Die Galeristin Heike Curtze ist in der Nacht von Samstag auf Sonntag, 18. Oktober, im Alter von 76 Jahren gestorben. Die gebürtige Deutsche engagierte sich mehr als vier Jahrzehnte äußerst erfolgreich für österreichische Kunst. In ihrer Wiener Galerie vertrat sie international renommierte heimische Größen wie Arnulf Rainer, Christian Ludwig Attersee oder Hermann Nitsch.

Die am 6. November 1943 geborene Galeristin begann Anfang der 1970er Jahre in Köln, wo sie zunächst die Leitung der Galerie Ariadne übernahm. 1976 folgte eine eigene Galerie in Düsseldorf, 1978 schließlich hob sie ihre Wiener Galerie Heike Curtze aus der Taufe und etablierte sich mit der Vertretung der Wiener Aktionisten. Aber auch junge Kunst fand immer wieder Platz in den Galerieräumen in der Seilerstätte.

Großer Auftritt bei den Salzburger Festspielen. Die Galeristin Heike Curtze am Arm ihres Lebensgefährten,  Schauspieler Bernd Jeschek. - © APAWeb /FRANZ NEUMAYR
Großer Auftritt bei den Salzburger Festspielen. Die Galeristin Heike Curtze am Arm ihres Lebensgefährten,  Schauspieler Bernd Jeschek. - © APAWeb /FRANZ NEUMAYR

Trendsetterin

Eine "Schule" verfolgte sie bei der Förderung des Nachwuchses nicht, vielmehr interessierten sie "einzelne künstlerische Positionen", die sich qualitativ an "Brus, Rainer und Attersee messen können", sagte sie vor einigen Jahren im Interview mit der APA. Das einzige, was sie dabei nicht interessiere, seien "glatte Oberflächen" und "alles, was nur ins Dekorative geht". Christian Ludwig Attersee sagte in seiner Laudatio bei der Verleihung der OscARTS 2009 über die Galeristin: "Heike Curtze erkennt mit wachem Auge alle Erneuerungen in dem breiten Gebiet der bildenden Kunst mit Neugier und Begeisterung."

In der Kunstszene gab es zahlreiche Beileidsbekundungen zum Tod der Galeristin Heike Curtze. Sie habe "nicht nur international renommierte heimische Künstlerinnen und Künstler mit großer Innigkeit und Beharrlichkeit vertreten, ihr war die Förderung und Vermittlung junger Künstlerinnen und Künstler genauso wichtig", hob Staatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) hervor. "Sie ist nicht Trends gefolgt, sie hat sie vielmehr gesetzt."

Für ihr Engagement zur Förderung österreichischer Gegenwartskunst wurde Heike Curtze 2002 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet. Für die Kunst- und Kultursprecherin der Grünen, Eva Blimlinger, war Curtze "schlichtweg DIE österreichische Galeristin der Zweiten Republik". Sie sei es gewesen, die den Wiener Aktionismus international verankert habe. "Ohne sie hätte Österreich in der Welt der Kunst wenig Bedeutung. Sie war es, die vielen Künstlerinnen und Künstlern dazu verholfen hat, international Karriere zu machen und eine Präsenz am Kunstmarkt zu haben."

Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder drückte im Namen der Belegschaft des Museums seine Anteilnahme aus. "Zweifelsohne zählt 'die Curtze' zu den bedeutendsten und einflussreichsten Galeristinnen und Galeristen Österreichs in der Zweiten Republik. Sie war seit den 1970er Jahren eine der wichtigsten Figuren Wiens wie im Rheinland, die dazu beigetragen hat, dass die Kunst Österreichs erstmals international wahrgenommen, geschätzt und gesammelt wurde", so Schröder in einer Aussendung. "Trotz der höchsten Kompetenz und einer ganz seltenen Professionalität in ihrem unentwegten Einsatz für 'ihre Künstler' war Heike Curtze immer von einer tiefen, empathischen Menschlichkeit und Bescheidenheit geprägt. Die Kunstwelt Österreichs ist ärmer ohne sie." (apa)