Der Name Azteken ist eine europäische Prägung, die aus dem mythischen Ort Aztlán stammende nomadische Ethnie nannten sich selbst Mexica, was sie zum wesentlichen Teil der Gründungsgeschichte der heutigen vereinigten mexikanischen Republik macht, denn in deren Fahne findet sich der auf einem Kaktus sitzende Adler, der eine Schlange im Schnabel hält. Dieses Bild nach einem Naturwunder war das göttliche Zeichen, an dem nach langer Wanderschaft erreichten Ort, einer Insel im Texcoco-See, 1325 die Hauptstadt Tenochtitlan zu gründen. Bis zur Eroberung 1519 bis 1521 durch die Spanier unter Hernán Cortés war das Aztekenreich eine der größten mesoamerikanischen Zivilisationen.

Es handelt sich, wie die neuesten archäologischen Erkenntnisse durch Ausgrabung der Tempel unter der heutigen Hauptstadt immer klarer ergeben, um eine Kultur mit einer adeligen Kriegerkaste und Elite, die sich einer Naturreligion mit weitverzweigtem Götterhimmel in dieser wahrscheinlich damals größten Stadt der Welt mit 200.000 Einwohnern unterwarf. Aus fünfzig Stadtstaaten mit bis zu vierzig verschiedenen Ethnien und Sprachen wurden drei in den Tenochtitlan umgebenden Provinzen, die durch Tributpflichten untertan gemacht wurden.

In der Hauptstadt regierte ein Herrscher, der sich als "der Höchste derer, die gut sprechen können" bezeichnete. 1502 bis 1521 war das Montezuma (Moctezuma), der dem Eroberer viele Geschenke machte, unter denen wohl auch der berühmte Federnkopfschmuck war, der 1596 nach dem Tod Erzherzog Ferdinands II. von Tirol im Inventar der Sammlungen von Schloss Ambras erstmals schriftlich verzeichnet ist. Dazwischen war er wohl ein Geschenk Cortés’ an Kaiser Karl V. Die Fragilität des altmexikanischen Federkopfschmucks von etwa 1515 ist nicht nur durch die Federn des Quetzalvogels, sondern auch durch tausende Goldplättchen so hoch, dass ihm keine Wanderung vom 1. Stock des Weltmuseums in die im Erdgeschoß eingerichtete Ausstellung erlaubt ist. Trotzdem bleibt das weltweit einzigartige Objekt als "Ikone" des Weltmuseums trotz Forschungs-Abkommens immer noch Grund für Rückgabe-Forderungen Mexikos, derzeit aber zumindest eines dringenden Leihansuchens, das durch die Anreise der Frau des mexikanischen Präsidenten unterstrichen wird.

Komplexe Gesellschaft

Doch die von den Kuratoren im Stuttgarter Linden-Museum, im Welt Museum Wien und in Museum Volkenkunde in Leiden gemeinsam konzipierte Schau, die schon im Juni hier starten sollte, kann sich auch so durch ein stringentes Konzept mit Einbezug der archäologischen Grabungen am Templo Mayor neben der Kathedrale in Mexiko Stadt und 120 Leihgaben mit den in Europa vorhandenen Exponaten - Wien hat auch ein Federnmosaikschild und eine Federnstandarte (oder Fächer?) - sehen lassen.

Faksimiles der wenigen Bilderschrift-Leporellos (die meisten Bücher wurden von den Spaniern verbrannt und die Experten dazu ermordet) und Modelle ergänzen die sogar vielfach kindergerechte Erklärung der Symbole, Götter und des wichtigen religiösen und Wirtschaftslebens dieser komplexen Gesellschaft an der Wand und auf Bildschirmen. Von der landwirtschaftlich genutzten Provinz mit Mais- und Tiergöttern, dabei die geheimnisvolle gefiederte Schlange, gelangen Besucher über Erläuterung der elitären (Adler-)
Kriegerkaste in das Zentrum der Hauptstadt mit Tempeln und einem alle Götter der eroberten Völker mitbewachenden Schutzgott.

Die Blutopfer der aztekischen Priester an Gefangenen, meist jungen Männern aus unterworfenen Provinzen, sind nicht ausgespart, waren sie doch auch die Rechtfertigung der christlichen Spanier für deren Völkermord.

Neufunde von Steinkisten, Schädelmauern, Opfersteinen und Räuchergefäßen werden übertroffen von einer Keramik-Figur des Totengottes aus dem "Haus der Adler", der faszinierend grinsend seine Leber und Galle aus den Brustkorbknochen hängen lässt. Aber auch für die Vogelkopf- und Schädelmasken voller Türkise, Malachite und Muscheln lohnt sich ein Besuch.