Die Dinger sind glatt wie ein – Babypopo? Nein, wie ein Auto. Nämlich lackiert. Mit einem ganz besonderen, "magischen" Lack, der ziemlich bewegend ist, allerdings nicht in emotionaler Hinsicht, sondern in kinetischer. (Die Wiener Innenstadt soll, wenn überhaupt, autofrei werden, hallo? Nicht lackfrei.)

Fitnessgeräte sind die faszinierenden Objekte, die Hanna Roeckle in der bechter kastowsky galerie geparkt hat, deswegen jetzt freilich noch keine (eh nicht, es sind Kunstwerke), nichtsdestotrotz bringen sie einen dazu, Bewegung zu machen, herumzuspazieren, ständig den Blickwinkel zu ändern. Roeckle: "Der Betrachter bewegt sich und dann passiert etwas." Und was? Die raffinierten geometrischen Gebilde wechseln die Farbe. (Üblicherweise bleiben die Schaulustigen ja immer stehen, hier müssen sie weitergehen – sonst sehen sie nichts.)

Reizvolle Farbverläufe, die über die spiegelnde Oberfläche kriechen. Oder ein Grün schlägt abrupt in ein Lila um, ein anderes in ein Gold, aus einem Weinrot wird ein unergründlich dunkles Violett. Eigentlich weniger Polyeder als lauter komplexe Farbkörper. Die Frage, WELCHE Farbe das jeweilige Exemplar hat (na ja, immer eine andere), lässt sich also nicht eindeutig beantworten. Nur zweideutig. Mindestens. Vermutlich aber eher drei- oder sogar mehrdeutig. Denn da ist jede Farbe polychrom und keine mit sich selbst allein. Und welches Material befindet sich UNTER der Glätte? Kunststoff oder Metall? Roeckle: "Weder noch." Wie bitte? Holz? Im Ernst? Perfekte Mimikry.

Rosen haben nur EINE Farbe, diese Blüte von Hanna Roeckle ("Rosetta") hat gleich mehrere auf einmal. 
- © Hanna Roeckle/bechter kastowsky galerie

Rosen haben nur EINE Farbe, diese Blüte von Hanna Roeckle ("Rosetta") hat gleich mehrere auf einmal.

- © Hanna Roeckle/bechter kastowsky galerie

Ein Parkettboden besteigt die Wand

Geometrie – klingt trocken? Feucht ist ja wirklich nix mehr, trotzdem ist alles im Fluss, verfließen die Farben, beginnt sich die starre, präzise Form durch die geilen Changier-Effekte aufzulösen, wird sie unfassbar, entgleitet sie dem analytischen Blick, der sich irgendwann genüsslich im sinnlichen Seherlebnis, im Schaurausch, verliert. In die aus Dreiecken konstruierten "Blüten" an den Wänden ("Rosetta") taucht er ohnedies begeistert ein wie die Nase in die Rose. (Rose ist eine Rose ist eine Rose ist für die Nase.)

Und wenn die in Vaduz geborene und mittlerweile in Zürich lebende und arbeitende Künstlerin ihre Drei-, Vier- und Fünfecke in 2D zusammenpuzzelt, zu Tafelbildern (wie einen Parkettboden, der bekanntlich ebenfalls aus Holz besteht), sorgen optische Täuschungen erst recht wieder für – diskrete – räumliche Irritationen. Und ist ein Polyeder, so ein Vielflächler, außen nicht sowieso auch flach? Erfrischend bunt.