Kunst und Ökologiebewegung arbeiten schon länger zusammen, weil sie sich mit dem zusehends katastrophaleren Zustand durch die Klimakrise seit den 1970er Jahren befassen. 1972 publizierte der Club of Rome über die "Grenzen des Wachstums", doch ist seitdem keine Einsicht eingetreten. Die Schau begleitet eine knapp gefasste wissenschaftliche Übersicht von Landzerstörung zugunsten des Frühkapitalismus 1450 in England bis zur Covid-19-Krise 2020, und sie führt uns neben den Bildern vor Augen, wie klar der Mensch global auf einen nicht vorhandenen Notausgang zustrebt. Die "Fridays for Future"-Bewegung und die Kunst gehen nun eine Allianz ein, die "Nach uns die Sintflut" im Kunsthaus Wien mit 20 Positionen sichtbar machen will.

Tatenlosigkeit

Das bekannte Video "Räumliche Maßnahme" von Nicole Six & Paul Petritsch entstand schon 2002 und doch erläutert es den Zustand der Tatenlosigkeit in grotesker Weise: Ganze 28 Minuten hackt ein Mann auf eine Eisoberfläche ein, die ihn trägt, bevor sie laut knirschend zerbirst und er einbricht. Das abschmelzende Eis der Pole und Gletscher, der auftauende Permafrost und das Ansteigen des Meeresspiegels haben mit austrocknenden Seen, Versteppung und Salzstürmen, Bränden von Wäldern und Unbewohnbarkeit vieler Gebiete als Gegenüber. Es sind so unterschiedliche Dinge wie der Abbau von Teersand in Kanada, der mit den Überschwemmungen in Bangladesch von Ursula Biermann im Video "Deep Water" von 2013 verbunden wird - oder im oberen Stock die vielteiligen Aufnahmen der schwindenden Alpengletscher von Michael Goldgruber 2019 und die "Lake Chad Chronicles" von Bénédicte Kurzen über die dramatische Austrocknung des Tschad-Sees in bunter Collage. Paradiese wie in der Vorgängerschau "Visions of Nature" gibt es im Kunsthaus keine mehr, denn die "Floodzone" von Miami der Russin Anastasia Samoylova zeigt die Touristenparadiese der USA mit umgeknickten Palmen und in Häuser eingedrungenem Wasser, ganze Wurzelballen von Bäumen sind ausgeschwemmt in der Fotoserie "Roots" von 2018 zu sehen.

Untergang ist vor allem für die Inseln im Pazifik, die nur fünf Meter über dem Meeresspiegel liegen, eine ständige Erfahrung, die Australierin Angela Tiatia zeigt es am Beispiel Tuvalu in einem dreiteiligen Video von 2016. Salzstürme fegen an Stelle eines ehemals fruchtbaren Gebiets um den See Urmia durch eine tote, ausgetrocknete Steppe im Iran, festgehalten wurde die Verwandlung in 40 Jahren in einem alten Fotoalbum und Fotografien von 2014 durch Solmaz Daryani, die heute in England lebt.

Neben den Wassern und dem Eis nimmt auch der die Umwelt orange färbende Dauersmog in China eine wichtige Position ein, den Benoit Aquin 2006 bis 2009 in Städten und Dürregebieten einfing. Auch der Bau einer künstlichen Welt auf hunderten Inseln in Dubai wird kaum jemand positiv stimmen - so aufgenommen von Genoveva Kriechbaum und in einer Fotoserie wie einem Video von 2010 bis 2018 in gnadenlosen Baudetails dokumentiert.

Etwas tröstliche Positionen nehmen Gabriele Rothemann und Douglas Mandry ein, auch wenn Letzterer die Geotextilfliese, die auf die Gletscher gelegt werden, um die Hitze im Sommer zu mildern und ihr Abschmelzen zu verzögern, nutzt, um sie mit romantisch bizarren Aufnahmen der Eiswelten anonymer Fotografen des 19. Jahrhunderts zu bedrucken. Rothemann versucht das Medium Fotografie wieder einmal auszuweiten, indem sie das zu dünnen Platten geschliffene Elfenbein der Mammutknochen als Trägermaterial verwendet, da die ausgestorbenen Tiere durch Auftauen des Permafrostbodens an die Oberfläche kommen. Dem Gewinn des wertvollen Materials setzt sie aber bildlich den Verlust kleiner einzelner Eisschollen in Island entgegen, die sie während ihrer Projektexkursion 2019 vor die Kamera bekam. Diese Objekt-"Miniaturen über das Verschwinden" sind als Katalog-cover jedenfalls passend.

"The End" am Beginn der Schau ist von Justin Brice Guariglia: 2019 hat er diese Worte in eine fotografierte Eisoberfläche auf Styropor eingeschnitten; weniger plakativ, daher interessanter als dieser weiße Emotionskiller ist seine Serie abstrakter Landschaftsstrukturen. Im Ödland lässt sich noch tröstliche Schönheit finden.