Die vom Berliner Bröhan Museum zum Bauhausjahr 2019 konzipierte Ausstellung "Von Arts and Crafts zum Bauhaus. Kunst und Design - eine neue Einheit" wurde vom Möbelmuseum Wien reduziert und umgestaltet übernommen und knüpft an die Wiener Beiträge zur Ikone der Moderne in Sachen Architektur und Design an. Im Bauhausmanifest finden sich 1919 noch ganze Passagen aus William Morris’ kunsthandwerklicher Reform, die er ein halbes Jahrhundert zuvor mit der Malergruppe der Präraffaeliten von Essex und London aus in die Welt gesetzt hatte.

Wien startet mit der Weltausstellung in London 1851, die, trotz des Glaspalasts von Joseph Paxton, keinen einheitlichen Stil Europas in Architektur und Design erkennen ließ. Folgend der Grundfrage nach dem einheitlichen neuen Stil war die Formreduktion der Präraffaeliten in Möbeln und Stoffdesign ein durchschlagender Erfolg, auch wenn sie auf alte Handwerkstraditionen zurückgriff und dadurch nicht ökonomisch erfolgreich war.

Adolfs Loos Ideen wirken bis in die Gegenwart ein auf das Design. - © SKB
Adolfs Loos Ideen wirken bis in die Gegenwart ein auf das Design. - © SKB

Soziale Reform und Reduktion

Als soziale Reform, angeregt durch John Ruskin und die erste Internationale der Industriearbeiter 1862 in London, strahlte sie mit Künstlern wie Heinrich Vogeler bis in Russlands Kommunismus aus. Über das Londoner Kaufhaus Liberty & Co konnten Vermittler wie Hermann Muthesius und Gottfried Semper nach Deutschland und mit Arthur von Scala weiter bis Wien wirken. Die erstaunlich schmucklosen Möbel und die Flächenkunst der Tapeten münden in die Arts & Crafts-Bewegung, die als "anglo-japanese style" in die Geschichte einging.

Der reduzierte Stil vereinte das "form follows function"-Postulat und das elitäre "aesthetic movement" von Oscar Wilde und James Mcneill Whistler. Als radikale Flächenkunst wirkte Morris bis in die Wiener Werkstätte und auf Josef Frank. Das schwarze Buffet eines Edward William Godwin oder die Stühle von Baillie Scott können mit der Einrichtung des ersten Büros der Staatsdruckerei von Josef Hoffmann in Wien verglichen werden. Auch die Quadrate im Design, als deren Erfinder Hoffmann galt, sind aus Englands Funktionskunst übernommen. Der geflochtene zarte Holzstuhl mit hoher Lehne von Kolo Moser schließt an die Vorbilder Morris’ und Ford Madox Brown an. Mit dem Slogan schöner Zweckmäßigkeit wirkten Scott und als Theoretiker Charles Robert Ashbee auf die Darmstädter Künstlerkolonie, Dresden und auf den 1907 in München gegründeten Deutschen Werkbund ein.

In Wien war es nicht nur die Secessions-Ausstellung 1900 mit Charles Rennie Mackintosh: Schon zuvor hatte der anglophile Arthur von Scala die englischen Möbel im neuen Museum für Kunst und Industrie (heute MAK) präsentiert, wo sie Adolf Loos für sich als absolute Vorbilder seiner von jedem Schnörkel des Jungendstils befreiten neuen Formkunst erkor.

Als Zusatzausstellung gibt es dazu die von Eva Beatrice Ottillinger konzipierte Schau zum 150. Geburtstag des Architekten Adolf Loos unter dem Motto "Design & Redesign", wobei die besondere Abhängigkeit von der englischen Arts & Crafts-Bewegung für seine ägyptischen Hocker, seine Armlehnstühle und Knieschwimmer-Fauteuils sichtbar gemacht wird. Die enge Verbindung liegt, wie die Maschinenmöbel Richard Riemerschmids zeigen, die aus Einzelteilen gefertigt wurden, nicht im Luxussegment einer Darmstädter Kunstkolonie oder der Wiener Werkstätte. Doch der AEG Wasserkocher von Behrens ist eindeutig ein Nachfahr der Teekannen des Engländers Christopher Dressler. Die Gründer des deutschen Werkbunds, neben Josef Maria Olbrich und Riemerschmid auch Muthesius, Hoffmann, Peter Behrens oder Bruno Paul, wirkten auf die Geburtsstätte des Bauhauses, die Weimarer Kunstgewerbeschule mit Henry van de Velde.

Vor dem Bauhaus wurde in Holland 1917 De Stijl begründet, eine weitere Reform in Sachen Purismus in Bau und Design wie dem berühmten Zickzackstuhl Gerrit Rietvelds zeigt. Wassily Kandinskys Kubimus mündet dann in den wichtigen Part der Bauhausmöbel, wobei Marcel Breuer mit seinem "Wassily" aus Stahlrohr neben vielen Schülern bis heute wirkt. 1933 bis 1945 wurde die Erfolgsstory allerdings zugunsten deutschen Volksstils ausgeblendet.