"Sie sind viel mehr als die Frau von Rudolf Leopold": Dieses Kompliment machte Ex-Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) Elisabeth Leopold, als sie 2017 in Wien geehrt wurde. Tatsächlich hat die Kunstliebhaberin an der Seite ihres 2010 verstorbenen Ehemanns eine der bedeutendsten Sammlungen der Wiener Moderne aufgebaut, die seit 2001 im Leopold Museum bestaunt werden kann. Am Mittwoch, 3. März, feiert die Grande Dame des heimischen Kunstbetriebs ihren 95. Geburtstag.

Trotz ihres beachtlichen Alters ist Leopold alles andere als im Ruhestand. Erst gegen Ende des Vorjahres freute sie sich über den Abschluss eines jahrzehntelangen Mammutprojekts: Das 1972 von Rudolf Leopold herausgegebene und bald vergriffene Standardwerk "Egon Schiele. Gemälde - Aquarelle - Zeichnungen" konnte kürzlich als aktualisierte und erweiterte Neuauflage neu aufgelegt werden.

Geboren am 3. März 1926 in Wien, lernte die spätere Augenärztin noch während ihrer Zeit an der Medizinischen Universität ihren künftigen Mann Rudolf kennen, den sie 1953 heiratete. Sie begleitete ihn auf seinen Kunstreisen und unterstützte ihn in seiner Sammeltätigkeit. Die ab den 1950er Jahren mehr als 5.000 zusammengetragenen Kunstwerke, die neben dem weltgrößten Bestand an Schiele-Werken etwa auch Bilder von Klimt, Kokoschka oder Egger-Lienz umfassen, wurden 1994 in eine Stiftung eingebracht. Teile davon sind seit 2001 dank des Leopold Museums im Museumsquartier der Öffentlichkeit zugänglich.

Dabei mussten sich die Leopolds am Anfang ihrer Sammlerleidenschaft wegen ihrer Vorlieben so manches anhören. "Ein Professor hat einmal gesagt: ‚Sie sammeln den Schiele? Da haben S’ aber schon einen Pecker‘", erinnerte sich die Kunstliebhaberin. Schiele habe damals eben nichts gegolten. Um Werke dieses nunmehrigen Malergiganten drehten sich auch einige Restitutionscausen, die das Sammlerehepaar über Jahre hinweg beschäftigten. Um den Vergleichszahlungen nachkommen zu können, musste das Museum andere Werke verkaufen.

Seit dem Tod ihres Mannes ist Elisabeth Leopold auf Lebenszeit Vorstandsmitglied der Leopold Museum-Privatstiftung. Im Ausstellungshaus selbst fungierte sie immer wieder als Co-Kuratorin.