Die betagte Dame konnte einem damals fast leidtun. Sie meinte es doch nur gut. Cecilia Gimenez war 81 Jahre alt, als ihr 2012 das "Unglück" passierte. Die gläubige Katholikin kümmerte sich in ihrem Örtchen Borja im Nordosten Spaniens um die Dorfkirche. Der "Ecce Homo", ein kleines Wandgemälde des spanischen Malers Elias Garcia Martinez aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, lag ihr sehr am Herzen.

Das Original, die erste Verbesserung links oben, die zweite Verbesserung links unten.  - © Twitter
Das Original, die erste Verbesserung links oben, die zweite Verbesserung links unten.  - © Twitter

Doch die Jesusabbildung blätterte ab und niemand kümmerte sich drum. Also legte die Hobbymalerin beherzt selber Pinsel und Farbe an, bevor es zu spät war. Leider ging ihr Restaurationsversuch schief. "Die Wand war total feucht, und meine frisch aufgetragene Farbe zerfloss sofort wieder. Ich hätte weinen können", sagte Cecilia Gimenez damals verzweifelt. Nach ihrem Einwirken sah das Jesuskind plötzlich wie ein Affenkind aus. Der Aufschrei war groß. TV-Teams aus der ganzen Welt kamen in das verschlafene Dorf, um den Heiland in Affengestalt zu sehen.

Halb Spanien lachte. Der anderen Hälfte, vor allem Kunstliebhabern und professionellen Restauratoren, war aber eher zum Weinen zumute. Dabei war das Originalwerk von Garcia Martinez nicht einmal unbedingt ein Meisterwerk. Doch nun fiel ein Hochkaräter einem neuen, stümperhaften Restaurationsversuch zum Opfer. Ein Privatsammler aus Valencia wollte eine wertvolle Kopie eines Gemäldes von Bartolome Esteban Murillo (1618-1682) reinigen lassen. Murillo gehört zu den wichtigsten Barockmeistern Spaniens. Bei dem Gemälde handelte es sich um eine der berühmten Darstellung von Murillos "Unbefleckter Jungfrau" aus dem 19. Jahrhundert.

Spezialist für die Reinigung von Spiegeln

Anscheinend wollte der Privatsammler Geld sparen und bot die Reinigungsarbeit einem Restaurator an, der lediglich 1.200 Euro für die Arbeit wollte. Eventuell hätte sich der Kunstsammler vorher besser informieren sollen. Denn der Restaurator war vor allem auf das Säubern von antiken Spiegeln und Möbeln spezialisiert. So wollte der Auftraggeber auch seinen Augen kaum trauen, als er vor kurzem das wertvolle Gemälde zurückbekam. Die "Inmaculada", die Jungfrau, war nicht wiederzuerkennen, ihre Gesichtszüge waren entstellt, die Farbe verschmiert. Der entsetze Kunstbesitzer gab dem Möbelrestaurator sogar noch mal eine zweite Chance, das Unheil rückgängig zu machen. Doch es wurde immer schlimmer.

Er sucht nun einen professionellen Kunstrestaurator. Aber die Chancen, das Gemälde noch zu retten, sind gering. Die verunstaltete "Jungfrau" sei kein Einzelfall, erklärte Maria Borja, stellvertretende Vorsitzende des spanischen Verbands professioneller Restauratoren ACRE. Erst letztes Jahr verunstaltete beispielsweise ein autodidaktischer Restaurator zwei wertvolle Skulpturen einer katholischen Kirche in der andalusischen Stadt Lora del Rio. Ihr Verband kritisiert schon seit langem einen Trend zu laienhaften Restaurierungen selbst wertvollster Kunstschätze.

Aus Unwissenheit, Sparsucht und Dummheit würde immer häufiger "unfähiges" Personal mit wichtigen Restaurierungsarbeiten beauftrag. Sie bezeichnet den Trend als einen "Anschlag auf das kulturelle Erbe des Landes". Das Problem: Der Beruf des Restaurators sei in Spanien nicht reguliert. Zudem fehle eine gesetzliche Regelung, wer Objekte von kulturellem Interesse restaurieren darf und wer nicht. Außerdem seien die Besitzer wertvoller Kunstwerke nicht dazu verpflichtet, den Behörden den bevorstehenden Eingriff zu melden.

Dabei kämen Restaurierungsskandale wie 2012 in Borja und jetzt in Valencia häufiger vor, als man denke. "Aus Scham der Besitzer gelangen die meisten Fälle aber nicht an die Öffentlichkeit", versicherte Maria Borja. Aber wer weiß: Vielleicht wird es der Kunstsammler aus Valencia gar nicht bereuen, was mit seinem Gemälde passierte.

Derzeit gehen die Vorher- und Nachher-Bilder viral. Zeitungen und Fernsehsender berichten. Das passierte damals auch mit dem Affen-Jesus von Cecilia Gimenez. Seitdem konnte sogar die ganze Dorfkirche restauriert werden. Denn über 220.000 Menschen aus dem In- und Ausland besuchten den 5000-Seelen Gemeinde, um den "Lacher des Sommers" zu sehen. Mit Eintrittsgeldern und Merchandising nimmt die kleine Pfarrkirche mittlerweile 55.000 Euro pro Jahr ein. Der "Affen-Jesus" ziert T-Shirts, Tassen und Kühlschrankmagneten. Spaniens professionelle Kunstrestauratoren dürften sich die Hände vors Gesicht schlagen. (apa)