Vor dem Mumok empfängt Andy Warhols (1928-1987) Serie von zehn Blumenbildern. Der Farbteppich soll nicht nur Publikum anlocken, sondern auch an die Ausstellung des Künstlers 1983 in der Züricher Galerie Bischofberger erinnern. Warhol hatte sie bereits als Weltstar für den Sohn des Galeristen als "Bilder für Kinder" nur 40 Zentimeter über den Boden gehängt. Dass er in jeder der nach einer Fotografie gedruckten vier Blüten auch jeweils Zweigeschlechtlichkeit anordnete, ist bis heute kaum jemanden aufgefallen. Ironie oder Methode?

Den Kuratorinnen Marianne Dobner und Naoko Kaltschmidt dient es jedenfalls als Anregung, den Methoden des Künstlers nachzugehen - als Vorstand seiner Factory, als Filmer und als Ausstellungsmacher. Das Serielle verbindet die Pop Art mit der gleichzeitig in Amerika und Europa auftauchenden Minimal- und Konzeptkunst.

"Misfitting together" ist als Titel von einem Ausspruch des Künstlers angeregt. Verbunden wird damit auch die unterste und die oberste Ebene des Hauses, als eigene Sammlungspräsentation. Erst am 25. September kommen internationale Leihgaben für eine Warhol-Trilogie. Mit dem Aufschub versucht das Mumok, neben allen anderen Corona-Maßnahmen, eine schwarze Null am Ende des Krisenjahres 2020 zu schaffen, auch wenn die Touristen fehlen.

Fotos von Autounfällen

Methodische Einleitung für das Publikum bildet der Text Mel Bochners von 1967 für Artforum zur damals schon wichtigen "Serial Attitude" und dazu hängt nicht nur die Zehnerserie der Siebdrucke "Flowers", sondern auch die große orangefarbige Doppel-Leinwand aus den Desaster-Serien nach Fotos von Autounfällen Warhols. Zu den Zeitgenossen Roy Lichtenstein, Jasper Johns und Robert Indiana kommt Larry Poons Musterbild "Nixe’s Mate", das als Plakat dient. Indianas "Love Rising" in Schwarzweiß war Martin Luther King gewidmet, was auch die politische Klammer zu heute herstellt.

Das Ehepaar Ludwig hat bis auf Marisol (Escobar) kaum Künstlerinnen angekauft; im letzten Jahrzehnt wurden daher mithilfe ihrer Stiftung diese Lücke geschlossen, vor allem mit Lutz Bachers Serie von Feuerwaffen oder der Künstlerin, Bühnenbildnerin und Soziologin Charlotte Posenenske. Mit ihr oder Hanne Darboven kommt auch die Autorschaft als Frage neben dem Seriellen ins Spiel, aber auch der konzeptuelle Film mit Peter Roehr. Weitere Beiträge sind von Dóra Maurer, Friederike Pezold, On Kawara, Heinz Gappmayr, Robert Smithson, Daniel Spoerri oder Joseph Kosuth. Statt Warhols "Flowers" hängt eine Serie Sol LeWitts auf nur 40 Zentimeter Höhe, vier Ecken um Kosuths Steine bilden Daniel Burens Streifenbilder.

Bachers Feuerwaffen korrespondieren mit Claes Oldenburgs "Ray-Gun-Wing" - in der obersten Ebene des Museums. Es ist jene begehbare Kammer in Form einer Strahlen-Pistole aus einem Science-Fiction-Film, in der Alltagsgegenstände in gleicher Form in Vitrinen gesammelt sind; wie im "Mouse Museum", das er 1965 bis 1977 aus den legendärem Kitschresten seines "Store" in New York zusammensetzte. 1972 war das Minimuseum auf der legendären "Documenta 5" Harald Szeemanns zu sehen und ist zweifellos eines der Hauptwerke des Hauses. Dem schließt sich eine neue Vermittlungszone an, die es Kindern wie Erwachsenen ermöglicht, außer einer Leseecke eigene Konzepte zur Ausstellung zu entwerfen - zum einen mittels alter Overheadprojektoren und Folien, zum anderen mittels neuester Programmier-Computertechniken. Mit vielen Techniken experimentieren, frei nach Warhol, bringt uns interaktiv in die Gegenwart.