Als Universal-Museum bezeichnet sich der Louvre in Abu Dhabi, das ist ganz nach der Vorgabe des Partners in Paris für 30 Jahre. Kunst soll weltumspannend und multikulturell betrachtet werden im Leuchtturm unter den Museen auf der Insel Saadiyat im Persischen Golf; unter einer Megakuppel von 180 Meter Durchmesser reihen sich 55 weiße Quaderbauten, geordnet in Form einer arabischen Altstadt, gebaut von Stararchitekt Jean Nouvel 2007 bis 2017. Nun ist es wie alle Museen der Welt geschlossen und versucht, mit seinem Internetauftritt international Werbung zu machen - wie betont wird, um damit "Trost, Frieden und Inspiration" spenden. Das Gebäude selbst macht Lust, es zu besuchen, die Sammlungen und ihr Konzept lassen jedoch Fragen offen.

Videos umkreisen das Gebäude, eines im Zeitraffer mit Fortschritt der Bauarbeiten. Umspült vom Meer mit drei Piers, kann es zu Fuß und auch mit dem Boot angefahren werden. Das Mikroklima unter der flachen Kuppel involviert Licht- und Schattenspiel von tausenden von in Schichten versetzten Metallsternen - eine schwerelose Ästhetik wird suggeriert, doch es sind 7500 Tonnen, die mit dem Gewicht des Eiffelturms verglichen werden. In vier Flügeln und zwölf Galerien wird menschliche Kreativität aus allen Zivilisationen auf 24.000 Quadratmetern gefeiert. Natürlich von der Prähistorie bis heute, Kontinente überschreitend. Ein Astrolabium zeigt die Vorliebe für Objekte, die Wissen der arabischen Welt mit griechischem Stil Europas verbinden oder umgekehrt. Viele Konfrontationen dieser Art gibt es auch in der zur Dauerausstellung eingerichteten Sonderschau zu "Furusiyya - Kunst des Rittertums zwischen Ost und West", durch die man am Computer in 3D durchnavigieren kann - jedoch mit Leerstellen.

Im Pionierprojekt Louvre Abu Dhabi kommen das kunsthistorische Know-how und der Direktor aus Frankreich, Manuel Rabaté, seine Vize, Hissa Al-Dhaheri, ist eine Einheimische. Die Kooperation mit Frankreich leiht auch mehr als 30 Jahre den Name Louvre, und für die nächsten Jahre gibt es weiter Leihgaben aus den wichtigsten französischen Museen, zudem beraten französische Experten bei den Ankäufen zum Aufbau der eigenen Sammlung. In diesen fließen seitens der Vereinigten Arabischen Emirate ständig Millionen und halten die wichtigsten Auktionshäuser der Welt auf Rekordniveau - Frankreichs Museen erhalten im Ausgleich 965 Millionen Euro. Der Erwerb des Gemäldes "Salvator Mundi" aus dem Leonardo-Umkreis um 450 Millionen Dollar wurde 2017 vom Kulturminister der Vereinigten Arabischen Emirate getätigt, schon 2018 wurde es als Lockvogel des Louvre Abu Dhabi angekündigt. Es verschwand jedoch mutmaßlich im Privatbereich von Kronprinz Mohammed bin Salman.

Dominanz der Helden

Leonardo fehlt und auch viel Geld und Bemühungen können nicht die durchgehend hohe Qualität der Werke in großen europäischen und amerikanischen Museen erreichen. Frankreich leiht aber neben Zimelien der Buchmalerei, der Grabplatte von Geoffrey Plantagenet von 1151 oder Tizians Porträt Franz I. auch das Monumentalgemälde mit Napoleon zu Pferd bei der Überquerung der Alpen von Jacques Louis David 1803, um den französischen "Weltgeist" erneut nach Süden reiten zu lassen, in ein Land, in dem postkoloniale oder feministische Gegenwartskunst nicht erlaubt sind. Das Frauenbild kommt mit wenig Nacktheit und den Themen Mütter, Prinzessinnen und Göttinnen neben den reitenden Männern und sitzenden Herrschern wie Ramses II. aus. So gewagt die multikulturellen Duette Religionen und Mythen grenzenlos auch in Audiotexten zu den im Netz besuchbaren wechselnden Einzelpositionen verhandeln, so augenscheinlich dominieren männliche Helden; nur in Yves Kleins blauer Anthropometrie Nr. 110 sind seiner und der nackte Körper seiner Frau zu sehen. Einige wenige Künstlerinnen wie Elisabeth Vigée Le Brun und die Österreicherin Susanna Fritscher, die frei nach Hollein und Pichler mit Stahl und Silikondrähten einen fast immateriellen Epilog schafft, reichen nicht als Alibiakzente.