Viele Wiener Museen sind in großzügigen Repräsentativbauten untergebracht. Das kommt den am Montagabend verlautbarten Regelungen für eine Öffnung ab 8. Februar zugute: 20 Quadratmeter pro Besucher "sind für uns absolut machbar, sagt Sabine Haag, Direktorin des Kunsthistorischen Museums. Die Freude überwiegt bei ihr jedenfalls, dass KHM, Weltmuseum, Wagenburg und Theatermuseum ab Montag kommender Woche öffnen können. Ob dies auch für das Innsbrucker Schloss Ambras gelten wird, muss noch abgestimmt werden.

Auch Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig ist erleichtert, dass sie ihr Haus endlich wieder aufsperren darf - und zwar ohne "Reintesten". Die Vorgabe von 20 Quadratmetern pro Besucher sei im Belvedere gut umsetzbar. Dies entspreche im Oberen Belvedere 180 Gästen gleichzeitig und im Belvedere 21 dann 120 Personen. Das, so Rollig, läge sogar geringfügig über dem Durchschnitt an Besuchern, die unmittelbar vor dem aktuellen Lockdown das Haus frequentiert hatten. Das System der Time-Slots habe sich bewährt und werde beibehalten.

Warten auf die Verordnung

Ungetrübte Freude herrscht bei Stella Rollig dennoch nicht: "Wenn wir etwas gelernt haben in diesem Jahr, dann, dass man gar nichts vorhersehen kann." Zugleich sei nun aber von der Politik allgemein verstanden, dass die Museen sicher seien und als Kraftorte gebraucht würden. Rollig ist überzeugt: "Man kann nicht nur spazieren gehen." Im Augenblick des Rundrufs der "Wiener Zeitung" war den Museen allerdings noch keine Verordnung der konkreten Modalitäten für die Öffnung übermittelt worden. Der Tenor ist bei allen deshalb: Freude ja - aber auch Grübeln, was genau vorgeschrieben sein und wie man damit umgehen wird. Bis jetzt ist lediglich das verpflichtende Tragen von FFP2-Masken sicher und dass auf 20 Quadratmeter eine Person kommt.

So kann man beispielsweise im MUMOK die Frage, ob es verpflichtende Voraus-Buchungen von Time-Slots geben wird, mangels konkreter Vorgaben vorerst noch nicht beantworten. Dass die Besucher die Eintrittskarten samt Time-Slot im Internet buchen, bleibt als Empfehlung des Hauses freilich unvermindert aufrecht. Auch in der Albertina freut man sich auf die Öffnung ab kommenden Montag, doch auch in diesem Haus kann man das Procedere für den Besuch erst festlegen, wenn die Verordnung feststeht.

Das Jüdische Museum Wien öffnet wieder ab 8. Februar und zeigt in der Dorotheergasse die Ausstellung "Die Wiener in China. Fluchtpunkt Shanghai" und in der Dependance am Judenplatz die neue Schau "Herzls Töchter - 100 Jahre WIZO. Wiener Frauen für Israel" über die hundertjährige Geschichte der Women’s International Zionist Organization. Ein in Corona-Zeiten wohl einzigartiges Phänomen des Jüdischen Museums ist ein Zuwachs an Jahreskartenverkäufen, der ein Plus von 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete: Waren es 2019 immerhin 360 Jahreskarten, so waren es 2020 insgesamt 527 Jahreskarten bzw. Gutscheine für Jahreskarten.

Das MAK öffnet einen Tag versetzt am 9. Februar mit den beiden neuen Ausstellungen "Zeichensprache" und Andreas Duscha. Sky Glow".

Die Wiener Staatsoper hat angekündigt, das Haus als Architekturmuseum zu öffnen. Allerdings gibt es noch keinen konkreten Starttermin - und ob die ins Auge gefassten geführten Rundgänge durch das Haus möglich sein werden, wird erst durch die Verordnung klar werden. Zumindest im MUMOK und im KHM geht man davon aus, dass aufgrund der voraussehbaren Abstandsregeln keine Führungen möglich sein werden.

Herrscht bei den Museen überwiegend Freude über den, wenn auch gebremsten, Neustart, so kritisiert die IG Autorinnen Autoren, dass es keine Überlegungen über den musealen Kulturbereich hinaus gibt. Der Neustart von Theater und Konzert scheint in weite Ferne gerückt. (eb)