Mit dem heutigen Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit. Die katholische Kirche nimmt dies traditionell zum Anlass, eine Reihe heimischer Gotteshäuser in der vorösterlichen Zeit als Präsentationsräume zeitgenössischer Kunst zur Verfügung zu stellen. Zu erleben gibt es etwa Erwin Wurms Riesenpulli im Wiener Stephansdom, baumelnde Farbkompositionen im Klagenfurter Dom oder Totentücher in der Grazer St. Andrä-Kirche.

Textilien spielen in gleich drei künstlerischen Interventionen in österreichischen Gotteshäusern die Hauptrolle. Neben Wurms 80 Quadratmeter großem lila Pullover, der seit Dienstag als Symbol von Wärme, Schutz und Geborgenheit vor dem Hochaltar des Stephansdoms hängt und damit nach der vorjährigen, coronabedingt allerdings verkürzten Präsentation in diesem Jahr ein Comeback feiert, ist auch in der Krypta der Ursulinenkirche in Linz eine - im Wortsinn - stoffliche Arbeit zu sehen. Heribert Friedls Skulptur besteht aus getragenen Kleidungsstücken und schwebt wie eine Körperhülle in den unterirdischen Räumlichkeiten.

Uhrenticken und Orgelklänge

Während diese Installation infolge der Pandemie-Vorgaben nur nach telefonischer Voranmeldung (0676/87763505) und einzeln besichtigt werden kann, ist Friedls zweite Arbeit für alle Kirchenbesucherinnen und -besucher erlebbar. Eine aus Uhrenticken und Orgelklängen bestehende, rund 15-minütige Klangintervention ist bis zum Karfreitag (2. April) täglich um 9, 11, 13, 15, 17 und 19 Uhr zu hören. Die beiden Werke sind der heurige Beitrag zur seit drei Jahrzehnten bestehenden "Memento mori"-Kunstreihe in der Ursulinenkirche.

Textiles in beinahe gruseliger Anmutung gibt es auch in der Grazer St. Andrä Kirche im Zuge des inzwischen traditionellen "Kunst-Aschermittwochs" zu sehen. Für seine Totentuch-Installation "Anna.Ikona" hat Künstler Emmerich Weissenberger Abdrücke verstorbener bemalter Menschenkörper genommen. Sie sind zwischen 2009 und 2013 in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien entstanden. Außerdem zeigt Weissenberger eine sogenannte Lemniskate, eine in sich geschlossene Kurvenform aus toten Kiefern, die dem Klimawandel zum Opfer fielen. Die Asche der ökumenischen Aschermittwochsliturgie in St. Andrä stammt von der abgeflammten und geschwärzten Oberfläche dieser Holz-Lemniskate.

Äußerst farbenfroh präsentiert sich indes der Klagenfurter Dom in der Fastenzeit. Das Künstler-Duo Markus Hanakam und Roswitha Schuller lässt dabei bis Ostern Flächengebilde bunter, überlappender Kreise von der Decke des Altarraums baumeln. Die Arbeit spielt mit dem "Bokeh"-Phänomen, einem Unschärfe-Effekt aus der Fotografie.

Auf Werke aus vergangenen Jahren greift man hingegen im Innsbrucker Jakobsdom zurück. Die "via crucis" von Hans Dragosits aus dem Jahr 2013 versperrt in Form von Quadern und eines Kreuzes den Weg zum Hochaltar. Außerdem erinnern Fotografien an die Kunstaktion "Der Fels - das Boot - das Wasser - der Stein" von Anton Christian aus dem Jahr 2014, als dieser - inspiriert von den Vorgängen auf Lampedusa - ein vermeintliches Flüchtlingsboot an der Dommauer zerschellen ließ. Angesichts der jüngsten Berichte aus Lagern wie Moria scheint das Werk auch dieser Tage wenig von seiner Aussagekraft verloren zu haben. (apa)