Es war ein langer Weg, bis die Landschaftsmalerei zum akademischen Fach an den Kunstschulen erhoben wurde. In Wien gelang dies mit Christian Hilfgott Brand, der die neue "Im Blick"-Ausstellung im Oberen Belvedere mit seiner schon romantisch anmutenden "Waldlandschaft mit Bildstock" von 1750 abschließt. Beliebt waren Landschaften für die Ausstattung barocker Palais, weil die Wälder und Wiesen mit allegorischen und religiösen Geschichten vollgepackt werden konnten, was den Reiz für die Auftraggeber steigerte. In Böhmen (heute Tschechien) gab es einen Künstler, der ab dem späten 17. Jahrhundert mit seinen zwei Söhnen ein Monopol dafür aufbaute und mindestens fünf Mal in Variationen Serien der vier Elemente malte: Johann Jakob Hartmann. Seine Werke sind nicht auf Leinwand gemalt, sondern auf Kupfer und Holztafel, was der Ölmalerei einen speziellen Glanz verleiht und damals mit der Vorstellung längerer Haltbarkeit verbunden war.

Schwieriger Fall

Tatsächlich haften die in Lasuren aufgetragenen Farbschichten schlecht auf der glatten Oberfläche, Grundierung und Farbe blättern ab. Die seit 1923 im Besitz der Barockgalerie im Belvedere aufbewahrten vier Gemälden der Elemente von Johann Jakob Hartmann waren ein schwieriger Fall für die Restaurierung und sind deshalb erst jetzt mit zwei weiteren Werken aus der Sammlung zu sehen. Zu den sechs Gemälden aus der ehemals Kaiserlichen Galerie kommen Vorbilder und Zeitgenossen, auch aus der Prager Nationalgalerie und der Privatsammlung Kolowrat. Zwei Gemälde Hartmanns aus Graz sind als Fotografien ergänzt, sie konnten, noch unbehandelt, nicht reisen.

Hartmann und seine Söhne Franz Anton und Wenzel waren in einer Werkstatt tätig, ihre Bilder datierten und signierten sie nicht, was eine Händescheidung unmöglich macht. Sie malten retrospektiv: Ihre Vorbilder waren Jan Brueghel d. Ä. oder Joachim Patinier und niederländische Maler des frühen 17. Jahrhunderts, die sie in den böhmischen Sammlungen sahen. Deshalb ist vom Vorbild Brueghel eine wunderbare kleine "Waldlandschaft mit Hirschjagd" von 1593 aus dem Kunsthistorischen Museum dabei. Sie entstand schon 100 Jahre vor den Elemente-Serien, die wohl zwischen 1690 und 1730 zu datieren sind. Von Johann Jakob Hartmann ist zwar bekannt, wann er heiratete und dass er bis etwa 1736 tätig war, Geburts- und Sterbedaten sind aber unbekannt. Durch die Kleinteiligkeit der Maltechnik ist eine Unterscheidung vom Vater und den Söhnen kaum möglich.

Vergolder statt Maler

Von Reisen des Künstlers in die Niederlande weiß man ebenso wenig, nur Sohn Wenzel war in Italien. Die Kenntnis der Vorbilder kam wohl aus den adeligen Sammlungen, vor allem seit Johann Jakob Hartmann ab 1700 in Prag ansässig wurde und Bürgerrecht erhielt. Seine Herkunft aus Kutná Hora ist gesichert, wo sein Vater 1658 bis 1687 tätig war, auch Arbeiten für ein Kloster und Altäre in Kirchen in diesem Gebiet: und zwar als Vergolder, nicht als Maler. Die Landschaftskompositionen hat er immer gleich angelegt: Ein ähnlich dem Theater in Staffelungen und Farbperspektive konstruierter Tiefenraum wird in Lasuren aufgebaut. Besondere Lichtakzente erzeugen eine heimelige, vorromantische Stimmung, egal ob im Walddickicht oder den Ausblicken in die Ferne und auf bewölkten Himmel. Durch Weißhöhungen werden Stadt- und Ruinenmotive, Brücken und Häfen an Flüssen oft nur angedeutet, kahle Bäume und Menschengruppen sind im Vordergrund zu finden. Dazu wie am Markt aufgelegte Fische und Früchte. Das ergibt trotz Sozialquerschnitts durch Bauern, Kaufleute und adelige Jagd- und Festgesellschaften zwar nicht ganz ein "Wimmelbild" wie die der Brueghels, mit den christlich eingestreuten Szenen wie "Wunderbarer Fischzug" oder "Christus bei Maria und Martha" gibt es doch viel zu beobachten.