Elena Luksch- Makowskys "Selbstporträt mit Sohn Peter" war richtungsweisend für den Expressionismus. - © Belvedere
Elena Luksch- Makowskys "Selbstporträt mit Sohn Peter" war richtungsweisend für den Expressionismus. - © Belvedere

Wenn Künstlerinnen um 1900 in Wien beachtet wurden wie die beiden Russinnen Elena Luksch-Makowsky und Teresa Feodorowna Ries, dann galten sie als "männliche" Talente, denn so fortschrittlich wie im fernen Russland, das bereits Frauen in den Akademieklassen zuließ, war man hier nicht. Die Gründung der Kunstgewerbeschule brachte erste Zugänge - auch wenn es Künstlerinnen anfangs nur dem Kunstgewerbe sowie in der Malerei der Landschaft und dem Stillleben zuordnete. Die beiden Damen waren aber auch Bildhauerinnen: Luksch-Makowsky hatte beide Fächer in Russland wie in München studiert und war zusätzlich in der Dachauer Malschule von Adolf Hölzel, der als Mitbegründer der Wiener Secession wohl auch mitverantwortlich war, dass sie zusammen mit ihrem in Dachau 1900 angetrauten Mann, dem Bildhauer Richard Luksch, an vielen Gruppenausstellungen, sogar jener legendären über Beethoven (1902), beteiligt war.

Frühe Auftragsarbeiten

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Das Belvedere widmet Elena Luksch-Makowsky eine seiner forschungsbasierten Ausstellungen "Im Blick". Alexander Klee schaffte es, ihr bekanntestes Auftragswerk, ein Keramikrelief für das abgerissene Wiener Bürgertheater, aus dem Kunstgewerbemuseum Hamburg nach Wien zu holen, doch fehlen in Corona-Zeiten nun die dortigen Fachrestauratoren für den Aufbau.

Erste Aufträge bekam die Künstlerin früh für Porträts und ihre Selbstbildnisse zeigen sie nicht nur als selbstbewusste junge Frau, die beständig in Wien und St. Petersburg, später auch Paris, ausstellte, sondern um 1901 mit einer symbolistischen Präsentation ihres ersten Sohnes Peter im "Ver Sacrum"-Bild, die die jüngeren Expressionisten Egon Schiele und Oskar Kokoschka stark beeinflusste. Vom Jugendstil geprägt zeigt sie sich mit ihrem Hauptwerk "Adolescentia", das, wie ihre Metall-Treibarbeiten, nicht nur an den flämischen Bildhauer Georg Minne erinnert, sondern auch die weibliche Variante von Ferdinand Hodlers Flächenstil darstellt. Die Silberblechreliefs waren für die Secession gedacht, resultierten aber auch aus Aufträgen der Familie Wittgenstein. Mit Gustav Klimt arbeitete Luksch-Makowsky an der Ausstattung des Palais Stoclet mit.

Elena Makowsky stammte aus einer Dynastie von Malerinnen und Malern im zaristischen Russland. Der Vater war Hofmaler und hatte auch in Paris ein Atelier, was ihre internationale Ausrichtung neben der Vielsprachigkeit begründet. Ein Foto zeigt die junge Künstlerin mit offenem Haar, Barett und bequemer Männerkleidung in München; eine selbstbewusste junge Frau, die sich mit ihrem Bruder Sergei davor gegen ihren Lehrer Ilja Repin und die alte Malergeneration stellte, indem sie Karikatur und Volkskunst einfließen ließ und besonders mit Keramik auch das Kunstgewerbe ganz im Sinne des revolutionären Wiener Kunsthistorikers Alois Riegl gleichwertig mit Malerei und Bildhauerei behandelte.

Ein "Frauenschicksal"

Die Mutterrolle mit drei Söhnen warf die Avantgardistin nicht aus der Bahn, denn sie betrieb weiter Kunst, war Mitredakteurin im Kunstmagazin "Apollon" ihres Bruders in St. Petersburg, und zeichnete auch für Kunstpublikation der Secession ("Ver Sacrum"), aber auch für humoristische Blätter wie "Der liebe Augustin" und sein russisches Pendant "Schupel".

1907 berief die Kunstgewerbeschule Hamburg ihren Mann als Professor, wo sie sich neu assimilieren musste und mit der Familie Warburg und dem Dichterpaar Ida und Richard Dehmel anfreundete. Ihre Ehe scheiterte 1921, Krieg und Revolution trieben ihre Restfamilie nach Paris, ihre Söhne wanderten dorthin und in die USA aus.

Luksch-Makowsky befasste sich intensiv mit russischem Holzspielzeug und den Bilderbögen ("Lubki"), die auch Wassily Kandinsky und "Der Blaue Reiter" als Vorbilder im Sinne eines neuen internationalen Blicks auf die "Art brut" propagierten. Porträtaufträge, Gebrauchsgrafik und Ikonen hielten sie über Wasser, auch Ankäufe und Großaufträge als Bildhauerin - ihr "Frauenschicksal" steht heute, auch ohne internationalen Durchbruch, im Hamburger Stadtpark.