Da gibt es doch diesen Spruch: Wieso einfach, wenn’s auch kompliziert geht? NATÜRLICH ginge es auch viel umständlicher, keine Frage. Elisa Alberti macht trotzdem "Von der Möglichkeit der einfachen Form" (so der Titel ihrer durch Präzision und Klarheit bestechenden Ausstellung in der Galerie Krobath) reichlich Gebrauch. Oder von den Möglichkeit-en. Plural. Sonst wird’s schließlich irgendwann fad.

Wenn Alberti "drei Komponenten, die wichtig sind in meinen Arbeiten" aufzählt ("die Oberfläche, die Farbe und die Form"), klingt das tatsächlich simpel. Die Oberfläche: matt oder glänzend. Die Farbe: gedämpft und im Wesentlichen unbunt. Schwarz, Weiß, Grau, Beige, sandige Töne. Starke Kontraste, dann wieder zarte Nuancen. Die Form: Eckiges mit Rundungen, das sie spiegelt, dreht, variiert und womit sie diskrete Spannung oder gar verhaltene Dynamik erzeugt, Rhythmen. Nicht, dass die Einfachheit der deutsch-italienisch-wienerischen Malerin (geboren 1992 im deutschen Kiel, aufgewachsen in Südtirol, nämlich im italienischen Bruneck, Studium an der Kunstakademie in Wien) also nicht ausgeklügelt wäre.

Bedeutet abstrakt "total weltfremd"?

Ein Bild ist ja in der Regel selber ein Stück saubere Geometrie: ein Rechteck. Und in dieses wird nun die Komposition sichtlich effizient und ziemlich harmonisch hineinkonstruiert. Unter Ausnutzung der gesamten Bildfläche. (Okay, bei den kleineren Arbeiten auf Holz wird schon einmal ums Eck gemalt, schupst der Pinsel die Farbe gern über die Kante, hört die Malerei nicht abrupt am Bildrand auf.) Noch ein Spruch fällt mir jetzt spontan ein. Was Lateinisches. Divide et impera – teile die Fläche und herrsche über sie. (Alberti macht beides allerdings ganz friedlich.)

Ein Z oder schlicht Farbe und Form auf einem Bildträger? Titel hat das Opus von Elisa Alberti jedenfalls keinen. 
 
 - © Anna Maria Ritsch, Courtesy: Elisa Alberti und Krobath Wien
Ein Z oder schlicht Farbe und Form auf einem Bildträger? Titel hat das Opus von Elisa Alberti jedenfalls keinen.


- © Anna Maria Ritsch, Courtesy: Elisa Alberti und Krobath Wien

Abstrakte Kunst demnach. Total weltfremd. Kunst, die allem Anschein nach jeglichen Bezug zur Realität außerhalb des Bildes verloren hat. Angeblich hallen in ihr aber noch ferne Echos von alltäglichen Dingen nach. Bis zur Unkenntlichkeit, zur reinen Form, entgegenständlicht. Eine geometrische Sprache spricht sie zweifellos. Assoziationen mit Schriftzeichen drängen sich manchmal geradezu auf. Tanzen da etwa ein R und ein H eng miteinander wie bei einem L’amour-Hatscher? Im hintersten Kammerl der Galerie möchte man ein Wort lesen: "BMNZ" – was, bitte, soll das heißen? Es hat jedenfalls gleich viele Buchstaben wie folgendes Wort: ENDE.