Eine Personale im Obergeschoß des Belvedere 21 mit mehr als hundert Werken aus den letzten 15 Jahren stellte Maja Vukoje, die seit ihrem Studium bei Maria Lassnig versucht, Grundfragen der Malerei mit unserer aktuellen globalen Lebenswelt in Bezug zu bringen, vor die dominante Architektur Karl Schwanzers. Zum Autonomieanspruch der klassischen Moderne kam der Zusammenhang mit der Weltausstellung 1958 in Brüssel, für den das heutige Museum als Pavillon Österreich repräsentierte. Er bringt einen absurden Aspekt in die Malereigeschichte, denn in seiner Nähe hatte Belgien ein afrikanisches Dorf aufgebaut, in dem Kongolesen in einer Art Menschenzoo vorgeführt wurden. Die alte kolonialistische Praxis ist einer der inhaltlichen Bezüge, die hier die aus der Prähistorie stammende Praxis der Malerei in vielen Facetten reflektiert.

Malen auf Jute

Vukoje malt seit 2014 auf Jute, ein Staatsstipendium in New York verstärkte diese Praxis, meist sind es alte Säcke mit Handelsnamen, die sie zu verschieden großen Leinwänden vernäht und ungrundiert bemalt. Daneben verwendet sie industriell gefertigte, bereits eingefärbte Jutebahnen. Im Süden und Norden des Pavillons sind Letztere innen an die gläserne Außenhaut des Gebäudes montiert; zwischen den vertikalen Metallverstrebungen leuchten die Farben in der winterlichen Dunkelheit auch im Außenraum semitransparent. Dazu kommen innen vier geteilte große Farbtafeln, die mit dem großen Bauhausmeister Josef Albers korrespondieren. In der Emigration in den USA beschäftigte sich der Lehrer von Donald Judd oder Eva Hesse am Black Mountain College sowie an der Yale University mit erweiterter Farbenlehre. 1950 bis 1976 malte er die bekannte Werkgruppe "Hommage to a Square". Bei Vukoje wird aus dieser mit reiner Farbigkeit aus der Tube vermittelten Ursprungsgeschichte der geometrischen Abstraktion in den USA (Hard Edge) eine vielschichtige Serie, denn sie ergänzt zur Installation auch viele Werke, die Albers formal folgen, aber maltechnisch und sozialgeschichtlich ergänzen. Somit katapultier sie diese Ikonen ins Heute, denn sie verwendet statt Farbpigment Kaffee, Zucker und Kakao.

Wie alte Meister: Maja Vukojes Orange, 2017. - © /R. Krauss
Wie alte Meister: Maja Vukojes Orange, 2017. - © /R. Krauss

Alle drei Lebens- und Genussmittel hängen nicht nur eng mit der Kolonialgeschichte zusammen, sondern der Juteuntergrund lässt die Namen der Handelskompagnien erkennen. Im Sinn des die Welt seit dem Barockzeitalter umspannenden kapitalistischen Raubbaus ergänzt sie mit einer Serie von geschälten Früchten, allesamt Exoten, gemalt in perfekten Trompe l’oeil wie die alten Meister des Stilllebens. Verirrt dazwischen, zuweilen mit durchgedrückter Farbe von der Rückseite nur schattenhaft, tauchen auch Eis am Stiel, genauso aber eine Faust aus dem Malgrund auf. In Großformaten kombiniert Vukoje Einzelteile wie Steinzeitmasken, griechische Vasen, Sonnenbrillen und Unterwäsche zu Art "Vogelscheuchen" vor dem Holzkreuz, das die Leinwand hält. Diese Werke umspannen faszinierend die Jahrhunderte wie die monumentalen Formate, die sie ums Eck oder über die Oberkante der Zwischenwände montiert. Darin lässt sie Abstraktion und Gegenstand zu unheimlichen Formen verschmelzen und nutzt die Technik des Bleichens der eingefärbten Jutebahnen zum Herausschälen der Malerei, eine Umkehrung, die der Technik der Fotografie, vor allem den frühen Naturdrucken von Anna Atkins, nahe scheint.

Pandemie-Artefakte

Natur, Spiegelung, Schatten und Augentrug - die antiken Errungenschaften und Repräsentations-Fragen der Malerei bis heute begleiten uns, locker verbunden von Vukoje, ohne didaktische Schwere postmoderner Zitate, mit der digitalen Bilderflut. Das ist eine Spezialität der Künstlerin, doch nun erzeugt das Aussparen auch auf den wenigen Leinenbildern das Motiv: eine Reklametafel, im Wind flatternde Wäsche, daneben setzt sie Glitter ein, um Handschuhe als Augentrug über den Bildrand zu hängen. Am Rande kommen die Artefakte des vergangenen Pandemiejahrs vor: Desinfektionsmittel im Glas und ausgerolltes Klopapier vor einem Raster. Es könnten hygienische Kacheln sein, aber auch das Grundmotiv von Hard Edge und da lächeln sie alle auf uns runter, die Schüler von Albers, die genannten Judd und Hesse, aber auch Robert Rauschenberg oder Richard Serra.