Keiner behauptet, dass sich die Bilder, die derzeit in der Galerie Ruberl hängen, bewegen würden. Na ja, die Bilder vielleicht nicht, aber dafür das, was auf ihnen drauf ist. Beziehungsweise halten sie laut Ausstellungstitel den MOMENT der Bewegung fest ("The Moment of Moving"). Fest? Also irgendwie doch wieder Standbilder, die freilich voller kinetischer Energie stecken. Einmal versetzen organische Linien, elastische Formen und Leuchtfarben die reglose Leinwand in eine latente Schwingung, ein andermal wird gewürfelt.

Elisabeth Plank ("Ich mach nie Vorzeichnungen oder Planungen, ich will beim Malen was erleben . . .") erschafft lauter kleine, expandierende Farbuniversen, die von innen nach außen wachsen, zum Bildrand hin, und wo die gemalte Materie und das gemalte Licht quasi die Stille im Zentrum des Urknalls einkreisen, eine schwarze Leere, die eigentlich nicht nichts ist, sondern die absolute Ruhe. Amorphe "Würschtln", denen die 1960 in Wels geborene und inzwischen in Wien lebende Künstlerin mit dem Airbrush weiche Plastizität verleiht (Drehwürmer? Nein, "Paint Babies"!), geraten da etwa in einen beschaulichen Strudel, dessen Auge einen regelrecht hypnotisiert. Oder rund um ein Stück nackte Leinwand in der Mitte blüht die Malerei prächtig auf, entfalten sich die blumigen "Shapes" in einem unglaublich strahlenden, vibrierenden Orange, Gelb, Pink oder Blau. (Plank: "Ich bin eine Malerin, die die Malerei bejaht.") Die Malerin selbst begegnet ihren Bildern ebenfalls nicht statisch, umrundet sie, überträgt ihre eigene Bewegungsenergie auf ihr Werk und entscheidet sich erst zum Schluss für ein Oben und Unten. Erst beim Aufhängen. Harmonisch und dekorativ und trotzdem lebendig.

Die Fläche würfelt sehr wohl

Und der Moritz Mizrahi (Jahrgang 1997)? Hinterlässt seine effektvolle Illusionskunst am liebsten in Street-Art-Manier direkt auf Mauern im öffentlichen Raum und an verlassenen Orten und kann dann meistens "für nichts mehr garantieren, weil das nicht in meiner Macht steht", ob das Ganze nämlich morgen immer noch da ist. Die grauen Würfel, die im hintersten Winkel der Galerie vor der Wand zu schweben scheinen, wird zumindest bis zum Ende der Schau NIEMAND übermalen. Und obwohl Würfel Kuben sind und Kuben zu seinem Grundvokabular gehören, ist das, was Mizrahi macht, kein Kubismus. Irritierende Reizmuster (die TRAGBARE "Wand", die Lein-Wand, verschmäht er dabei aber eh auch nicht), paradoxe Räume, in der die Perspektive dauernd umspringt und die er mitunter eigenhändig STICKT (Zeichnungen mit Nadel und Faden – "Mein Vater hatte ein Teppichgeschäft, das Thema Stoff war bei mir schon immer präsent") oder eine vibrierende All-Over-Kalligrafie (auch wenn da drin letztlich eine meditative Ruhe gespeichert ist, in der konzentrierten Dynamik des Pinsels, der keinen Frieden findet, bis er die freie Fläche nicht restlos mit abstrakten Schriftzeichen von ornamentaler Eleganz überzogen hat), das alles hat mehr was von der Op-Art. Op von "optical". Zwar ist jede Kunst irgendwie "optisch", nur die Op-Art ist es halt besonders. Der Künstler widerspricht: "Ich würde mich NICHT in die Op-Art einordnen. Es geht mir nicht rein um den visuellen Effekt." Worum geht’s ihm denn sonst noch? "Das würd‘ ich gern offenlassen."

Bejahende Malerei von Elisabeth Plank: Ihre"Shapes" lassen die Bilder erblühen. 
- © Galerie Ruberl

Bejahende Malerei von Elisabeth Plank: Ihre"Shapes" lassen die Bilder erblühen.

- © Galerie Ruberl

Bei aller ausgeklügelten Strenge ist sein Zugang zur Geometrie ein sehr spielerischer und man darf sogar mitspielen, darf die echten Betonwürfel (in diversen Shades of Grey und in der Palette des Vierfarbendrucks) wie Bauklötze (oder analoge 3D-Pixel) verrücken und zu neuen Mustern ordnen. Seine Variante des Zen-Gartens? Jedenfalls beruhigend. Zum Runterkommen. Und sie bewegt sich doch, die Kunst.