Knallige Kontraste, leuchtende Werke - in der neuen Ausstellung "Reflections" im Kunstforum geht es bunt zu. Bis 16. August gibt es Arbeiten des etablierten Pop-Art-Künstlers James Francis Gill und des deutschen Newcomers Kilian Saueressig zu sehen. Gill zählt, neben Roy Lichtenstein und Andy Warhol, zu den wichtigsten Vertretern der amerikanischen Pop-Art. Saueressig hingegen hat die Kunstszene erst vor kurzem für sich entdeckt.

Pop-Art und Collagen

In den 60er Jahren stieg Gill rasant in der Kunstwelt auf, als das New Yorker Museum of Modern Art sein "Marilyn Triptych" in die Sammlung aufnahm. Der US-Amerikaner bildete auf seinen Porträts einige Berühmtheiten ab, in Wien sind neben seiner bekanntesten Muse Marilyn Monroe unter anderem auch die Beatles und Michael Jackson zu sehen. Nach 30 Jahren Pause erfand sich der Cowboy-Hutträger in den 2010er Jahren neu und wandte sich wieder ganz der Leinwand zu. Viele der Arbeiten, die in Wien ausgestellt sind, entstanden während der Corona-Pandemie.

Die Serie "Women in Cars" knüpft an ältere Bilder von Gill an, inszeniert das Thema aber neu. Blondes, schwarzes oder braunes Haar blitzt dabei aus dem Auto hervor, die Damen posieren für den Spiegel oder blicken den Betrachtern direkt in die Augen.

Ein schillernder Blickfang: Kilian Saueressigs "ShadesOfLila". - © Saueressig
Ein schillernder Blickfang: Kilian Saueressigs "ShadesOfLila". - © Saueressig

Surreal hingegen wirken Gills zusammengewürfelte Collagen in stark leuchtenden Farben - sie stellen eine Kombination aus abstrakten Objekten und idyllischen Landschaften dar. "Der Typ muss verrückt sein, um diese Ideen und Visionen zu haben", meint Kurator Manfred Möller augenzwinkernd zu Gills Collagen. Der Name "The Phenomen of Ecstasy Displayed" würde jedenfalls auf einen entrückten Wahrnehmungszustand hindeuten. Die Arbeiten nützen Zweidimensionalität und Fläche effizient und erinnern dabei an Poster.

Während Gill enorme Erfahrung im Kunstbetrieb besitzt, hat sich Kilian Saueressig erst vor einem Jahr vollständig der Kunst gewidmet. Der Maschinenbau-Ingenieur macht sich sein Wissen über Oberflächenveredlung und Formtechnologie zunutze und verleiht seinen Werken damit einen plastischen Charakter. Auf Saueressigs Bildern überlagern sich mehre Schichten, was für einen Tiefen-Effekt sorgt.

Erleuchtende Arbeiten

Diese Tiefe kommt bei der Betrachtung aus unterschiedlichen Perspektiven zum Vorschein: Bei einem Blick von der Seite werden die Schichten und reliefartigen Erhebungen auf der Oberfläche sichtbar. Fast möchte man die Arbeiten anfassen, so sehr fasziniert die Form.

Dabei spielt auch die Beleuchtung eine Rolle. LED-Lichter illuminieren die Bilder von hinten, Farbe und Helligkeit variieren, dadurch ergeben sich immer wieder neue Interpretationsmöglichkeiten, die ihre Bedeutung und Wirkung je nach Farbkombination anders entfalten können.

Ästhetische Körperformen und Gesichter bilden den Ausgangspunkt für Saueressigs Kunst. Inhaltlich setzt er sich sowohl mit sozialen und politischen Fragen als auch persönlichen Erinnerungen auseinander. Seine Werke "dienen dazu, meinen Wissensdurst auszudrücken", sagt er selbst im Kunstforum Wien.

Mag es auf den ersten Blick auch so aussehen, als würde hier zwei Künstler vieles verbinden - die kräftigen Farben, die Faszination für Gesichter und Frauen: Hinsichtlich Form und Material könnten die beiden kaum unterschiedlicher arbeiten.