sagte Intendant Robert Schauer am Montag im APA-Gespräch. Seit dem Beginn der Einreichung von Beiträgen am 6. April habe man rund 40 Filme (etwa wie zu der Zeit im Vorjahr) hereinbekommen. Aber man werde heuer wohl weniger ausländische Teilnehmer und Gäste begrüßen können, sagte Schauer.

Geplant ist das Festival - eines der renommiertesten Berg- und Abenteuerfilmfestivals weltweit - vom 10. bis 14. November in Graz. Alles sei aber davon abhängig, ob weitere Coronainfektionswellen aufträten, sagte Schauer, der das Festival seit 1986 veranstaltet. 2019 hatte es 262 Einreichungen aus 36 Ländern gegeben, im Wettbewerb waren 125 Streifen gezeigt worden. Er rechne damit, so Schauer, dass es bis 21. Juni gesamt weniger Einreichungen werden könnten: "Da ist man wohl zurückhaltend." Mit dem Sichten des Materials sei bereits begonnen worden, in Kurzarbeit sei man beim Mountainfilmfestival nicht, dazu ist die Angestelltenzahl zu gering.

Auch das Budget (2019: rund 380.000 Euro, Anm.) dürfte heuer möglicherweise geringer sein. "Wir haben mehrjährige Verträge mit unseren Hauptsponsoren", so der Intendant, dem eher die Sachleistungen denn die liquiden Mittel Sorgen bereiten. Das Österreichische Filminstitut (ÖFI) sei wieder mit einem Teil der Förderungen dabei, von Stadt Graz und Land Steiermark gebe es bisher mündliche Zusagen. Er verstehe aber auch, dass Sponsoren derzeit andere Sorgen hätten. Eventuell werde man das Festival in kleineren oder weniger Kino- oder Vorführungssälen abhalten müssen. In den vergangen Jahren fanden die Screenings im Grazer Congress und im Schubertkino statt. Wichtig seien bei einem Festival auch immer die persönlichen Begegnungen - in Zeiten von Kontaktsperren wäre das ein großes Problem.

Generell befürchtet Schauer gravierende Auswirkungen auf die heimische Filmlandschaft durch das Coronavirus und die damit einhergehenden Maßnahmen. In Österreich gebe es eine wesentlich kleinere Szene bzw. weniger Festivals als in anderen Ländern. Den Filmschaffenden gehe es derzeit ganz schlecht. Aber es gebe auch die Chance zu einer Neuordnung und einer tatkräftigen Mithilfe durch die öffentliche Hand.

Die internationale Jury von Mountainfilm Graz 2020 vergibt den mit 5.000 Euro dotierten "Grand Prix Graz" an den besten Film im Wettbewerb. Dazu wird vier Mal die "Kamera Alpin in Gold" (je 3.000 Euro) in den Kategorien "Alpinismus & Expeditionen", "Sport in Berg-& Naturräumen", "Natur & Umwelt" sowie "Menschen & Kulturen" verliehen. Zusätzlich wartet der Preis "Kamera Alpin Austria" (2.000 Euro) auf den besten österreichischen Film im Wettbewerb.

(apa)