Bunt wie ein Hawaiihemd ist die Schau, die sich die Galerie Gans da "angezogen" hat. Die Bilder sind allerdings Made in Germany (und das ist bekanntlich nicht der Name einer Südseeinsel). Zumindest die einen wurden dort gemalt. Die andern stammen von einem, der in Kroatien lebt und werkt, aber immerhin in einer deutschen Stadt (Düsseldorf) studiert hat.

"Dynamik und Fiktion" – auf die dichten, geradezu wuchernden Farbgefilde von Theresa Möller aus Leipzig (geboren wurde sie freilich 1988 in Hamburg) trifft eindeutig mehr die ERSTE Hälfte des Ausstellungstitels zu. (Der Teil mit der Dynamik.) Wälder, Gestrüpp, ein Gewässer, wobei die Malerei ja selbst ein Feuchtgebiet ist: überall Rinnspuren, überall trieft die Farbe. Der einzige Mensch in diesen Landschaften zwischen Abbild und lustvollem Eintauchen ins pure Malen ist die Künstlerin, die sich mit dem Pinsel durch die Wildnis arbeitet, wo beide Naturen, nämlich die der Botanik und die der Malerei, untrennbar miteinander verwachsen. Und die Abstraktion steckt im Detail. Je näher man rangeht, desto abstrakter wird das Bild.

Nicht den gelben Schnee essen!

Die Arbeiten von Izvor Pende (Dubrovnik) sind das bereits von Anfang an: abstrakt. Trotzdem hält der Maler (Jahrgang 1976) sie für nicht weniger gegenständlich als seine früheren figurativen. Ach, weil ein Gegenstand in der Regel eine Farbe und eine Form besitzt, doch Farbe und Form GENAUSO Gegenstände sein können? Abgesehen davon sind die Werktitel mitunter ziemlich realistisch: "Don’t Eat the Yellow Snow." (Guter Rat.)

Collageartige Kompositionen. Oder das Gegenteil? Décollageartige? Wo man wie bei einer Plakatwand was herunterreißt, um die älteren Schichten freizulegen? Und hier kommen eben vage Erinnerungen an die Realität hoch? Streifenmuster und organischere Partien, plakative und nuanciertere Flächen begegnen sich kontrastierend auf der Leinwand (auffallend: die intensive, kräftige Palette) und erzeugen eine harmonische Spannung. Das mit der harmonischen Spannung ließe sich über die gesamte Ausstellung ebenfalls sagen. Zwei mit einem Gespür für Farbe – und Fülle.

Und weil die Wände der Galerie sowieso nicht ausreichen (Stichwort Fülle), werden gleich noch die Auslagen vom Café gegenüber okkupiert. Susie Gschwenter (und sie spricht da anscheinend auch für ihre Kollegin Marina Papanikolaou-Rodler, mit der gemeinsam sie die Galerie betreibt): "Dafür kaufen wir ihnen den Kaffee ab."

Die Farben versteckt Izvor Pende jedenfalls nicht: "Hidden." - © Izvor Pende
Die Farben versteckt Izvor Pende jedenfalls nicht: "Hidden." - © Izvor Pende