Das Gastspiel der Akademiegalerie und des Kupferstichkabinetts im Theatermuseum geht zu Ende mit Rudolf Jettmar, der an der Wiener Akademie bei August Eisenmenger studierte und ab 1910 für 26 Jahre an ihr Professor war; nach der allgemeinen Malschule leitete er eine Malereiklasse und schließlich die Druckgrafik-Abteilung.

Als Symbolist und Mitglied der Secession war die Antike sein Vorbild, danach verabscheute er pointiert 1938 die aufkommende Monumentalität der Nationalsozialisten: "man verwechselt Größe mit Brutalität". Die Akademie besitzt wie die Albertina einen Großteil der Grafikzyklen des Künstlers und zwei Gemälde, mit denen er besonders bei den Familien Wittgenstein sowie den Thurn und Taxis beliebt war.

Melancholische Kulissen

Bei Letzteren verbrachte er 1908 einen Arbeitsaufenthalt auf Schloss Duino bei Triest wie Lyriker Rainer Maria Rilke und zeichnete wie schon 1883 am St. Gotthard-Pass Felslandschaften, die er später als Hintergrund für seine allegorischen oder mythischen Gestalten verwendete. Ohne Baum und Haus bilden sie melancholisch aufgeladene Kulissen für seine Figuren. Die Mitstudenten Ferdinand Andri, Josef Maria Auchentaller oder Kolo Moser trugen wie er zu den bekannten Secessions-Ausstellungen und der Publikation "Ver Sacrum" bei, sein Freund Alexander Rothaug hat wie er barockes Pathos sowie Einflüsse von Arnold Böcklin und Max Klinger, mit dem Jungendstil kombiniert.

Jettmar hatte sich früh auch in Karlsruhe und Leipzig ausbilden lassen, Dekorationsmalerei und Kupferstich blieben wichtig, er verließ aber das Porträtfach und konzentrierte sich auf die Darstellung von Akten, die in einer Art fliegender Schwarm wie bei Gustav Klimt oder Auguste Rodin durch die Luft schweben. So bereits im Aquarell "Der Geiger" von 1895, das seine Doppelbegabung als Musiker andeutet; Jettmar war als Geiger Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker. Der im Mondlicht vor einem Wald Spielende scheint von den Körpern wie von der Musik angetrieben, am ehesten jedoch fängt er den von Philosoph Henri Bergson 1907 publizierten "Élan vital" als Zeitgefühl ein. Seine Reisen nach Italien waren prägend für ihn, er schuf Paraphrasen nach italienischen Renaissance-Gemälden, die Studienreise nach Paris musste er wegen einer Choleraepidemie in Karlsruhe abbrechen.

Die Schau integriert das Gemälde "Ödipus und die Sphinx" von 1932 mit Akten, die an Michelangelo erinnern, aber Jettmars Stärke liegt eindeutig in seinen grafischen Zyklen wie jenen zum "Bau der Höllenbrücke", zu den Herkulestaten oder den "Stunden der Nacht" mit einer allegorischen dunklen Mutter, die verschleiert ihre dämonischen Kinder hütet. Symbolismus voll Pessimismus im Sinne von Oswald Spenglers "Untergang des Abendlandes" (1918) steigern sich in seinen Felsschluchten und an einsamen Bergseen zu einem verzweifelten Aufbäumen des Menschen gegen äußere und innere Mächte. John Miltons "Paradise Lost" und George Gordon Lord Byrons Bücher bestimmten die Inhalte, der bekannte englische Radierer Franz Brangwyn war einer der größten Fans dieser dunklen Grafikzyklen.

Thronfolger Franz Ferdinand hatte sich 1910 durchgesetzt: Rudolf Jettmar wurde dem bekannten Expressionisten Albin Egger-Lienz als Professor vorgezogen, obwohl seine Malerei schon nicht mehr zeitgemäß war. Der Symbolismus kam erst mit Vorlieben für den Manierismus in den 1980er Jahren und der Postmoderne wieder in Mode. Blätter wie "Der Dichter" oder "Felslandschaft" sind heute begehrte Motive, auch die titanischen Helden des Prometheus-Zyklus oder die Kaltnadel-Radierungen zu "Kain" werden mit denen Klingers verglichen. Aufgrund seiner Orientierung an der Musik Richard Wagners und Ludwig van Beethovens, arbeitete Jettmar auch an der berühmten Beethovenausstellung der Secession von 1902 mit Klimt, Andri, Alfred Roller, Josef Hoffman und anderen mit.