Was hat ein Elefantenschädel auf dem Grazer Schlossberg verloren? Wie kamen eigentlich die Bäume auf den Berg? Und was hat der Teufel mit all dem zu tun? Antworten auf diese und andere Fragen liefert das neu gegründete Museum Schlossberg in Graz. Die Dependance des Grazer Stadtmuseums, errichtet im ehemaligen Kanonierhaus am Schlossberg, wurde Anfang September eröffnet. Eigentlich hätte das Museum bereits im Mai den Betrieb aufnehmen sollen, durch die coronabedingte Zwangspause verschob sich das um vier Monate. "Die Museumsidee ist einfach. Sie ist keine Kopie anderer Museen, sondern nimmt ganz auf den Ort Bezug", sagte Otto Hochreiter, Direktor des Stadtmuseums am Eröffnungswochenende, bei dem 1709 Besucher in das neue Areal pilgerten.

Der Schlossberg mit dem Grazer Wahrzeichen dem Uhrturm, ist beliebtes Ausflugsziel für Familien und weithin sichtbare Touristen-Attraktion. Das neue Museum fügt sich nahtlos in die bereits bestehenden Freizeitangebote ein - von der Reihe an Lokalen und den Spazierwegen bis hin zur Rutsche ins Stadtzentrum. Anhand von vier Bereichen erzählt das Museum etwas von der Geschichte des Berges und dessen Bedeutung für die Stadt: Im ehemaligen Hof der Stall- und Kanonenbastei wurde ein Kinderspielplatz sorgfältig angelegt, im sogenannten "Wundergarten" werden die Sagenfiguren des Schlossbergs thematisiert - Teufel, Panther, Löwe, Elefant und Hund. Der Legende nach entstand der Schlossberg nämlich durch einen vom Teufel fallen gelassenen Felsbrocken.

Nächste Station: die ehemalige Kanonenhalle mit den "vier Evangelisten"; die Geschütze dienten seinerzeit dazu, die Stadt vor Feuer und anderen Gefahren zu warnen, heute lädt der sensationelle Ausblick zum Verweilen ein, neu hinzugekommen ist ein schwenkbarer Monitor, der Live-Bilder der Stadt mit historischen Ansichten verknüpft.

Uneinnehmbare Festung

Im ehemaligen Kanonierhaus wurde eine Ausstellung eingerichtet, die die historische Entwicklung von urzeitlichen Funden und verschiedenen Stationen des Festungsbaus bis hin zum heutigen Naherholungsgebiet nachzeichnet. In einer Vitrine ist etwa ein Elefantenschädel ausgestellt. Um diesen Fund ranken sich Legenden: Wurde er im Krieg gegen die Osmanen erbeutet, half er bei der Errichtung der Festung? Nicht sehr wahrscheinlich, schließlich ließen die Osmanen bei ihrem Feldzug gen Wien Graz links liegen. Vermutlich gehörte der Elefant einst zu vazierenden Schaustellern.

Die Festung, seit dem 9. Jahrhundert stetig ausgebaut, wurde in ihrer langen Geschichte nie eingenommen, erst auf Anordnung Napoleons wurde sie 1809 geschleift. Im Lauf des 19. Jahrhunderts hat ein aufstrebendes Grazer Bürgertum den kahlen Felsen nach und nach begrünt und in die Parklandschaft verwandelt, die wir heute kennen. Einer der Höhepunkte der Ausstellung befindet sich in den Kasematten. In einem beeindruckenden 3D-Kristall wird ein Modell des Schlossbergs gezeigt, das auch das weit verzweigte System der Luftschutzstollen sichtbar macht, das Zwangsarbeiter zwischen 1943 und 1945 errichten musten.

Der Grazer Schlossberg - ein Naherholungsgebiet mit Geschichten und Geschichte.