RBF? Ich versteh nur Bahnhof. Rangier-Bahnhof. Oder eigentlich ist die Abkürzung dafür ja Rbf. Mit kleinem b und kleinem f. RBF (mit großem B und großem F) könnte aber zum Beispiel für "Random Block File" stehen. Irgendwas mit Dateien und Computer. Davon versteh ich freilich noch weniger. Nicht einmal Bahnhof. Macht nix. Denn gemeint ist sowieso . . . – eine chronische Krankheit eventuell? So was Ähnliches. Das "Resting Bitch Face". Und das ist sehr chronisch.

Leute mit RBF haben das "permanente Zickengesicht". Wenn sie also ihr neutrales Gesicht aufsetzen, wirken sie trotzdem, bei völlig entspannter Gesichtsmuskulatur, immer ein bissl grimmig und unentspannt. Strahlen einen Hauch von Verachtung aus. Speziell Frauen müssen sich dann oft anhören: "Schau ned so grantig!" Oder sollen auf Kommando lächeln, weil man von ihnen Freundlichkeit erwartet. Als ob RBF eine Geschlechtskrankheit wäre, die noch dazu allein die weiblichen 51 Prozent der Bevölkerung befallen würde. Diesem Phänomen einer irritierenden Mimik, die leicht missverstanden werden kann, gehen in der Galerie Reinthaler gerade zwölf Künstler und –innen nach. (Oder bloß zwei oder drei und die übrigen befassen sich mit irgendetwas anderem?)

Dieser Pudel macht im Marmor sein Bitch-Gesicht: "BF" von Taro Meissner. - © Taro Meissner/Galerie Reinthaler
Dieser Pudel macht im Marmor sein Bitch-Gesicht: "BF" von Taro Meissner. - © Taro Meissner/Galerie Reinthaler

Sogar die abstrakte Malerei kann eine Bitch sein

Die Königin von England ist jedenfalls die "Queen of RBF". Deborah Sengl hat nämlich einen Online-RBF-Test mit ihr gemacht und ihr bei der Übertragung des Ergebnisses vom Bildschirm in analoge Malerei gleich das passende Doggengesicht verpasst. Eine Hündin ist eine Bitch ja auch. (Aus dem Englischen übersetzt.) Nicht lediglich ein Miststück. Taro Meissners Pudel, dessen Gesichtszüge quasi versteinert sind (zu Marmor), kann folglich nicht anders, als ein "Bitch Face" zu machen. Gerlinde Miesenböck macht lieber gar keins. Verweigert in ihrem unheimlichen, düsteren Selbstporträt jegliches Mienenspiel. Häutet beziehungsweise köpft sich digital, versenkt ihre Identität gekonnt mysteriös in der anonymen Dunkelheit. Der Mann, den Verena Andrea Prenner für ein witzig surreales Foto in der kongolesischen Landschaft als Einheimischen verkleidet hat (als Elefanten, allerdings mit blauen Boxhandschuhen), könnte dafür unter seinem "Resting Elephant Face" unbemerkt die lustigsten Grimassen schneiden.

Selbst die geometrisch abstrakte Malerei wird hier zur Schlampe. Flirtet zumindest dezent mit der Schlamperei. ("Divide and Rule" – teile und herrsche: Florian Nährer beherrscht da die Fläche, indem er sie streng zerteilt, und dann benimmt sich die Farbe so hinterfotzig "bitchy".) Doch warum macht Micha Wille Plisseefalten in ein Spiegelei rein? (Technik: Origami? Nein, Öl auf Leinwand.) Vermutlich damit man sich genau das fragt. Und was macht das Bild überhaupt in einer Ausstellung über RBF? Irritieren. Wie RBF. So, und Anja Hitzenbergers Foto von zerbrochenen Eierschalen lese ich jetzt einfach als lapidaren Kommentar zu einer sexistischen Abkürzung mit drei Buchstaben. Basta.