Bis zu seinem 90. Lebensjahr war er unermüdlich an der Leinwand tätig, obwohl sein körperlicher Einsatz dabei enorm war und es fast schon als sportliche Leistung gesehen werden muss, was Hans Staudacher eruptiv aus seinem Inneren in wilde Geste übertrug. In frühen Jahren verwendete er Jute, arbeitete am Boden wie Jackson Pollock und bis zuletzt wirkte der weiße Malgrund an seinen vielschichtigen Gemälden mit. Seine dynamische Handschrift mit dem Pinsel war so charakteristisch, dass 2017 ein Fälscher versuchte, sie nachzuahmen; der Künstler sah dies mit Humor positiv als Zeichen für seine anhaltende Bekanntheit. Tatsächlich waren aber auch die Preise seiner Werke am Kunstmarkt um 2000 in den fünfstelligen Eurobereich aufgestiegen.

Informel in Paris

1923 wurde Hans Staudacher in Steindorf am Ossiacher See im Ortsteil St. Urban geboren und wenn die Volksschullegenden über ihn stimmen, war das Zeichnen schon in der Kindheit seine Leidenschaft. In Kärnten war es die expressive Malerei des "Nötscher Kreises" um Anton Kolig, die ihn faszinierte, und nachdem er das Gymnasium ohne Matura verließ, nahm er Privatunterricht bei dem von Herbert Boeckl beeinflussten Arnold Clementschitsch. 1950 ging Staudacher nach Wien und schaffte auch ohne Studium an der Akademie die Aufnahme in die Secession, deren Ehrenmitglied er bis zuletzt war. Nachdem er die gegenständliche Malerei verließ, folgte er kurz der geometrisch-abstrakten Richtung wie einer der Hauptmeister des Art Clubs, Gustav Kurt Beck. Schon 1954 reiste er wie viele in die damalige Kunsthauptstadt Paris und lernte eine ganz neue Richtung, das Art Informel mit seinem Hauptvertreter Georges Mathieu kennen. Der Orientierung an dieser gestischen Abstraktion ist er zeitlebens treu geblieben und verband die Malerei wie Mathieu mit performativen Auftritten, die körperliche Gesten bis zum Tanz mit dem Pinsel steigerten. Zudem interessierten ihn bei diesen, von ihm dadaistisch genannten Experimenten Materialien wie Holz, Harz und Stofffetzen, die er teilweise collagierte.

Wilde, spontane Schrift

Besonders eigenwillig innerhalb der informellen Richtung ist Staudachers Entscheidung für eine Art wilde und spontane Schrift, die von der "Automatischen Handschrift" der Surrealisten wie von fernöstlichen Bildzeichen angeregt wurde. Zu den sehr individuellen kalligrafischen Notizen kamen Zahlen, Signaturen und eine Geste des Durchstreichens, der Dekonstruktion von Teilen seiner abstrakten Kompositionen aus vielen Farbschichten, in die er auch hineinkratzte oder Chiffren durch Terpentin farblöschend einschrieb. 1956 nahm Werner Hofmann ihn bereits als Vertreter auf die Biennale von Venedig mit, wo die jungen Maler mit Gerstl konfrontiert wurden. Wirklich bekannt wurde er nach seiner Rückkehr aus Paris ab 1962 in der Wiener Kunstszene. Er veröffentlichte wie seine abstrakt malenden Kollegen Markus Prachensky und Josef Mikl ein Manifest, in dem er vom Beginn einer neuen Malerei und Poesie schreibt, die nicht mehr erzählt, sondern handelt: "abstrakte kunst ist handschrift, farbe, tanz, spiel, zeichen, einfall, rede, wort, überfluß, bewegung, geschwindigkeit. sie ist unübertragbar, nicht zu verstehen. sie ist übermut – und das deshalb, weil sie macht hat" steht am Beginn einer halben Seite, die gegen die "Phantastischen Realisten" polemisiert, die damals in Wien besonders beliebt waren.

Staudacher hebt darin auch die theatralische Bewegung des Körpers, selbst den Gesang, hervor; zu Leinwand und Papier erwähnt er wie Yves Klein in Paris die Luft, aber auch Häute, Leder und Steine, auf die es alles anzubringen gilt. Die "physischen werte" und die Aufforderung ". . . schreie gegenseitig inspiriert" zu vereinigen, zeigen Staudacher gedanklich nahe dem aufkeimenden Aktionismus. Doch einer Gruppierung schloss er sich nie an, weshalb der stets Unangepasste nur eine große Personale im Palais Harrach zum 75. Geburtstag hatte und ihm sein Galerist Ernst Hilger 2013 als einen "90 Jahre gegen den Strom" Schwimmenden bezeichnete.