Er war vom Art Club bis zur jungen Musikszene in allen Avantgarde-Bewegungen nach 1945 am Rande präsent, aber diese Randexistenz war gleichzeitig eine Haltung: Padhi Frieberger (1931-2016) wollte sich, durch und durch Hippie und Friedensaktivist der 1960er und 1970er Jahre, dem ab 1980 anlaufenden Kunstmarkt nicht aussetzen. Deshalb kamen für den Verweigerer aus Kunstprinzipien auch größere Personalen in Museen in Wien, Krems und Salzburg erst kurz vor seinem Tod. Den Preis der Stadt Wien erhielt der 1945 bei einem Bombenangriff in Krems verschüttete Autodidakt mit über 60. Er beschäftigte sich bereits während seiner Ausbildung als Schirmmacher mit der Malerei auf Wänden von Abbruchhäusern, die er mit geliehenen Kameras fotografierte wie auch seine ersten Objekte, die ganz als Rückgriff auf die Dadaisten oder Vorgriff auf den französischen Nouveau Réalisme und sogar auf Passstücke von Franz West wirken.

Ironische Selbstinszenierung als Fotograf: Padhi Friebergers "High Noon", aufgenommen bei der ehemaligen Textilfabrik Fischapark in Weigelsdorf während der 80er Jahre. - © Padhi Frieberger
Ironische Selbstinszenierung als Fotograf: Padhi Friebergers "High Noon", aufgenommen bei der ehemaligen Textilfabrik Fischapark in Weigelsdorf während der 80er Jahre. - © Padhi Frieberger

Neffe Walter Jaworski, der bereits als Zehnjähriger an Fotoinszenierungen seines Onkels beteiligt war - die Serie mit Kindern mutet heute wie ein surrealer Film an -, hat den fotografischen Nachlass dem Westlicht überlassen: Etwa 100 Arbeiten zeigt die aktuelle Schau mit dem Untertitel "Frische Luft ist nicht alles", zu sehen ab dem Ende des Lockdowns, gemeinsam mit Collagen, die Frieberger als Mail-Art an seine Freunde verschickte.

Unter den Letztgenannten waren die wichtigsten Jazzmusiker und Literaten des Landes, die den leidenschaftlichen Trommler und Künstler im verfallenen Domizil Schloss Hagenberg bei Mistelbach besuchten und an Fotosessions teilnahmen, die nach den Arbeiten von Peter Weibel und Franz Hubmann in die Fotogeschichte eingehen werden. Hier treten Köpfe in Erscheinung wie Friedensreich Hundertwasser, Oswald Wiener, Konrad Bayer, Walter Pichler, Karl Ratzer, André Heller, Bruno Kreisky und die später auch als Fotografin tätige Elfie Semotan. Die ebenso vor der Kamera inszenierte Freundin Ingeborg Schneider nähte die durch Hundertwasser bekannt gewordenen Schirmkappen eigentlich für Frieberger.

Neben diesen Porträts der Kunstszene besitzen die Selbstbildnisse Bedeutung: Frieberger hat wahre Ikonen eines männlichen Außenseitertums geschaffen, von einer Aufnahme mit seiner Kurzzeit-Partnerin Maria Lassnig bis zu den mit kunstpolitischen Slogans zu Manifesten aufgeladenen heroisch-komischen Auftritten. Dazu war Frieberger ein früher Grüner mit der konsequenten Vorliebe für vegane Ernährung und Radfahren. Alkohol und Nikotin lehnte er strikt ab - ungewöhnlich für diese Jahrzehnte der existenzialistischen Selbstbetäubung. Die meisten Kollegen waren für ihn wegen ihres Mitläufertums Pseudokünstler und Schaumschläger, von ihnen setzte er sich auch durch seine Kleidung ab.

Schau mit Neuentdeckung

Kuratorin Marie Röbl hat in die Schau eine Entdeckung eingeschlossen, die der Darstellung widerspricht, Frieberger habe Frauen nur als Musen betrachtet - und somit noch glaubhafter eine Autonomie gegenüber der Macho-lastigen Nachkriegsavantgarde behauptet. In den großen Vitrinen sind kleine Gobelins von Brigitte Groihofer zu finden, die sich am Friedensmotiv der Taube orientieren; Frieberger selbst hatte die Vögel gezüchtet. Wie die auf den Fotos auftauchende Ingrid Schuppan war Groihofer, die als Schülerin mit Frieberger liiert war und später in Kunsttheorie und -management wechselte, über die Musenrolle hinaus als Textilkünstlerin tätig. Ein schöner Schachzug Röbls, der eine feministische Kritik zulasten Friebergers Qualitäten als Fotograf verhindert.