Ein sichtbares Zeichen setzen!" Mit dieser Aussage fasst der Direktor der Galerie Crone, Andreas Huber, die Entscheidung zusammen, in diesen herausfordernden und unberechenbaren Zeiten an der Viennacontemporary teilzunehmen. "Es ist für uns wichtig, einen Schritt Richtung Wiederaufbau zu tun", ergänzt Huber. Selbstverständlich ist es ihm und allen anderen teilnehmenden Galerien, sei es nun bei der Viennacontemporary als auch bei der Parallel, klar, dass heuer weder mit rekordverdächtigen Besucher- noch Verkaufszahlen zu rechnen ist. "Aber wir wollen zumindest eine Plattform bieten, wo wir regionale Künstlerinnen und Künstler präsentieren - natürlich ohne ins Provinzielle abzudriften", erläutert er sein Präsentationskonzept. Er erachtet die Abkühlungsphase bei Messen mit weniger Ausstellern, wo Arbeit und Profilschärfung der Galerien wieder mehr im Mittelpunkt stehen, als Positivum gegenüber dem überhitzten Tohuwabohu bei Megamessen.

Wien hilft Budapest

Ein Blick auf die Bedingungen heuriger Kunstmessen-Organisation: Die Viennacontemporary ist fast um die Hälfte der Aussteller geschrumpft (65 Galerien statt 110 im vergangenen Jahr). Ebenso wurden die Standkosten um die Hälfte gesenkt. Der Zugang wird durch Slots geregelt. Was bedeutet, dass pro Tag 2000 Interessierte die Messe besuchen können (bei der Parallel sind es 300).

Jedoch ist es mit enormen Arbeitsaufwand gelungen, ihren internationalen Schwerpunkt - mit Fokus auf Galerien aus Zentral- und Osteuropa - aufrecht zu erhalten: Mehr als die Hälfte der Aussteller sind Galerien aus 16 Ländern. "Im Zuge der Organisation sind wir auf eine ungeheure Solidarität und Kollegialität zwischen Galerien und Künstlern gestoßen", betont die neue kaufmännische Direktorin Tatina Ilyina. Daher ist es möglich, dass die drei gelisteten Galerien aus Budapest, deren Crews nach Orbáns Reisebann nicht anreisen konnten, von Kollegen aus Wien mitbetreut werden. Auf der anderen Seite fällt das internationale Sammlerprogramm, mit dem in sehr kleiner Form gerechnet wurde, nach den zahlreichen Reisewarnungen für Wien flach.

Was versäumen die internationalen Kunstinteressierten? Die sehenswerte Einzelpräsentation von Tamás Konok, einem der bekanntesten ungarischen Künstler auf dem Feld der geometrischen Abstraktion. Ursula Krinzinger setzt ein markantes Zeichen, in dem sie lediglich acht Künstlerinnen, von Marina Abramović über Martha Jungwirth bis Ulrike Lienbacher, ausstellt. Bei Sophie Tappeiner überzeugt die reduzierte Inszenierung der nuancierten Arbeiten der jungen Künstlerin Anna Schachinger. Die Galerie 3 aus Klagenfurt kann mit einem fabelhaften Stand beim Publikum punkten: Lena Freimüller stellt einer imposanten Skulptur (65.000 Euro) und Plakaten von Ines Doujak die ergreifenden, manischen Schriftbilder, Briefe des Outsider-Künstlers Harald Stoffer gegenüber (von 2.000 bis 9.000 Euro). Eine mutige und überaus gelungene Präsentation.

Kunst auf acht Stockwerken

Von der luftigen Marx-Halle ins ehemalige Gewerbehaus der Wirtschaftskammer. Die achte Ausgabe der Satellitenmesse Parallel hat endlich ein leer stehendes Bürogebäude gefunden, in dem sich Besucher nicht vollkommen verloren fühlen und die Messe mit dem Gefühl verlassen, etwas versäumt zu haben. Auf übersichtlichen acht Stockwerken (mit toller Dachterrasse) haben die Organisatoren wieder ein Austellerportfolio zusammengetragen, das sich von renommierten Galerien, wie Krinzinger, Mauroner, König2 oder Senn - wovon einige auf beiden (Messe-) Hochzeiten tanzen -, über Institutionen, wie die Kunstuniversität Linz oder die Angewandte, bis zu Künstlereinzelpräsentationen erstreckt. Das unkoordinierte Sammelsurium an Ausstellern bringt es jedes Jahr mit sich, dass die künstlerischen Qualitätsunterschiede eklatant sind.

Aber es gilt auch viel Bemerkenswertes zu entdecken: Bei den Einzelpräsentationen hebt sich etwa die wunderbar rätselhafte wie vielschichtige Rauminstallation "View from one room to two others" von Corinne Rusch ab - ein Vexierspiel von einzelnen in Originalgröße an die Wände applizierten, inszenierten Fotografien, deren wohldurchdachte Konzeption sich erst durch das Öffnen anderer Türen erschließt. Unbedingt ansehen!

Eine kostspielige Leinwand

Des Weiteren verführen zum Beispiel eine massive, an Twin-Peaks-Labyrinthe gemahnende Video-Installation von Bernd Oppl (Krinzinger, 4.500 Euro), das durch Wurfsterne zerstörte Spiegelobjekt von Iv Toshain (Mauroner, 2.900 Euro), die filigranen Polaroids von Regina Anzenberger (Mezzie: 113 Euro, Galerie Anzenberger) oder ein ironisches, gemaltes Kleinod von Andrew Mezvinksy (Mehr Fest als West, 950 Euro) zur Investition in junge Kunst. Wohingegen vom Erwerb des Selbstporträts des gehypten "Jungstars" Amoako Boafo bei Artcare abzuraten ist: Die Chuzpe, 380.000 Euro für eine Leinwand des Künstlers zu verlangen, dessen Arbeiten Anfang 2019 noch zwischen 5.000 und 10.000 Euro veranschlagt waren, zeigt, dass selbst während der aktuellen Krise Kunstmarkt-Blasen noch immer existieren.