Die zweite große Ausstellung der Künstlerhaus Vereinigung ist nicht nur mehrsprachig, sie verbindet vor allem bedeutende Künstlerinnen aus Slowenien und Österreich unter einem Thema, das im Dialog auch politische Ereignisse streift: Vor hundert Jahren war die Kärntner Volksabstimmung und seit 30 Jahren ist Slowenien unabhängig und so können zwei EU-Staaten verbliebene Stereotypen weiter abbauen. Unter den 16 ausgewählten, meist prominenten Positionen ist schon der Außenraum - die Fassade des ehemaligen Theaters Brut (früherer französischer Saal des Künstlerhauses) - von Katharina Cibulka mit einem ihrer Statements versehen: "As long as the hope we spread is stronger than the fear we face, I will be a feminist."

Solidarische Praxis

Kuratorin in Wien ist Felicitas Thun-Hohenstein, in der Mestna Galerija in Ljubljana wird die Kooperation von Alenka Gregorić ab Mai fortgesetzt. Zum Titel "Wenn die Geste zum Ereignis wird" ist das Hände-Reichen gleich zu Beginn mit dem Video-Trailer Constance Ruhms kleinster Nenner der Solidarität in einem schwierigen Jahr - ein ganzes Bündel anderer Gesten wird jedoch in "Pearls Without a String" angeboten, das für Auge und Körper Emotion hervorruft und als Übertragung auf das Publikum funktioniert.

"Kunst als solidarische Praxis mit emanzipatorischem Potential" zu vermitteln ist besonders in Anna Artakers Installation des Stiegenhauses mit afrikanischen Stoffbahnen präsent, spielt sie doch mit diesem offenen Zelt, durch das wir hinaufgehen, auf die 2020 so wichtige Bewegung "Black Lives Matter" an. Im seitlichen Vorraum verhandelt ein Film von Magdalena Frey, den sie 2012 in Mexiko über eine der wenigen matrilinearen Kulturen gedreht hat, den Zentral-Diskurs "Matriarchat" seit dem "kulturellen Feminismus" der 1970er Jahre. Hinter der Videowand eröffnet sich der Mittelsaal in eine Installation von Marjetica Potrč die mit der dem "House of Social Agreement" (Nachbau aus Amazonien) und einer Wandmalerei auf "The World in the Age of Stories" neben dem Borromäischen Knoten in Diagrammen auf die Kosmogonien vor den Ursprungs- und "Naturgeschichten" der Menschheit verweist, in der die Venus von Willendorf auf eine Medusa trifft.

Filmstill aus "The Golden Pixel Cooperative Half of Sky". - © KHV
Filmstill aus "The Golden Pixel Cooperative Half of Sky". - © KHV

Spannend dazu die Konfrontation von Statistiken und Herbarien, die Lana Čmajčanin neben flugfähigen Drachen der Gruppe The Golden Pixel Cooperative mit "Half oft he Sky" als Diashow an die Wand wirft. Roberta Lima und Nika Autor haben die anschließenden Eckzimmer für ihre spannenden Dialoge bespielt, ein komplexer Rückblick auf die Gartenstadt in Gradec 1966 steht der Einblicke in das symbiotische Leben der Künstlerin in roten Netzen einer "Ghost Plant" gegenüber. Anna Jermolaewa erinnert uns mit ihrem unnachahmlichen Humor an die Blumen, die seit 1974 Revolutionen vorangestellt werden - von Rosen, Nelken, Tulpen über Jasmin bis Orangen und Krokus. Ihr Verblühen mag das Scheitern in Georgien, im Libanon oder Belarus inkludieren, doch "The Penultimate" von 2017 selbst ist eine tröstliche Versammlung.

Visuelle Poesie

Neben Maja Smrekar, dem Pollinators Collective, Ursula Mayers Realitätshinterfragungen und der Installation "Schlechte Laune ohne Kiosk und Küche" Maruša Sagadins ist konkrete Poesie in einem Film von Renate Bertlmann über ihren Dialog in Moskau 1977 mit der russischen Künstlerin Rimma Gerlovina zu sehen.

In "Performing Visual Poetry" bilden die Wortformen ihrer Vornamen auf Schreibmaschinenpapier Herzen und die beschriebenen Papierrollen verselbständigen sich zum besonders witzigen Versuch, die Mühen der Kooperation im Kalten Krieg "abzuspulen". Ein Beitrag von Dorit Margreiter neben ihrer Ausstellungs-Architektur-Gestaltung verweist zurück auf anhaltende Schwierigkeiten queer-feministischer Allianzen aber auch deren positive Möglichkeiten: "Juli, Lynne, Sabine, Alenka, Felicitas (Zentrum)" fließen auf Spiegeln mit Lackformen als geometrischer Freundschaftsdialog zusammen.