Sand, Leidenschaft, verschlungene Gliedmaßen – klingt nach Sex on the beach. Aber eigentlich ist es der Strand selbst, den man da beim Liebesspiel erwischt. Respektive baut Albana Ejupi aus dem Sand eines albanischen Strands keine Burgen, sondern Menschen, lässt die meist schemenhaften, haptischen Leiber, die sich auf ihren Leinwänden paaren, zu monochromen, verkrusteten Körperklumpen verschmelzen (in Rot, Blau, Ocker). Und hat sichtlich selber eine innige Beziehung zur Malerei, einen materialsinnlichen Stil. ("Malen gibt mir das Gefühl, nicht allein zu sein.")

Der Ausstellungstitel ortet eine Sehnsucht nach Intimität ("Desire For Intimacy"), und die können offenbar nicht einmal die Facebook-Freunde und Follower stillen, vor denen man doch keine Geheimnisse hat. An den Wänden der Lukas Feichtner Galerie wird jetzt jedenfalls definitiv nicht gezwitschert (zwitschern heißt auf Englisch bekanntlich "twitter"), hier wird, Tschuldigung: gevögelt. Pure, rohe Fleischlichkeit in unterschiedlichen Positionen und heftigen Erregungszuständen. Ehrliche Körper, die sich dem Alter, der Schwerkraft und der Lust kompromiss- und hemmungslos hingeben. Mit Hängebrüsten und Speckröllchen.

Keine Blümchenmalerei

Blümchensex ist das natürlich keiner. No na, das ist schließlich auch keine Kuschelmalerei. Eher eine, die Mut zu einer Hässlichkeit beweist, die dann aber wieder irgendwie schön ist. Geschlechts- und Malakt können zumindest beide ziemlich gewalttätig sein. Da kündigt die Frau, die oben ist, dem Mann, der beinah hilflos unter ihr liegt, an, ihm die Seele aus dem Leib zu . . . – "I’m going to take your soul out of your body". ("Take"? Schaut mir allerdings mehr nach dem F-Wort aus.) Die Drohung hat sie freilich möglicherweise sowieso wieder zurückgenommen, denn immerhin ist der Satz im Bild durchgestrichen (okay, blutrot).

Zwei Körper verschmelzen zu einem Blau: Albana Ejupi "spielt" mit albanischem Sand. - © Lukas Feichtner Galerie
Zwei Körper verschmelzen zu einem Blau: Albana Ejupi "spielt" mit albanischem Sand. - © Lukas Feichtner Galerie

Trotz der künstlichen Farbigkeit und bei aller grafischen Reduktion auf klare Kontraste und Verhältnisse ist der Realismus brutal. Die 1994 in Pristina (im Kosovo) geborene Künstlerin, die mittlerweile ein Atelier in Wien besitzt, arbeitet eben mit sehr authentischen Modellen, die sie fotografiert und studiert. Wenn sie in fleischlicheren Tönen anatomisch mehr ins Detail geht und daneben Stellen im Bild weiß lässt, die Leere mitspielen lässt, kann das in puncto Intensität aber nicht ganz mit den "Sandmännern" und "-frauen" mithalten.

Ekstase, Schmerz, Vergänglich- und Verletzlichkeit: Ob sie deshalb so gern Gaze einarbeitet? Wie einen Verband? Letztlich vielleicht lauter wuchtig zärtliche Liebeserklärungen an den Körper.