Der Starts Prize der Europäischen Kommission geht heuer im Rahmen der Ars Electronica an zwei Projekte, die Nachhaltigkeit und Umwelt im Auge haben: Die Kanadierin Andrea Ling versucht mit "Design by Decay" beim Design gleich den restlichen Kreislauf eines Stoffes mitzudenken, und die Russin Olga Kisseleva nutzt mit "EDEN" innovative Technologien, um dem Artensterben in der Pflanzenwelt entgegenzuwirken.

Viele der Einreichungen hätten einen kritischen Zugang zu Themen unserer Zeit, sagte Gerfried Stocker, Leiter der Ars Electronica. "Ich versuche, Abfall zu designen, mit dem ich leben kann", beschrieb Ling ihre Arbeit für den Preis in der Kategorie "Artistic Exploration" in einem Video. Es gehe in ihrem Kreislauf mehr darum, das Material zu verändern als zu zerstören. "Design by Decay, Decay by Design" entstand während ihrer Creative Residency bei dem amerikanischen Biotechnologie-Unternehmen Ginkgo Bioworks. Sie nutzt Enzyme, Pilze, Bakterien und andere biologische Stoffe zur Zersetzung und Verbindung von biologischer Materie.

Ansehnlicher Müll, entworfen von der Künstlerin Andrea Ling. - © Andrea Ling/Ars Electronica
Ansehnlicher Müll, entworfen von der Künstlerin Andrea Ling. - © Andrea Ling/Ars Electronica

Olga Kisseleva sucht in "EDEN - Ethics - Durability - Ecology - Nature" (Sparte "Innovative Collaboration") nach Möglichkeiten, ausgestorbene oder vom Aussterben bedrohte Pflanzen wieder wachsen zu lassen. Ausgangspunkt war eine mehr als 600 Jahre alte Ulme in Biscarosse (Frankreich), die 2012 dem Ulmensterben zum Opfer fiel. Durch die Kreuzung zweier Ulmenarten entstand ein Baum, der gegen den für das Ulmensterben verantwortlichen Pilz resistent ist. Kisseleva erforschte gemeinsam mit Partnern aus der Wissenschaft und Technologie, wie Bäume kommunizieren und versucht mit daraus gewonnenen Informationen zur globalen Schädlingsbekämpfung beizutragen. Sie machte diese Kommunikation aber auch für Menschen zugänglich und nutzte sie für Kunstprojekte.

Kunst trifft auf Wissenschaft und Technik

Gut die Hälfte der Anerkennungen seien ebenfalls im ökologischen Themenkreis, der Rest nehme sich Themen um Gesellschaft und Demokratie an, so Stocker. Der zum fünften Mal vergebene Preis der EU wird für weitere drei Jahre mit rund zwei Millionen Euro von der EU finanziert und von der Ars Electronica vergeben, verkündete Veronika Liebl, Leiterin der EU-Projekte der Ars Electronica. Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) sowie Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer (ÖVP) lobten das Engagement der Ars Electronica beim Starts Prize und betonten die Bedeutung eines Preises, der Technologie, Wissenschaft und Kunst vereine für die Industrie- und Tourismusstadt Linz.

Der Starts Prize sucht Projekte, die die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Technologie und Kunst erfolgreich proben und das Potenzial haben, zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Innovation beizutragen. Er wird von der Ars Electronica, vom Brüsseler Museum BOZAR und der Amsterdamer Waag veranstaltet, heuer wurden 1.775 Projekte aus 89 Ländern eingereicht. Zehn erhielten eine Anerkennung, die beiden Preisträger je 20.000 Euro. Ihre Trophäen bekommen sie beim Ars Electronica Festival in Linz im September überreicht.

 

Ars Eelctronica heuer im Miniaturformat

An ein Ars Electronica Festival wie zuletzt mit 100.000 Besuchen ist heuer nicht zu denken, es wird aber sehr wohl von 9. bis 13. September in Linz real stattfinden. Die neue Location am Gelände der Johannes Kepler Universität (JKU) Linz bietet dazu ein weitläufiges Areal und großzügige Räume, digital ergänzt durch weltweite Kooperationspartner. Allerdings gebe es  weltweit viele Künstler und Veranstalter, die bankrott seien und nicht die Möglichkeit hätten sich zu beteiligen. "Kommunikation und Austausch auf internationaler Ebene sind gerade jetzt wichtig", betonte Stocker. Details sollen noch im Juni folgen. Nur soviel: "Das eigentliche Thema muss diese Zeit sein." 

Im Herbst rechnet Stocker damit, den Museumsbetrieb im Ars Electronica Center wieder wie gewohnt aufzunehmen. Schritt für Schritt werden wieder analoge Museumsbesuche möglich gemacht. Als erstes gibt es seit voriger Woche das Format "Deep Space Live" mit 30 Besuchern jeden Donnerstag. Führungen für vorangemeldete Gruppen sollen folgen.

Hackerangriff auf Ars-Homepage

Nach kürzlich entdeckten Hackerangriffen auf die Web-Infrastruktur der Ars Electronica sei man am Weg der Besserung. "Das ist ein Prozess, der uns monatelang beschäftigen wird", sagte Stocker. Auf dem Webserver des Unternehmens befänden sich 25 Jahre künstlerische Projekte und Technologien. Es würden nun Bereiche vorsichtig geöffnet. "Das waren nicht einzelne Freaks, sondern das war professionell organisiert." Ziel sei gewesen, Daten unter Kontrolle zu bekommen und dann wohl Lösegeld zu verlangen, mutmaßte Stocker. Doch so weit sei es nicht gekommen. Denn zum Glück hätten Mitarbeiter, die an dem Freitagabend, als die Angriffe begannen, noch im System tätig waren, die Attacke rechtzeitig bemerkt. Man habe im Nachhinein registriert, dass seit Jänner versucht wurde, in das System einzudringen. Nun seien interne und externe Experten dabei aufzuräumen, was einen enormen Zeitaufwand bedeute, auch finanziellen Schaden trug die Ars Electronica davon. (apa)