Alles klar? Nein, nur die Farben. Und diese glatte Techno-Ästhetik. (Der Gerwald Rockenschaub ist ja außerdem DJ, macht elektronische Musik.) Sobald man allerdings genauer hinschaut, ist plötzlich NIX mehr einfach und offensichtlich. Dann weiß man nämlich auf einmal nimmer so genau, was man überhaupt sieht oder womöglich NICHT sieht. Und der Ausstellungstitel (irgendwas mit Weltraumrobotern) macht es einem auch nicht leichter: "astrobot(n)ic / philanthropic / this/that interlude (vision)." Ein neodadaistisches Gedicht?

Astroboter hab ich in der Galerie Krobath zumindest keine gefunden. Dafür einen Dalmatiner. Keinen kompletten zwar, aber immerhin drei schwarze Flecken. Eingelegt in ein Weiß. (Eine Intarsie aus Acrylglas.) Ansonsten überall an den Wänden: poppiger Minimalismus. Oder Minimal Pop-Art? Rockenschaub selbst bevorzugt freilich die Bezeichnung "funky minimal". Das monochrome Grün (wieder Acrylglas wie so gut wie alles hier) ist ja tatsächlich ziemlich funkig. Besonders in Kombination mit dem rosa lackierten MDF-Rahmen. Und ein bissl giftig, was nicht heißt, dass einem schlecht wird und man Krämpfe kriegt, wenn man das Bild zu lange betrachtet.

Schaust du noch oder siehst du schon?

Die zwei Kratzer (gekreuzte Linien) fallen einem sowieso erst aus allernächster Nähe auf, sind kaum auszumachen im makellosen Glanz. Da hat wohl jemand die perfekte, geradezu unmenschliche spiegelnde Glätte nicht mehr ausgehalten und sie durchstreichen müssen. So wie diese Autolackzerkratzer. Hat man den Übeltäter/die Übeltäterin wenigstens erwischt? Ja. Ein atelierloser Künstler war’s ("Ich arbeite am Computer"): Gerwald Rockenschaub. Vielleicht nicht höchstpersönlich, nicht eigenhändig. Doch es war definitiv kein Vandalenakt, das war Präzisionsarbeit. Eine professionelle Gravur. (Haustürschlüssel war also bestimmt keiner involviert.)

Ein Kleeblatt? Mysteriöses Objekt von Gerwald Rockenschaub,das einem irgendwie bekannt vorkommt. - © Rudolf Strobl/Courtesy: Gerwald Rockenschaub und Krobath Wien
Ein Kleeblatt? Mysteriöses Objekt von Gerwald Rockenschaub,das einem irgendwie bekannt vorkommt. - © Rudolf Strobl/Courtesy: Gerwald Rockenschaub und Krobath Wien

"Ich hab keinen Bock, irgendjemanden in die Irre zu führen, sondern ich lege ganz gern so Teaser aus", sagt der gebürtige Linzer (Jahrgang 1952), der in Berlin lebt und arbeitet. Und wie hat er einem völlig schwarzen Bild eine gelbe Aura verpasst? Der Trick: Es ist lediglich vorne schwarz. An den Seiten ist es mit einem dermaßen gelben Gelb angestrichen, das eine solche Leuchtkraft besitzt, dass das Gelb sogar von der weißen Wand reflektiert wird. Insgeheim übrigens ein Landschaftsbild. Den ins tiefste Weltraumschwarz eingravierten Winkel darf man jedenfalls durchaus als stilisierten Berg lesen. Ein Gipfel bei Nacht. Die extrem reduzierten Zeichnungen, Understatements, die die Augen herausfordern und die Wahrnehmung und die Fantasie schärfen, lassen sich ja mitunter mit Vertrautem assoziieren. (Mit Gebirgen, Wellen . . .)

Und das rätselhafte grüne Wandobjekt, dieser rundherum "angeknabberte" Kreis? Ein Kleeblatt? Und eine Säule versucht offenbar grad, sich unsichtbar zu machen. Oder sichtbar. Ein farbloses, transparentes Hindernis, durch das man geradewegs hindurchschauen kann, um das man aber trotzdem herumgehen muss. Erstaunlich, welche Macht ein unscheinbares Ding, das beinah Luft ist, über einen Raum und dessen Benutzer haben kann. Stylishe "Sehtests".