Die Wiener Secession öffnet am 29. April um 19 Uhr mit einer speziell für den digitalen Raum konzipierten Arbeit ihre virtuellen Tore: Unter dem Titel "Stolberggasse" ist die neue Arbeit der Wiener Künstlerin Sophie Thun bis zum 21. Juni zu erleben. Dafür sendet sie aus dem Grafischen Kabinett der Secession eine Live-Übertragung.

"Die Dialektiken zwischen dem Ort der Produktion und der Präsentation des Werks, zwischen ihrer eigenen Arbeitssituation als Künstlerin und der physischen Präsenz des Körpers sind wiederkehrende Themen im fotografischen Werk von Sophie Thun", heißt es in der Ankündigung. Schon bisher habe die Künstlerin Orte, an denen sie ihre Werke ausstellt, zum Ausgangspunkt ihrer Fotografien gemacht und gezeigt, wie sich ihr Körper in diese einschreibt. Für "Stolberggasse" hat Thun diesen Ansatz weiterentwickelt und für den digitalen Raum adaptiert."Der Ausblick, die Verbindung nach Außen, bleibt Illusion und der Blick wird stattdessen auf den Innenraum zurückgeworfen. Die virtuellen Besucher der Secession können via Überwachungskameras das Geschehen im Ausstellungsraum in Realzeit auf der Website verfolgen. Wesentlich an der Installation sei, dass Thun nicht nur die Ergebnisse ihrer Arbeit, sondern auch die Arbeit selbst sichtbar macht "und so auf die damit verbundenen Orte, Mechanismen und Performances reflektiert".

Real geöffnet wird die Secession dann wieder am 16. Juni. Dann ist noch bis zum 21. Juni die Filminstallation von John Akomfrah im Hauptraum zu sehen, bis 6. September läuft in der Galerie die Schau von Michael E. Smith. Am 3. Juli folgen dann Verena Dengler und Suellen Rocca. Die Ausstellungen von Maria Hassabi und Carlos Bunga wurden auf 2021 verschoben.

"Freie Szene stärken"

Unterdessen fordert der Vorstand der Secession in einem offenen Brief Staatssekretärin Ulrike Lunacek (Grüne) "auf, unmittelbare, aber auch weitreichende Maßnahmen in Angriff zu nehmen, um die unabhängige Kunstproduktion und freie Szene sofort und nachhaltig zu stärken und so die lebendige, international anerkannte Kunst- und Kulturszene Österreichs für die Zukunft zu sichern". Verstanden wird darunter unter anderem unbürokratische Soforthilfe für alle in Österreich lebenden freischaffenden Künstler rückwirkend ab März, weitreichende Abgeltung der durch die Corona-Krise entstandenen Verluste von Vereinen und Initiativen, steuerliche Absetzbarkeit von Kunstkäufen und die Anhebung der Beitragsgrenzen in der Künstlersozialversicherung. (apa)