Man muss den Ausstellungsmachern auf der Schallaburg Respekt zollen für ihre fast prophetische Gabe. Nach der Islam-Ausstellung zur Flüchtlingskrise, der Brot-Ausstellung mitten im Trend der Rückbesinnung auf Selbstgemachtes steht heuer eine Reise über 2857 Kilometer durch zehn Länder entlang der Donau auf dem Programm. Eine Reise, die man so aufgrund der gesundheitlichen Lage derzeit und wohl noch für viele Monate nicht machen kann. Reisebeschränkungen, Warnungen und Selbstschutz machen solche Pläne zunichte. Gut, dass jemand für uns diese Reise gemacht und dokumentiert hat, sodass wir nur bis kurz vor Melk fahren müssen, um in die Magie der Kulturlandschaft Donau einzutauchen.

Die Reiserichtung ist bewusst gewählt. Sie beginnt am Stromkilometer null in Sulina im rumänischen Donaudelta. Die Reise gegen den Strom soll laut Kurator Dominik Heher vor allem deutlich machen, dass der Fluss keine Einbahnstraße ist. "Der Austausch hat immer schon in beide Richtungen stattgefunden." Und so bewegen wir uns durch die engen Felsschluchten des Eisernen Tors, vorbei an den Ebenen Ungarns durch die Wachau, passieren die Schallaburg und gelangen bis zu den Ursprüngen im Schwarzwald.

In abwechslungsreichen Etappen werden Einblicke in die Geschichte des Donauraums und Ausblicke auf seine vielfältigen Landschaften dargeboten. Menschen erzählen vom Leben am großen Strom, ungewöhnliche Exponate wie ein nachgebildeter Löwenkopf vom Donauknie in Ungarn oder die Gusle, ein Musikinstrument aus der Vojvodina, geben Zeugnis von der Kultur der Menschen. Fundstücke aus der Donau zeichnen Bilder seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. So verschmelzen alle Eindrücke dieser Reise zu einem bunten Mosaik.

Zahlreich sind die Geschichten und Erzählungen, die eine Reise wie diese bereithält. Sei es das dramatische Ende der versunkenen Insel Ada Kaleh oder die geheimnisvollen Spuren der Vinca-Kultur am serbischen Donauufer. Seien es die Kämpfe Prinz Eugens gegen die Osmanen oder das Schicksal der Donauschwaben. Dabei wird dem Geheimnis der ungarischen Fischsuppe, den Lesehöfen und den Wanderungen der Nibelungen in der Wachau ebenso nachgegangen wie dem Mythos der schönen blauen Donau.

Die Vorbereitungen der Ausstellung waren langwierig. Kurator Heher bereiste zweieinhalb Jahre lang mit einem Videoteam den Fluss durch alle zehn Länder. Am Fluss lebende Menschen kommen hier zu Wort. 23 Räume wurden gefüllt mit dem Leben am Strom, dem für die Schallaburg so typischen breiten Kulturbegriff folgend. Vom brütenden Rosapelikan bis zum Melker Kelch aus Donauwaschgold, das mühsam dem Sand abgerungen wurde.

"An 46 Tagen lehmgelb"

Es liegt auf der Hand, dass die Donau die frühen Kulturen, die an ihrem Strand gesiedelt haben, beeinflusst hat. Man denke nur an Willendorf an der Donau - die dort gefundene 30.000 Jahre alte Venus ist eines der bedeutendsten Artefakte aus dem Gravettien. Später waren es die Menschen, die dem Fluss ihren Stempel aufdrückten, etwa mit der Verbauung zur Stromgewinnung. Doch auch in der Kultur baute man der "schönen blauen Donau" ihre Denkmäler. Schon 1903 wollte der Hydrograf Anton Bruszkay wissen, ob die Donau wirklich "so blau" ist. Ernüchtert schrieb er in sein Heft: "An 11 Tagen braun, an 46 Tagen lehmgelb, an 59 Tagen schmutzgrün, an 5 Tagen grasgrün, an 69 Tagen stahlgrün, an 46 Tagen smaragdgrün und an 64 Tagen dunkelgrün." Von blau keine Spur.