Was macht man, wenn einem der Lockdown die Galerie zusperrt, obwohl man grad erst eine wirklich sehenswerte Ausstellung mit über 50 Ölbildern, Mischtechniken und Zeichnungen von Karl Korab eröffnet hat, und in die Auslage kann man nur ZWEI davon geben? Man fotografiert die Arbeiten kurzerhand ab und stellt sie auf die Homepage (https://www.artecont.at/aktuelle_ausstellung).

Wer die klar konstruierten, komplexen Landschaften und Stillleben (entstanden 2016 bis 2020) dort besucht, kann sie sogar genauer unter die Lupe nehmen. Der Cursor WIRD jedenfalls zu einer solchen, sobald man mit ihm über die oft mit Collage-Elementen angereicherte präzise Malerei drüberfährt, in der es ja vieles zu entdecken gibt (Wellpappestückln, Papierfetzerln, äußerst wirklichkeitsgetreu ausformulierte Löffel, eine beinah greifbare Klingel, kahle Bäume oder andere realistische Details im großen, streng komponierten Ganzen).

Das ist natürlich nicht dasselbe, als würde man den Originalen gegenüberstehen, aber man muss wenigstens nicht komplett auf ihren Anblick verzichten. Außerdem hängt in der Galerie ARTECONT das eine oder andere Opus ziemlich weit oben (auf einer besonders gut gefüllten Wand), und so kann man sie immerhin alle FRONTAL begutachten, diese ausgeglichenen, beschaulichen und souveränen Amalgame aus Geometrie und Natur, Abstraktion und Realismus, Ordnung und Chaos, 2 und 3D. Gouache reimt sich auf Collage, und mitunter wirkt Erstere tatsächlich wie eine gemalte Version von Letzterer. Und nicht immer kann man auf Anhieb sagen, wo die GEMALTE Collage aufhört und die geklebte anfängt.

Keine ägyptische Pyramide, ein "Großer weißer Giebel" (2020) von Karl Korab. 
- © Galerie Artecont

Keine ägyptische Pyramide, ein "Großer weißer Giebel" (2020) von Karl Korab.

- © Galerie Artecont

Am Land sind die Häuser sehr bodenständig

Die Welt ist bekanntlich ein Dorf. Ja eh, ein globales. Oder eines in Niederösterreich? Die Welt des Niederösterreichers Korab (1937 in Falkenstein geboren), der in Wien bei Sergius Pauser studiert hat, ist zumindest definitiv nicht die Großstadt mit ihrer Hektik. Giebel erheben sich geruhsam wie Pyramiden und kommuniziert wird noch gemütlich per Brief und nicht mittels E-Mail ("Briefwechsel"). Der Horizont, die Grenze zwischen Endlich- und Unendlichkeit, ist beim Korab übrigens meist hoch. Ach, weil seine Kunst so bodenständig ist, der Erde näher als dem Himmel?

Auch IN den Boden scheint er zu schauen, etwa einen Schnitt durch den Hügel unter einem einsamen Häuschen zu machen, die versickerte Vergangenheit freizulegen, das Verdrängte, das Unbewusste des Landes. Oder einfach den Abfall. ("Dunkles Land": Leichtes Unbehagen beschleicht einen.) Überhaupt ist die Stimmung mitunter ein wenig unheimlich. Menschen zeigen sich selten, wagen sich fast nie aus ihren Häusern, und wenn doch: Die Maskenträger verbreiten nicht unbedingt unbeschwerte Faschingslaune. (Nein, "eine den Mund-und Nasenbereich abdeckende und eng anliegende mechanische Schutzvorrichtung" – einen Mund-Nasen-Schutz – tragen sie NICHT.) Irgendwie surreal. Wie ein paar Bilder weiter die blauen Zypressen. (Sollten die nicht eigentlich grün sein? Eben.)

Zeichnen kann er auch, der Karl Korab. Die Linie sucht ein Motiv und findet sich selbst. 
- © Galerie Artecont

Zeichnen kann er auch, der Karl Korab. Die Linie sucht ein Motiv und findet sich selbst.

- © Galerie Artecont

Auftischen tut er uns ebenfalls gern was, der Korab. Ein Essensstillleben zum Beispiel. Teller, Löffel. Da muss der Betrachter jetzt die geometrisch abstrakte, konstruktivistische Suppe, die ihm der Künstler eingebrockt hat und die über den Tellerrand schwappt, mit den Augen auslöffeln. Ausgehungert ist man mittlerweile eh, seit die Museen und zuletzt die Galerien zumachen haben müssen. (Nicht, dass einem Korabs Kunstsuppe nicht so oder so schmecken würde.)