"Ein Sehnsuchtsort des Teams", beschrieb Direktorin Lilli Hollein Meidling, den diesjährigen Fokusbezirk der Vienna Design Week. Nach früheren Schwierigkeiten habe man heuer endlich eine geeignete Festivalzentrale gefunden - ein altes Amtshaus in der Theresienbadgasse. Mit Beistand aus der Schweiz findet hier, an weiteren Locations wie einem ehemaligen Solarium und erstmals auch virtuell von 25. September bis 4. Oktober die 14. Ausgabe des Designfestivals statt.

Man sei sich, so Hollein, wegen des Coronavirus nicht zu jedem Zeitpunkt sicher gewesen, ob das Festival überhaupt in der jetzigen Form stattfinden könne. Schließlich funktionierte es doch, wenn auch viele Formate mehrmals umgeplant werden mussten. 40.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr, heuer befindet man sich in einer Ausnahmesituation.

Ein digitaler Schwerpunkt kommt da ganz gelegen. "Vieles kann man sich auch vom Sofa aus ansehen", erzählte die Direktorin bei der Presseführung am Donnerstag. Ein neues Highlight ist die dreidimensionale, virtuelle Festivalzentrale, in der sich Besucher mittels Avatar - im Unterschied zur physischen Veranstaltung ohne Mund-Nasen-Schutz - in Fantasieräumen bewegen und austauschen können. Sie ist auch vom Handy aus zugänglich.

17 Designer aus der Schweiz

Trotz unsicherer internationaler Verhältnisse konnten auch 17 Designer aus der Schweiz anreisen, dem diesjährigen Gastland. In dem mit neuem Leben erfüllten Amtshaus präsentieren die Gäste in ihren Ausstellungen unter anderem Schweizer Design-Start-Ups wie "Read on", das Lesebrillen in Handyhüllen integriert. Ihre Kollegen vom "INT Studio" schufen mit Replikas von Ausstellungsstücken zum Angreifen und dazugehörigen drehbaren digitalen Ansichten des Originals einen neuen Weg für Museen, Objekte zu präsentieren. "Wir wollen fragen: Wie kann man die Dinge anders angehen?", sagte Michel Hueter vom Design Preis Schweiz.

Im Zuge der Passionswege arbeiten Designerinnen wieder mit hiesigen Handwerksunternehmen, um etwas Neues zu schaffen. Zum 15-Jahr-Jubiläum des Formats ist den dabei entstandenen Produkten heuer eine eigene Ausstellung gewidmet. Jedoch steht nicht nur klassisches Produktdesign im Zentrum des Festivals. So regt Helga Schmid etwa dazu an, sich mit alternativen Formen der Zeitwahrnehmung auseinanderzusetzen. In einem Selbstexperiment sollen Besucher versuchen, eine Zeit lang ohne Uhren auszukommen, und sich stattdessen an dem Lebensrhythmus eines Hundes oder an den Signalen des eigenen Körpers zu orientieren. Ein weiteres Projekt soll das Leben im zwölften Wiener Gemeindebezirk aufwerten, Ideen umfassen die Dokumentation unregistrierter Bäume und Ein-Quadratmeter-Marktstände für jedermann am Meidlinger Markt. (apa)