Zwei Künstlerinnen und zwei Künstler, die auf großen Papieren arbeiten, wurden aus der Sammlung für die Sommerschau in der Pfeilerhalle der Albertina ausgewählt. Der Einblick bietet spontan Ersatz für viele verschobene Ausstellungsprojekte. Drei Positionen haben eine Vorliebe für die Technik des Holzschnitts, den sie mit neuen Medien wie Foto und Film ergänzen. Von Christiane Baumgartner, Franz Gertsch, Ofer Lellouche und Kiki Smith besitzt die Albertina mehrere Arbeitszyklen auf meist großformatigen Papieren, die als Ankäufe oder Schenkungen in den letzten Jahrzehnten ans Haus kamen. Ihre Gemeinsamkeiten sind neben den Neuadaptionen alter künstlerischer Techniken die Auseinandersetzung mit natürlichen und abstrakten Zeichen, alten und neuen "Icons", die sich heute vor allem mit Herkunft und Identität, aber auch Geschlechter- und Generationsfragen auseinandersetzen.

Moderne Ästhetik

Transzendierte Natur von Franz Gertsch. - © Albertina
Transzendierte Natur von Franz Gertsch. - © Albertina

Mit dem Titel "Natur & Symbol" wird der alte Gegensatz von Naturnachahmung und intuitiv-abstrakter Erfassung, von Gefühl und Ratio, im Schaffensprozess angesprochen. Es handelt sich um ein wichtiges Thema der Akademien, denn die Kunsttheorie hat viel über das fiktive Leben von Symbolen sinniert, beginnend mit Aristoteles über Kant und Lessing bis Ernst Cassirer. Kunst, Psychologie und Soziologie haben die Überwindung und Erweiterungen dieser ästhetischen Ausgangsbegriffe für die Moderne behandelt. Götz Pochat hat alle Diskussionsbeiträge zum Symbolbegriff schon 1983 in einem Buch versammelt, übertragen auf die vier Positionen hier muss zusätzlich die Wende von analoger zu digitaler Technik in die sinnliche Erfahrung mit eingebracht werden. Die in den 1940er bis in die 1960er Jahren geborenen zwei Künstlergenerationen bringen aber diese neuen Gegensätze, wie Natur und Symbol, in ihren gelungenen Kunstwerken ohnehin in Einklang und somit auch zum Verschwinden.

Abstrahierte Natur von Christiane Baumgartner. - © Albertina
Abstrahierte Natur von Christiane Baumgartner. - © Albertina

Während Franz Gertsch seine direkt in der Natur gefundenen Motive mit der Kamera aufnimmt und durch Bearbeitung mit einem Hohleisen auf der dunkel eingefärbten Platte transzendiert, setzt Christiane Baumgartner, die auch seine Farbraumlösungen als vorbildlich empfindet, neben der Kamera gefundene Bilder aus Magazinen und dem Fernsehen ein, die sie am Computer bearbeitet, um die digitale Information dann auf das Holz zum Druck zu übertragen. Beide spielen mit Bewegung und Zeitlosigkeit, ob sein "Schwarzwasser" oder ihre Landschaft mit Windrädern, aufgenommen während der Fahrt auf der Autobahn, und auch das Aussparen der Figur spielt darin eine Rolle. Dazu kommt in Baumgartners "Transall" und der Serie "Formation" die bedrohliche Überwachung und bildliche Kriegspropaganda, wie wir sie aus den Medien seit den Golfkriegen kennen.

Traumhafte Sequenzen

Gertschs "Silvia" steht den ebenso distanziert und verallgemeinert wirkenden Köpfen und Figuren - auch wenn es sich um Selbstbildnisse im Atelier handelt - des in Tunis geborenen, in Tel Aviv und Paris lebenden Ofer Lellouche als verwandter Themenkreis gegenüber, das menschliche Abbild als Götzendienst im jüdischen Bildverbot lässt ihn zuweilen fragmentieren wie anonymisieren, egal ob er plastisch mit Terracotta, Holz oder Bronze arbeitet oder im großformatigen Schwarzweiß-Holzschnitt. Kiki Smith hat nach ihren Collagen, Kopiererbildern und anderen Direktübertragungen körperlicher Formen auf große nepalesische Papiere 2011 traumhafte Sequenzen in Tapisserien weben lassen, diese gehören zu den letzten Gegenwartskunst-Ankäufen der Albertina und orientieren sich am Vorbild der Apokalypsen-Teppiche von Angers aus dem 14. Jahrhundert. Smith reagiert auf die anonymen Gewebe von Frauen durch eine zutiefst persönliche Ikonografie und eine poetische Utopie, Welt in friedlicher Symbiose von Tier und Mensch zu sehen.