Wie Mahnmale rahmen sie den Weg von der Karlskirche zum Schwarzenbergplatz - die Gesichter von maskierten Menschen aus verschiedenen Kultur- und Gesellschaftskreisen. Die Aufnahmen für die Open-Air-Ausstellung "Face it!" - entstanden zwischen April und Juni dieses Jahres - wirken bereits, als würden sie aus einer völlig anderen Welt stammen. Fotografin Elodie Grethen hielt fest, wie die Wiener den Lockdown erlebten. Kurator Peter Stuiber führte Interviews mit den Fotografierten und blickte hinter die Fassade der Maske.

Kuratorin Tonica Hunter bei "Face it!". - © Bildrecht 2020/Elodie Grethen
Kuratorin Tonica Hunter bei "Face it!". - © Bildrecht 2020/Elodie Grethen

Die bewegenden Geschichten einer Bevölkerung im Ausnahmezustand sind seit 10. September vor den Toren des Wien Museums ausgestellt, "Face it!" läuft bei freiem Eintritt noch bis 10. Jänner. Dass das Wien Museum gerade umgebaut wird, konnte die Ausstellungsmacher nicht daran hindern, den Bauzaun rund um das Areal künstlerisch zu nutzen. Und auch wenn der Baulärm und die vorbeihastenden Passanten manchen Besucher womöglich stören - genau diese Alltäglichkeit ist es, die den Geist der Ausstellung ausmacht. Die Protagonisten sind nämlich nicht (nur) die Helden, die in den dunklen Stunden der Pandemie im Fokus standen, wie die Mitarbeiter des Gesundheitswesens. Im Zentrum der Aufmerksamkeit standen vielmehr "Menschen von nebenan" und ihre Bemühungen, mit der besonderen Situation fertig zu werden.

Potpourri an Geschichten

Von der Heimhilfe bis zum Polizisten zeichnet "Face it!" ein durchaus repräsentatives Bild der Situation während des Lockdowns. Die Interviews geben unterschiedliche Einstellungen und Umgangsweisen mit dem Virus anschaulich wieder. Während sich der Notfallsanitäter etwa entspannt gibt und die derzeitigen Lockerungen willkommen heißt, steht die Apothekerin denselben skeptisch gegenüber.

Der Kontrast zwischen der Anonymität hinter dem Mund-Nasen-Schutz und den Einblicken in die Lebenswelten der Interviewten macht deutlich, wie sehr uns die schützende Maske etwas von unserer Persönlichkeit raubt. Wer den anderen nur noch als potenzielle Gefahr wahrnimmt, vergisst schnell, dass hinter jedem Krankheitsfall auch eine Person steckt.

Besonders berührend sind Schicksale, wie die des "Augustin"-Verkäufers, der zusammen mit 240 anderen in einer Klinik in Quarantäne musste. Während er Angst um seine Gesundheit hatte, wurden ihm zu allem Überfluss noch die Habseligkeiten gestohlen. Auch die Geschichte einer Allgemeinmedizinerin, die selbst an Covid erkrankt ist, zeigt, wie beängstigend und belastend die Krankheit sein kann.

Trotz äußerst unterschiedlicher Positionen, zieht sich ein Grundtenor durch die Reihe der Portraitierten: Sie sind allesamt froh, dass die erste Welle vorbei ist, haben aber Angst vor den nun steigenden Zahlen.