Knapp ein Jahr nach dem spektakulären Juwelendiebstahl in Dresden prüft nun ein Ermittlungsrichter, ob die drei festgenommenen Verdächtigen im Alter von 23 bis 26 Jahren in Untersuchungshaft kommen. Die dringend tatverdächtigen Männer wurden am Dienstag nacheinander dem Richter vorgeführt. "Das dauert an", so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft zuletzt aus Dresden.

Die deutschen Staatsbürger wurden am Morgen im Zuge einer groß angelegten Razzia in Berlin festgenommen. Sie gehören einer polizeibekannten, arabischstämmigen Großfamilie an, die auch für andere schwere Straftaten verantwortlich gemacht wird. Dazu gehört der Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze 2017 aus dem Berliner Bode-Museum. Nach zwei weiteren tatverdächtigen Clan-Mitgliedern wird öffentlich mit Fotos gefahndet.

Auch den beiden gesuchten 21-Jährigen werde schwerer Bandendiebstahl und Brandstiftung vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) nannte die Festnahmen auch ein Warnzeichen an das Clan-Milieu.

Im November 2019 stiegen unbekannte Täter in Dresden in die Schatzkammer Grünes Gewölbe ein und stahlen Kunstschätze von unschätzbarem Wert. Für die Diebe dürften die Stücke indes kaum zu veräußern sein. Entwendet wurden nämlich in der Fachwelt überaus bekannte Schmuckstücke wie die Brillant- und Diamantrosengarnitur sowie die Große Brillantschleife vom Brillantschmuck der Königinnen. Das Grüne Gewölbe ist das barocke Schatzkammermuseum der sächsischen Kurfürsten und Könige. In zehn prachtvoll ausgestatteten Räumen beherbergt es rund 3.000 Schmuckstücke aus mehreren Jahrhunderten und andere Meisterwerke aus Gold, Silber, Edelsteinen und anderen wertvollen Materialien.

Nach früheren Angaben der Ermittler stiegen die Täter über eines der vergitterten Fenster ins Residenzschloss ein, in dem sich das Grüne Gewölbe befindet, und strebten gezielt das Juwelenzimmer an. Ein von der Polizei veröffentlichtes Überwachungsvideo zeigte zwei Einbrecher, die mit Taschenlampen den dunklen Raum betreten und mit einer Axt auf die Vitrine einschlagen.

Die Großfahndung läuft nun seit den Morgenstunden, 18 Objekte wurden in der deutschen Hauptstadt durchsucht, darunter zehn Wohnungen sowie Garagen und Fahrzeuge. Laut Behörden sind dabei knapp 1.640 Polizeibeamte im Einsatz. Im Zentrum der Maßnahmen steht die Suche nach den gestohlenen Kunstschätzen und nach möglichen Beweismitteln, etwa Speichermedien, Bekleidungsstücke und Werkzeuge. Der Schwerpunkt der Durchsuchungen liegt im Stadtteil Berlin-Neukölln.

Die Ermittler hegen wenig Hoffnung, dass die Objekte wieder nach Dresden zurückkehren. "Da müsste man sehr viel Glück haben, dass man die ein Jahr nach der Tat noch finden würde", sagte Thomas Geithner, Sprecher der Dresdner Polizei. Doch: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."