Das Jubiläumsjahr 2021 muss aufgrund der äußeren Umstände möglicherweise etwas stiller anlaufen als geplant. "Wir sind aber wirklich froh, dass wir wieder öffnen durften", sagt Direktor Gottfried Gusenbauer. 20 Jahre ist das Karikaturmuseum Krems heuer alt und zum Jubiläum hat man drei neue große Ausstellungen vorbereitet.

Eine davon startet diesen Samstag und widmet sich einem breiten Querschnitt der europäischen Satire mit dem Gravitationszentrum Bayern, besser gesagt München. Mit "Volltreffer!" zeigt das Karikaturmuseum in allen oberen Sälen Werke aus der seit über 40 Jahren bestehenden Sammlung Grill. Die Sammler und Fixpunkte der Münchner Society, Meisi und Helmut Grill, haben mehr als 200 Werke von 42 Satire-Zeichnern nach Krems mitgebracht. Darunter Arbeiten von Loriot, Paul Flora, Tatjana Hauptmann und Jean-Jacques Sempé.

Gerhard Haderer: Wohnlandschaft mit Pferdekopfpolster, 1984. - © Sammlung Grill
Gerhard Haderer: Wohnlandschaft mit Pferdekopfpolster, 1984. - © Sammlung Grill

Der erste Raum widmet sich den Künstlern aus München und Umgebung und gibt auch Einblick ins Leben der Grills, die erst in der Villa Stuck, dann in ihrer Galerie Etcetera zahlreiche Ausstellungen organisierten. Kuriositäten finden sich in einer zentralen Vitrine wie der "Orden für absolut gar nichts", das Handtuch "Ein Quadratmeter Freistaat Bayern", die Weißwurst aus edlem Porzellan in samtener Schatulle und ein Globus, auf dem sich nur ein Land findet: Bayern.

Die Ausstellung zeigt ein breites Band an Stilen, Farben aber auch Herangehensweisen. Von feinsten, fast hauchdünnen Zeichnungen eines Paul Flora oder Jean-Jaques Sempé über die Subtilität eines Loriot oder die Experimentierfreude von Saul Steinberg bis hin zu handfestem Lachmuskeltraining à la Gerhard Haderer. Hier hängt der wuchtige, gemalte Triptychon "Der kleine Beamtenapparat" eines Hans Reiser (der auch ein brandaktuelles Werk "Maskenpflicht" aus dem Jahr 2020 beisteuerte) neben Floras nachdenklich-düsterem Blatt "Clair de Lune" aus dem Jahr 1989.

Zentrale Säule ist auch Gerhard Haderer, dem im dritten Raume zwei Wände gewidmet sind. Politische Karikaturen über den ehemaligen Bischof Kurt Krenn oder den erstmaligen Einzug der Grünen in den Nationalrat tragen den Stempel ihrer Zeit, haben aber an Relevanz dennoch nichts eingebüßt. Vorstudien, mit simplen Mitteln auf Papier skizziert, geben Einblick in die Werkstatt Haderers, die die Endprodukte als präzise Komposition ausweisen und nicht als Ergebnis eines rasch hingezeichneten Gedankens.

Rudi Hurzlmeier steuert eine Reihe frecher Zeichnungen bei, die auch alte Meister aufs Korn nehmen. So zeichnet Dürer von sich selbst ein Selfie. Saul Steinberg wiederum schafft es, mit nur einem gezielten Strich scharfsinnigen Humor aufblitzen zu lassen. Technische Virtuosität muss nicht immer mit schwerem Arbeitsgerät einhergehen.

Im Erdgeschoß werden Highlights aus der Landessammlung gezeigt. Ab 14. November sind dort mit "Christine Nöstlinger und ihre Buchstabenfabrik" die Illustrationen der Autorin und ihrer Tochter zum Kinderbuchklassi"Die feuerrote Friederike" zu sehen.