Seit 2019 gibt es einen großen Zuwachs an Dauerleihgaben für die Albertina, der den Radius nun über Österreich hinaus bis nach Amerika erweitert: die Sammlung Jablonka. Nun werden aus 400 Leihgaben die nach 1940 geborenen und in den 1980er Jahren am Kunstmarkt wesentlichen Protagonisten ausgewählt, um in einer die Basteihalle und die Pfeilerhalle füllenden Ausstellung über "My Generation" zu sprechen, wie es die englische Band "The Who" 1965 musikalisch intonierte. Deren Liedtext und andere Künstlersprüche begleiten Besucher auf der Rolltreppenfahrt in die Schau.

Die Rafael und Teresa Jablonka-Stiftung wird erst einmal für die nächsten sieben Jahre als Dauerleihgabe in die Albertina gegeben, eine "Probezeit" wie der nun als Kurator auftretende Sammler andeutet. Er hält eingelagerte Bilder für tote. Max Imdahl, bei dem der 1952 in Polen geborene Jablonka Mitte der 1980er Jahre in Bochum studierte, gab nicht nur die Anregung, wie wichtig das Sehen für eine allein durch Publikum am Leben zu erhaltende Kunst ist, er schärfte Jablonka auch ein, dass Worte sich der Kunst wenig annähern könnten. Deshalb setzt Jablonka auf viele Präsentationen, wobei er nicht von ungefähr auf die Albertina kam, die nach dieser Schau seine wichtigen Fotoserien zeigen wird, und in der Albertina modern 2021 weitere Sammlungsbestände der 1980er Jahre folgen lässt.

Ikonen der Appropriation Art

In Zeiten schwieriger Reiseverhältnisse ist so ein Zuwachs natürlich ein Glücksfall und die zwei großen Installationen von Mike Kelley und Thomas Schütte, neben den Bildern Francesco Clementes in der Pfeilerhalle, geben einen Eindruck, welche speziellen Aufträge an einzelne Künstler der Sammler in seiner Zeit als Kunsthändler und Galerist von 1988 bis 2018 in Köln und Berlin in seine Sammlungsbestände eingliederte.

Von "Kandor", Supermans Geburtsstadt schweift Kelley inhaltlich vom fiktiven Planeten Krypton und dem Schurken Brainiac, der die Stadt in eine Flasche schrumpft, in ein Kunstlabor auf Erden voller Licht und Farbe, das traumatische Erinnerung durch Objekte wie Spiegelungseffekte und Animationen anstachelt. Mit Thomas Schütte kam Jablonka auf seine Ausgangsbasis als Ingenieur im Bauwesen zurück und ließ eine Modellreihe von "Ferienhäusern für Terroristen" nach dem Anschlag von 9/11 in Tirol erbauen. Neben den "Woodcuts" des Künstlers sind sie in filmischer Dokumentation präsent.

Die Basteihalle bietet den auserwählten Ikonen der Appropriation Art wie Sherrie Levine, aber auch Richard Deacon und Terry Winters, sowie den Malern Eric Fischli und Philip Taaffe einzelne Säle oder konfrontiert zuweilen zwei Positionen. Eine eigene Themengruppe zu einem neuen Skulpturenbegriff in den 1980er Jahren durch Damien Hirst, Cady Noland oder Roni Horn kristallisierte sich während des Aufbaus Jablonkas mit Elsy Lahner und Klaus Albrecht Schröder heraus. Fallen, Masken, auch Marmor und Hochglanzbronzen, dabei ein verweiblichter "Torso" nach dem antiken "Torso Belvedere" haben die Mischung aus Konzeptkunst und Pop zu einer sehr zynischen, oft mit Kraftausdrücken als Titel versehenen Kunstproduktion vereint, die zeitgemäß vor allem die große Kunstaktie zutage förderte.

Einige der Künstler sahen sich genötigt, in eine kühle Ironie zu wechseln. Ihre Werke sind daher doppelbödig und auch vom Gefühl verwirrend: Levine macht aus Duchamps Readymade "Fountain" einen hochglanzpoliertes Bronze-Double genauso wie auch aus Skeletten.

Diese ganze Ansammlung von Kunst-Fallenstellern können wie im Fall von Andreas Slominski, dem einzigen polnischen Künstler in Jablonkas Sammlung, sogar einen Wiener Bezug erzeugen: Das Pigment "Wiener Schwarz" im kleinen Glas besteht aus dem Bleischwarz verbrannter Lipizzaner-Knochen. Ein Objekt Kelleys mit dem Titel "Frankenstein" von 1989 kombiniert gefundene, ausgestopfte Stofftiere zu einer wurstartigen Säule, neben der allerdings auch ein Nähkörbchen steht. So hinterfragt er neben Levine oder Hirst, wer überhaupt noch Autor seiner Kunst ist. Das macht manche Werke oft auch durch kunstfremde Materialien sowie dem Spiel mit der Kopie bewusst empathielos. Der schale Geschmack den "Goldene Knoten" hinterlassen, liegt im damaligen Zeitgeschmack, denn selbst erotische Seitenhiebe tauschen die aufklärerische Geste der Nachkriegsgeneration in komische Langeweile um.